Viele
französischen Bands haben etwas Extravagantes an sich,
und auch VEHEMENTER NOS bilden in dieser Hinsicht
keine Ausnahme. Diese Künstler verbinden rasanten, melodischen
Black Metal mit klassischen Elementen, die glücklicherweise
nicht aus der Konserve stammen. Als Gäste wirkten Carolina
an der Violine, Patrick am Cello, Thibault (Kontrabass) und
Stephane als Flötist mit. So entsteht ein angenehm warmer,
organischer Klangkörper, der einen totalen Kontrast zum
pfeilschnellen Metal darstellt.
Oftmals kommt die „Akustische“ zum Einsatz, beim
überlangen Les Devastes nimmt die gezupfte Passage
sogar ein paar Minuten der Lieddauer ein. Im Verlaufe dieses
entspannten Teils gesellen sich die Streichinstrumente dazu.
Einfach abschalten, genießen und auf sich wirken lassen
heißt die Devise während dieser sanften Elemente.
Ich rechne in keiner Weise noch mit einer Steigerung der Geschwindigkeit,
doch zu früh in Sicherheit gewiegt - denn das Tempo ändert
sich von einer Sekunde auf die andere und das Gaspedal wird
gnadenlos durchgedrückt. Dieses Kontrastprinzip wird in
jeder Komposition angewendet, das natürliche Spannungsfeld
erzeugt ein Wechselbad der Gefühle wie es schlimmer (oder
besser: schöner!) nicht sein könnte. Stichwort Komposition:
die von Details durchzogenen, eigenwillig arrangierten und künstlerisch
wertvollen musikalischen Werke haben diese Bezeichnung wahrhaft
verdient. Ganze sechs Jahre nahmen sich VEHEMENTER NOS
Zeit, um die Stücke reifen zu lassen. Die Klangfarbe der
französischen Texte trägt außerdem zur extravaganten
Erscheinung der Gruppe bei. Auch stimmlich gibt sich die Band
experimentierfreudig und variantenreich, so wird gekreischt,
dunkel gefaucht, aber auch in Chören mit stolz geschwellter
Brust gesungen.
Am besten ist es, VEHEMENTER NOS in aller Ruhe
zu hören, die detailreiche Klangwelt erschließt sich
unter dem Köpfhörer in seiner ganzen Pracht. Die Franzosen
fühlen sich in jedweder Geschwindigkeitsregion wohl, sie
sind etwa durch geflüsterte Passagen und apokalyptisch
anmutende Klangcollagen, Schreie und dagegen zuckersüß
wirkende Akustikgitarren- oder Streichereinlagen imstande, eine
faszinierende Atmosphäre zu erschaffen.
Genial, wie sich die Doublebass mit der Flöte ergänzt
oder ein Sample die Streicher unterstützt und somit die
Songs noch weiter aufwertet. Schwer zu beschreiben das Ganze,
ihr müsst wohl selber dieses avantgardistisch, nicht leicht
verdauliche und extrem vielschichtige Werk genauer unter die
Lupe nehmen. Anfangs hatte ich auch Probleme mit den sperrigen
Stücken, doch nach und nach entdeckt man die unermesslichen
Tiefen und Weiten von VEHEMENTER NOS.
Wer hat Lust auf eine interessante und vor überraschenden
Wendungen geprägte Entdeckungsfahrt? VEHEMENTER
NOS sind sicherlich eine Reise in ein progressives
und höchst musikalisches Universum mehr als wert! Allerdings
ist der Genuss von solcherlei Klängen extrem stimmungsabhängig,
die musikalische Klasse ist aber unbestritten!