Der
Vorname ist die Abkürzung von Victoria, der Nachname eine
Verbeugung vor Panteras Phil Anselmo. Doch der erste Gedanke
zum Debüt der lettischen Sängerin mit dem Künstlernamen
VIC ANSELMO geht in eine komplett andere Richtung: Kate
Bushs Tochter ist erwachsen geworden, von zu Haus ausgebüchst
und findet sich plötzlich gefangen in einem Portfolio wieder,
zwischen Alptraumpuppen und Hieronymus Bosch als Gute-Nacht-Onkel.
Ein Albumtitel, der ins Schwarze trifft, eine Sängerin
deren Stimme zwischen Björk, Heather Nova und Tori Amos
angesiedelt ist. Stimmlich liegt sie also gar nicht so nahe
bei Kate Bush, wohl aber, was das Ambiente angeht. Ein nachtschattiges
Nimmerland, voller düsterer, kleiner Geschichten über
Menschen, die den Boden unter den Füßen verloren
haben, über die Angst davor, und das Grauen, das sich ins
Zimmer schleicht, während man noch dabei ist, das Puppenhaus
zu schmücken. Eingepackt in nicht allzu komplexe Songstrukturen,
die nur manchmal einen metallischen Unterbau besitzen, trägt
VIC ANSELMO ihre zehn kurzen Lieder pointiert und mit
selbstbewusstem Charme vor. Dass Trapped In A Dream
das Debüt der 23-jährigen Sängerin ist, merkt
man dem Album nicht an. Traumhaft sicher wandelt sie auf dem
Pfad zwischen melancholischem Gothic- und Alternative-Rock,
mit sachten Ausflügen in die ruhigeren Breiten des Bombastmetals
á la Nightwish. Leuchtendstes Vorbild bleibt indes Tori
Amos, deren Stimmlage VIC ANSELMO verteufelt gut drauf
hat. Musikalisch werden die Extreme, die Amos auslotet, allerdings
vermieden. Sowohl im Positiven wie im Negativen. Wenn man dem
Album eines vorwerfen kann, dass es etwas zu sehr dem Schönklang
huldigt, einem allzu berechenbaren Pop-Konzept folgt, in dem
für ausschweifende Klangexkursionen in dunkle und gefahrvolle
Bereiche kaum Raum bleibt. Innerhalb dieses Rahmens bewegen
sich VIC ANSELMO und ihre Mitstreiter allerdings überzeugend
und mit energetischer Eleganz. Allzu Banales wird vermieden,
das titelgebende Motto wird mit lyrischer Wucht umgesetzt. Eine
eindrucksvoller erster Auftritt, den die junge Sängerin
hingelegt hat. Ausbaufähig, aber bemerkenswert. Und mutig,
als Debüt ein Werk herauszubringen, das mit knapp 34-Minuten
eben mal bessere EP-Länge aufweist. Diese gute halbe Stunde
ist ihr Geld allerdings wert.