Meine
erste Berührung mit den Klängen von VANDEN
PLAS stellte 1997 die CD The God Thing
dar. Mir war die Band nicht bekannt, als ich die gebrauchte
Digipack-Version auf Gut Glück kaufte – und es nicht
bereuen sollte. Auch mit dem Erwerb des neuesten (Genie-)Streiches
aus dem Hause der Progmetal-Freaks kann ein Fan dieser Spielart
nichts falsch machen.
Das letzte Album Beyond Daylight liegt
schon 4 Jahre zurück, in denen die Bandmitglieder aber
nicht auf der faulen Haut lagen, sondern verschiedensten Engagements
verpflichtet waren, so war die ganze Truppe an einem Theaterstück
beteiligt oder Sänger Andy veröffentlichte eine Soloscheibe
namens Abydos. Die Theatererfahrung und Zusammenarbeit mit großen
Orchestern hatten offensichtlich Auswirkungen auf die Entstehung
von Christ.0, der Sound ist äußerst
vielgestaltig und variabel; eine Vielzahl von Stimmungen und
Tempi sorgen für ständige Abwechslung und die Band
bringt harte Songs wie Somewhere Alone In The Dark
genauso begeisternd rüber wie emotionelle Balladen wie
Lost In Silence. Die Instrumentierung ist begeisternd,
ob nun gefrickelt wird wie in bester Dream Theater - Tradition
oder schnörkellos gerockt, alles klingt durchwegs spannend
und keineswegs überladen. Es ist auch egal, ob ein Lied
vier oder zehn Minuten dauert, die Arrangements bleiben stets
mitreißend und zahlreiche Details erschließen sich
erst nach oftmaligem Hörgenuss, unter dem Kopfhörer
ist die Magie von Christ.0 besonders
zu spüren.
Schon allein der instrumentale Mittelteil des Eröffnungsstückes
und Titelliedes ist genial und so geht es auch weiter. Dabei
wirken die Soloparts nicht als Egotrips der technisch perfekten
Instrumentalisten sondern sind passgenau in die fein gestalteten
Lieder integriert. Die Qualität ist also enorm hoch und
ein Stück ragt noch weit heraus: das acht Minuten dauernde
Silently, das einfach von der ersten bis zur letzten
Note fesselt: interessante Melodiebögen, zupackende Riffs,
geschickte Tempowechsel, die auch zarte Gefühlspassagen
zulassen – dieses Opus besitzt einfach alle Charakteristika,
die eine Komposition braucht, um zu einem Genre-Klassiker zu
werden. Die letzten Minuten dieses Ohrenschmauses sind einfach
nur mehr gewaltig, sollte jeder einmal gehört haben! Akustikgitarren,
die sich mit Keyboard und Piano duellieren, das ist schon besondere
Komponier- und Spielkunst! Ich möchte hier die anderen
Songs nicht unterbewerten, Christ.0
zeigt sich als lyrisches und musikalisches Gesamtkunstwerk,
abgeschlossen von einer hochklassigen Interpretation von Gethsemane
aus dem Musical Jesus Christ Superstar.
An Christ.0 gibt es wirklich nichts
auszusetzen, die Songs sind packend und technisch-verspielt,
laden zum genießerischen Mitwippen ein und sind einfach
zeitlos schön. Bravo!