UNCOLORED WISHES – World Under Control

 
Label: Manitou Music
Release: 09.11.2007
Von: Joking
Punkte: 8/10
Time: 49:06
Stil: Progressive Power Metal
URL: Uncolored Wishes
 
World Under Control Ist anscheinend kein Album für Metal-Hardliner, was teilweise vernichtende Kritiken in diversen (Online)-Magazinen belegen. Und das nicht, weil die nötige Härte fehlt, ganz im Gegenteil, es geht mit End Of Time gleich wuchtig los. Packende Hookline, gute Musiker, ein beachtlicher Sänger, kurze, knackige Soli - Metal-Herz was willst du mehr? Klar, wir sind hier nicht im Highspeed-Schwermetall-Ghetto, sondern in der progressiv ausgerichteten Ecke, d.h. es gibt Breaks, fette Keyboards (ab und an) und in die wildesten Momente schaltet sich schon mal eine akustische Gitarre ein. Und gleich Stück 2 ist ein ambient-industrial-artiges Hörstück, allerdings mit 1’:47“ lediglich eine kleine Intermission, die zudem am Ende Tempo aufnimmt und in, den seinem Namen alle Ehren machenden Song, Amazone übergeht. Im darauf folgenden Galleons Of The Messiah geht das los, was Eisenköpfe abschreckt: da treffen Flamenco-Rhythmus und -Gitarren auf harsche Vocals, ein Doublebass-Gewitter liefert sich eine Schlacht mit gemeinem Rap. Das ist abgedreht, witzig und passt doch irgendwie zusammen. Und so geht’s weiter, vom theatralischen Röcheln über hörspielartige Sequenzen, unterlegt mit künstlichen Streichern, die gerne mal den Basar nebenan durchstreifen, bevor Gitarren und Drums wieder Gas geben. Im neunten Stück Regression wird endlich die französische Herkunft der Musiker offensichtlich, wenn eine Frauenstimme süße Versprechungen auf Französisch verheißt. Hier wird Chansoneskes elegant und ansprechend eingebunden, findet großes Melodrama statt, bevor die Reise dunkel und wiederum einige Grade härter weitergeht.
Bleibt festzuhalten: UNCOLORED WISHES kennen kaum Berührungsängste und mixen scheinbar unvereinbare Gegensätze zu einem starken Neuen. Wenn das nicht eine der wesentlichen Merkmale des Attributs „progressiv“ ist, was dann? Überlassen wir es also den Scheuklappenträgern World Under Control zu verreißen. Wir, die wir wissen, das Grenzen zum Überschreiten da sind, mögen das Album. Ja, sogar den Boogie Woogie-Rocker Final Dance zum Schluss. DAS muss man sich erst mal trauen…