VEHEMENCE
haben in ihrer doch recht kurzen Bandgeschichte einen ziemlich
imposanten Aufstieg hingelegt. Gegründet 1995, wurde 1998
das erste Demo aufgenommen und 2000 bereits das Debüt The
Thoughts From Which I Hide in Eigenregie veröffentlicht.
Mit diesem Album und intensivem Touren konnte man die Aufmerksamkeit
Brian Slagel’s auf sich ziehen, was in einem langfristigen
Deal mit Metal Blade endete. So gestärkt, startete man
nun richtig durch, nach intensivem Touring folgte das Zweitlingswerk
God Was Created.
Mit diesem Album präsentieren die amerikanischen Hopefuls
eine interessante Mischung melodischen Death Metals, der durchaus
in skandinavische Gefilde beheimatet sein könnte. Aber
sobald Sänger Nathan loslegt, wird man augenblicklich nach
Florida versetzt. Man werfe Bands wie In Flames, ein bisschen
Hypocrisy und alte Amorphis in einen Topf, dazu einen Prise
Morbid Angel und abgrundtiefes Gegrunze, an dem selbst Barnes
seine helle Freude hätte. Unterstützt wird Nathan
durch den Bassisten Mark, der hin und wieder mit fiesen Schreigesang
die Atmosphäre verschärft. In ein ultrabrutales Death
Metal Grundgerüst lässt man eine Menge keyboardlastiger,
teilweise sogar recht verspielter Melodien einfließen
(Made For Her Jesus) und verschafft Abwechslung mit
akustischen Gitarrenparts (She Never Noticed Me –
in das selbst Pianoklänge einfließen) und diversen
Speed Einlagen, die sowohl an Morbid Angel, als auch an Hypocrisy
erinnern. Musikalisch gesehen ist God Was Created
ein intelligent produziertes, äußerst
ansprechendes und intensives Album, das Freude bereitet. Ein
ziemlicher Kracher, den ich von einer amerikanischen Band im
Jahre 2002 sicher nicht erwartet hätte, nachdem diese Szene
ja eigentlich schon ausgeblutet ist. Die Jungs haben es drauf!
Einziger Kritikpunkt wäre für mich die Länge
der Tracks, von denen der Großteil zwischen 5 und knapp
9 Minuten liegt. Dies verursacht Langatmigkeit an der einen
oder anderen Stelle und insbesondere zum Ende hin ist man häufig
geneigt, fremd zu hören, da dort der melodische Anteil
ziemlich zurückgeschraubt wird. Vielleicht beim nächsten
Mal nicht ganz so ausufernd, dafür knackiger.
Einen deutlichen Minuspunkt gibt es für Cover und Lyrics.
Das Frontcover ist zwar diesmal recht zahm ausgefallen –
verglichen mit Debüt und Demo, hat aber dennoch eher etwas
Lächerliches. Auf den Innenseiten wird dann gesplattert,
was das Zeug hält, aber ebenso dilettantisch. Bei den Lyrics
ergeht man sich in antichristlich – jungfräulichen
Vergewaltigungs- und Splatter Orgien, die sicher nicht ernst
zunehmen sind und sogar ein Schmunzeln verursachen. Einzige
Ausnahme ist der Titeltrack God Was Created. Die Lyrics
sind sicher „Geschmackssache“, dennoch haben sie
- und die grafische Gestaltung - God Was Created
in Deutschland auf den Index gebracht, während die Platte
ansonsten nur den üblichen Sticker drauf hat. In Deutschland
ist das Album somit nur über wenige Mailorder zu bekommen.
Auf diese Weise kann man als Newcomer sicher keine Einheiten
absetzen. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen.