Wer nun VESANIA
mit Dimmu Borgir vergleicht, der macht es sich wahrhaft zu
einfach - auch wenn jeder Dimmu-Fan bestimmt seine Freude
an der neuen Scheibe hätte... VESANIA bedienen
zwar das gleiche Genre und nutzen somit ähnliche Stilmittel,
dennoch haben sie ihren ganz eigenen Sound und sind keineswegs
nur eine Kopie der Norweger! 1997 gegründet, erscheint
2003 das erste Album Firefrost Arcanum, welches
noch recht rau, eher an Black Metal der 90er (wie Emperor)
erinnernd, klang. Darauf folgte God The Lux
(2005). Hier glänzte die Band mit modernen technischen
Black Metal. Distractive Killusions dann als
neuester Silberling der Polen, auch als limited Digi-Pack
Version mit zwei Bonustracks erhältlich, führt diese
musikalische Entwicklung eigentlich nur weiter fort. Keyboards
waren von Anfang an bei VESANIA fest und dennoch nicht
zu aufdringlich eingebunden. Während diese auf den vorigen
Alben stellenweise nur mal so nebenher geplätschert sind,
merkt man nun umso deutlicher, dass die Jungs in den letzten
zwei Jahren an Erfahrung dazugewonnen haben. Die Produktion
ist wahnsinnig aufwendig, was einen absolut astreinen, fast
steril klingenden Sound zur Folge hat. Sämtliche Arrangements
sind ausgereifter und die Kompositionen in sich stimmiger.
VESANIA sind erwachsen geworden. Konstant gute Arbeit,
ein wahnsinniges Tempo und brutale Fußarbeit liefert
Schlagwerker Daray, der schon seit einiger Zeit bei Vader
die Sticks schwingt. Die Vocals sind um einiges satter als
auf den vorangegangenen Scheiben und rangieren in einem Spektrum
zwischen voluminösen Death Metal Grunts, aggressiv klagender
und schmerzverzerrter Black Metal Schreierei und wahnsinnigem
Gelächter im eröffnenden Song Narrenschyff.
Die gewohnt satten Gitarrenriffs sind mal staccato, mal melodisch
und manchmal „rotzen“ sie einem tieftönig
ihren Unmut um die Ohren. Neu sind die eigenwilligen und gefühlvollen
Solos wie z.B. in Rage Of Reason - übrigens ein
Song, der auch jedem Metalhead, der nicht grad auf Black Metal
steht, das Herz höher schlagen lässt.
Schon in der ersten
Hälfte des dritten Titels Infinity Horizon wird
schnell klar, dass die Jungs von VESANIA mit Distractive
Killusions keine Gefangenen machen wollen. Der ruhigste
Song auf der Platte heißt Hell Is For Children.
Er schleicht langsam von hinten in die Gehörgänge
und kreiert eine eigene düstere Atmosphäre, die
mir jedes Mal eine Gänsehaut beschert. Von den soundtrackartigen
Samples, die immer wieder in den Songs zu finden sind, mal
ganz zu schweigen - WOW! Im vorletzten Stück Aesthesis,
mein absoluter Liebling auf der Scheibe, gibt es nochmal so
richtig was auf die Ohren: pur, brutal und mit ordentlichen
Druck auf den Blast Beats verabschieden sich VESANIA
übergehend in das letzte Stück - eine Art Outro
- Distractive Cryscendo. Die Jungs hinterlassen den
Hörer mit dem Ausklingen der tickenden Uhren gespannt
wartend auf das, was sie wohl als nächstes zu bieten
haben...
Distractive Killusions – Ein absolutes
Must-Have für jeden der brutale Musik verpackt in spieltechnisch
perfekten und gut gemachten Arrangements zu schätzen
weiß – einfach TOP!