World
Under Control Ist anscheinend kein Album für Metal-Hardliner,
was teilweise vernichtende Kritiken in diversen (Online)-Magazinen
belegen. Und das nicht, weil die nötige Härte fehlt,
ganz im Gegenteil, es geht mit End Of Time gleich wuchtig
los. Packende Hookline, gute Musiker, ein beachtlicher Sänger,
kurze, knackige Soli - Metal-Herz was willst du mehr? Klar,
wir sind hier nicht im Highspeed-Schwermetall-Ghetto, sondern
in der progressiv ausgerichteten Ecke, d.h. es gibt Breaks,
fette Keyboards (ab und an) und in die wildesten Momente schaltet
sich schon mal eine akustische Gitarre ein. Und gleich Stück
2 ist ein ambient-industrial-artiges Hörstück, allerdings
mit 1’:47“ lediglich eine kleine Intermission, die
zudem am Ende Tempo aufnimmt und in, den seinem Namen alle Ehren
machenden Song, Amazone übergeht. Im darauf folgenden
Galleons Of The Messiah geht das los, was Eisenköpfe
abschreckt: da treffen Flamenco-Rhythmus und -Gitarren auf harsche
Vocals, ein Doublebass-Gewitter liefert sich eine Schlacht mit
gemeinem Rap. Das ist abgedreht, witzig und passt doch irgendwie
zusammen. Und so geht’s weiter, vom theatralischen Röcheln
über hörspielartige Sequenzen, unterlegt mit künstlichen
Streichern, die gerne mal den Basar nebenan durchstreifen, bevor
Gitarren und Drums wieder Gas geben. Im neunten Stück Regression
wird endlich die französische Herkunft der Musiker offensichtlich,
wenn eine Frauenstimme süße Versprechungen auf Französisch
verheißt. Hier wird Chansoneskes elegant und ansprechend
eingebunden, findet großes Melodrama statt, bevor die
Reise dunkel und wiederum einige Grade härter weitergeht.
Bleibt festzuhalten: UNCOLORED WISHES kennen kaum Berührungsängste
und mixen scheinbar unvereinbare Gegensätze zu einem starken
Neuen. Wenn das nicht eine der wesentlichen Merkmale des Attributs
„progressiv“ ist, was dann? Überlassen wir
es also den Scheuklappenträgern World Under Control
zu verreißen. Wir, die wir wissen, das Grenzen
zum Überschreiten da sind, mögen das Album. Ja, sogar
den Boogie Woogie-Rocker Final Dance zum Schluss. DAS
muss man sich erst mal trauen…