Na holla,
das hätte ich aber nicht erwartet. Langweilten mich die
österreichischen VANITAS auf ihrem letzten
Album Der Schatten einer Existenz
noch mit unspektakulärem und –inspiriertem Gothic-Gedöns,
so lässt diesmal bereits der Opener Endlosschleife
aufhorchen: ein überraschend rockiger, sogar an einigen
wenigen Stellen mit einem leichten Industrial-Touch versehener
Einstieg, der so gar nichts mehr mit der transusigen Mucke des
Vorgängers zu tun hat. Der Song geht munter und recht heftig
nach vorne los, ist sehr direkt produziert/komponiert und hat
somit tatsächlich ein erfrischendes Element zu bieten.
Das es sich
dabei nicht um einen Ausrutscher handelt, sondern tatsächlich
um eine gewollte Weiterentwicklung des eigenen Stils beweisen
dann auch die folgenden Stücke auf Lichtgestalten.
Vor allem Sammelleidenschaft entpuppt sich als cool-düsterer
Rocker, dessen Texte und Strukturen mich teilweise an Bethlehems
Schatten aus der Alexanderwelt erinnern, obwohl VANITAS
insgesamt natürlich deutlich weniger verschnörkelt
(oder wirr...) komponieren.
Die Stimme von Sopranistin Maria Dorn tritt wesentlich deutlicher
hervor, ebenso die klassischen Elemente (wiederum mit Gastmusikern
der Wiener Staatsoper), indes sind sich die Riffs an einigen
Stellen noch zu ähnlich. Außerdem bemüht sich
zwar Andreas Schärfinger als Hauptvocalist deutlich um
mehr Flexibilität, allerdings erkennt man auch, dass es
ihm einfach an stimmlichen Mitteln fehlt, all das Vorgenommene
perfekt umzusetzen, wodurch der Gesamteindruck an einigen Stellen
doch etwas leidet.
Trotzdem:
insgesamt ist Lichtgestalten eine
echte Überraschung geworden, nicht zuletzt aufgrund starker
Stücke wie Menschen..Gott..Maschinen, Tausend
Quadrate oder Relatives Freisein, sowie auch der
Covergestaltung, die mir ausgesprochen gut gefällt. Da
hat sich endlich mal jemand Gedanken gemacht! Das reicht dann
alles in allem zu wohlverdienten fetten 8 Punkten.