VANDEN PLAS – Christ.0

 
Label: InsideOut
Release: 31.03.2006
Von: Stormlord
Punkte: 9/10
Time: 67:23
Stil: Progressive Metal
URL: Vanden Plas
 
Meine erste Berührung mit den Klängen von VANDEN PLAS stellte 1997 die CD The God Thing dar. Mir war die Band nicht bekannt, als ich die gebrauchte Digipack-Version auf Gut Glück kaufte – und es nicht bereuen sollte. Auch mit dem Erwerb des neuesten (Genie-)Streiches aus dem Hause der Progmetal-Freaks kann ein Fan dieser Spielart nichts falsch machen.
Das letzte Album Beyond Daylight liegt schon 4 Jahre zurück, in denen die Bandmitglieder aber nicht auf der faulen Haut lagen, sondern verschiedensten Engagements verpflichtet waren, so war die ganze Truppe an einem Theaterstück beteiligt oder Sänger Andy veröffentlichte eine Soloscheibe namens Abydos. Die Theatererfahrung und Zusammenarbeit mit großen Orchestern hatten offensichtlich Auswirkungen auf die Entstehung von Christ.0, der Sound ist äußerst vielgestaltig und variabel; eine Vielzahl von Stimmungen und Tempi sorgen für ständige Abwechslung und die Band bringt harte Songs wie Somewhere Alone In The Dark genauso begeisternd rüber wie emotionelle Balladen wie Lost In Silence. Die Instrumentierung ist begeisternd, ob nun gefrickelt wird wie in bester Dream Theater - Tradition oder schnörkellos gerockt, alles klingt durchwegs spannend und keineswegs überladen. Es ist auch egal, ob ein Lied vier oder zehn Minuten dauert, die Arrangements bleiben stets mitreißend und zahlreiche Details erschließen sich erst nach oftmaligem Hörgenuss, unter dem Kopfhörer ist die Magie von Christ.0 besonders zu spüren.
Schon allein der instrumentale Mittelteil des Eröffnungsstückes und Titelliedes ist genial und so geht es auch weiter. Dabei wirken die Soloparts nicht als Egotrips der technisch perfekten Instrumentalisten sondern sind passgenau in die fein gestalteten Lieder integriert. Die Qualität ist also enorm hoch und ein Stück ragt noch weit heraus: das acht Minuten dauernde Silently, das einfach von der ersten bis zur letzten Note fesselt: interessante Melodiebögen, zupackende Riffs, geschickte Tempowechsel, die auch zarte Gefühlspassagen zulassen – dieses Opus besitzt einfach alle Charakteristika, die eine Komposition braucht, um zu einem Genre-Klassiker zu werden. Die letzten Minuten dieses Ohrenschmauses sind einfach nur mehr gewaltig, sollte jeder einmal gehört haben! Akustikgitarren, die sich mit Keyboard und Piano duellieren, das ist schon besondere Komponier- und Spielkunst! Ich möchte hier die anderen Songs nicht unterbewerten, Christ.0 zeigt sich als lyrisches und musikalisches Gesamtkunstwerk, abgeschlossen von einer hochklassigen Interpretation von Gethsemane aus dem Musical Jesus Christ Superstar.
An Christ.0 gibt es wirklich nichts auszusetzen, die Songs sind packend und technisch-verspielt, laden zum genießerischen Mitwippen ein und sind einfach zeitlos schön. Bravo!