VESANIA – Distractive Killusions

 
Label: Napalm Records
Release: 30.11.2007
Von: sektlady
Punkte: 10/10
Time: 43:06
Stil: Symphonic Black Metal
URL: Vesania
 
Distractive Killusions - die immerhin schon dritte Scheibe der polnischen Symphonic Black Metal Band VESANIA um Frontmann Orion, der den meisten als Bassist von Behemoth bekannt sein dürfte. Sie hängt die Messlatte für ihresgleichen hoch wenn es darum geht, brutalen technisch und spielerisch ausgefeilten Black Metal mit symphonischen Keys und soundtrackartigen Samples gelungen zu kombinieren.

Wer nun VESANIA mit Dimmu Borgir vergleicht, der macht es sich wahrhaft zu einfach - auch wenn jeder Dimmu-Fan bestimmt seine Freude an der neuen Scheibe hätte... VESANIA bedienen zwar das gleiche Genre und nutzen somit ähnliche Stilmittel, dennoch haben sie ihren ganz eigenen Sound und sind keineswegs nur eine Kopie der Norweger! 1997 gegründet, erscheint 2003 das erste Album Firefrost Arcanum, welches noch recht rau, eher an Black Metal der 90er (wie Emperor) erinnernd, klang. Darauf folgte God The Lux (2005). Hier glänzte die Band mit modernen technischen Black Metal. Distractive Killusions dann als neuester Silberling der Polen, auch als limited Digi-Pack Version mit zwei Bonustracks erhältlich, führt diese musikalische Entwicklung eigentlich nur weiter fort. Keyboards waren von Anfang an bei VESANIA fest und dennoch nicht zu aufdringlich eingebunden. Während diese auf den vorigen Alben stellenweise nur mal so nebenher geplätschert sind, merkt man nun umso deutlicher, dass die Jungs in den letzten zwei Jahren an Erfahrung dazugewonnen haben. Die Produktion ist wahnsinnig aufwendig, was einen absolut astreinen, fast steril klingenden Sound zur Folge hat. Sämtliche Arrangements sind ausgereifter und die Kompositionen in sich stimmiger. VESANIA sind erwachsen geworden. Konstant gute Arbeit, ein wahnsinniges Tempo und brutale Fußarbeit liefert Schlagwerker Daray, der schon seit einiger Zeit bei Vader die Sticks schwingt. Die Vocals sind um einiges satter als auf den vorangegangenen Scheiben und rangieren in einem Spektrum zwischen voluminösen Death Metal Grunts, aggressiv klagender und schmerzverzerrter Black Metal Schreierei und wahnsinnigem Gelächter im eröffnenden Song Narrenschyff. Die gewohnt satten Gitarrenriffs sind mal staccato, mal melodisch und manchmal „rotzen“ sie einem tieftönig ihren Unmut um die Ohren. Neu sind die eigenwilligen und gefühlvollen Solos wie z.B. in Rage Of Reason - übrigens ein Song, der auch jedem Metalhead, der nicht grad auf Black Metal steht, das Herz höher schlagen lässt.

Schon in der ersten Hälfte des dritten Titels Infinity Horizon wird schnell klar, dass die Jungs von VESANIA mit Distractive Killusions keine Gefangenen machen wollen. Der ruhigste Song auf der Platte heißt Hell Is For Children. Er schleicht langsam von hinten in die Gehörgänge und kreiert eine eigene düstere Atmosphäre, die mir jedes Mal eine Gänsehaut beschert. Von den soundtrackartigen Samples, die immer wieder in den Songs zu finden sind, mal ganz zu schweigen - WOW! Im vorletzten Stück Aesthesis, mein absoluter Liebling auf der Scheibe, gibt es nochmal so richtig was auf die Ohren: pur, brutal und mit ordentlichen Druck auf den Blast Beats verabschieden sich VESANIA übergehend in das letzte Stück - eine Art Outro - Distractive Cryscendo. Die Jungs hinterlassen den Hörer mit dem Ausklingen der tickenden Uhren gespannt wartend auf das, was sie wohl als nächstes zu bieten haben...
Distractive Killusions – Ein absolutes Must-Have für jeden der brutale Musik verpackt in spieltechnisch perfekten und gut gemachten Arrangements zu schätzen weiß – einfach TOP!