VIC ANSELMO – Trapped In A Dream

 
Label: Ominamedia
Release: 10.10.2008
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 34:02
Stil: Alternative Gothic Pop
URL: Vic Anselmo
 
Der Vorname ist die Abkürzung von Victoria, der Nachname eine Verbeugung vor Panteras Phil Anselmo. Doch der erste Gedanke zum Debüt der lettischen Sängerin mit dem Künstlernamen VIC ANSELMO geht in eine komplett andere Richtung: Kate Bushs Tochter ist erwachsen geworden, von zu Haus ausgebüchst und findet sich plötzlich gefangen in einem Portfolio wieder, zwischen Alptraumpuppen und Hieronymus Bosch als Gute-Nacht-Onkel. Ein Albumtitel, der ins Schwarze trifft, eine Sängerin deren Stimme zwischen Björk, Heather Nova und Tori Amos angesiedelt ist. Stimmlich liegt sie also gar nicht so nahe bei Kate Bush, wohl aber, was das Ambiente angeht. Ein nachtschattiges Nimmerland, voller düsterer, kleiner Geschichten über Menschen, die den Boden unter den Füßen verloren haben, über die Angst davor, und das Grauen, das sich ins Zimmer schleicht, während man noch dabei ist, das Puppenhaus zu schmücken. Eingepackt in nicht allzu komplexe Songstrukturen, die nur manchmal einen metallischen Unterbau besitzen, trägt VIC ANSELMO ihre zehn kurzen Lieder pointiert und mit selbstbewusstem Charme vor. Dass Trapped In A Dream das Debüt der 23-jährigen Sängerin ist, merkt man dem Album nicht an. Traumhaft sicher wandelt sie auf dem Pfad zwischen melancholischem Gothic- und Alternative-Rock, mit sachten Ausflügen in die ruhigeren Breiten des Bombastmetals á la Nightwish. Leuchtendstes Vorbild bleibt indes Tori Amos, deren Stimmlage VIC ANSELMO verteufelt gut drauf hat. Musikalisch werden die Extreme, die Amos auslotet, allerdings vermieden. Sowohl im Positiven wie im Negativen. Wenn man dem Album eines vorwerfen kann, dass es etwas zu sehr dem Schönklang huldigt, einem allzu berechenbaren Pop-Konzept folgt, in dem für ausschweifende Klangexkursionen in dunkle und gefahrvolle Bereiche kaum Raum bleibt. Innerhalb dieses Rahmens bewegen sich VIC ANSELMO und ihre Mitstreiter allerdings überzeugend und mit energetischer Eleganz. Allzu Banales wird vermieden, das titelgebende Motto wird mit lyrischer Wucht umgesetzt. Eine eindrucksvoller erster Auftritt, den die junge Sängerin hingelegt hat. Ausbaufähig, aber bemerkenswert. Und mutig, als Debüt ein Werk herauszubringen, das mit knapp 34-Minuten eben mal bessere EP-Länge aufweist. Diese gute halbe Stunde ist ihr Geld allerdings wert.