Ganz
getreu dem Grönemeyer-Paradoxon “Alles bleibt…
anders” ziehen auch ULVER weiterhin ihre Bahnen
in ihrem ureigenen Klangkosmos. Nichts bleibt, wie es war und
doch bleiben sie sich treu. Man kann alles erwarten und wird
doch immer wieder überrascht. Formwandler, Chamäleons,
Metamorphosekünstler... alles passt. Kurzum: ULVER
sind musikalische Freigeister, und das in jeder Beziehung!
Instrumente, elektronische Experimente, Vokalakrobatik, stilistische
Ausrichtungen und Verschmelzungen... alles ist erlaubt, nicht
um des Experimentierens Willen, sondern weil es sich wunderbar
zusammenfügen lässt, wenn man der Kreativität
freien Lauf lässt. So steht jedes ULVER Album für
sich, lässt sich weder mit Alten noch Neuen vergleichen.
Sollte man auch nicht, denn jedes Album offenbart sein eigenes
Universum, jedes für sich wert, entdeckt zu werden.
In diesem Sinne lädt auch Shadows Of The Sun
wieder auf eine Reise ein, eine Reise in die Tiefen der Schatten.
Shadows Of The Sun ist ein ruhiges, kontemplatives
Album geworden. Sehr Ambient-like, meditativ und ätherisch
schön. Obwohl auf dem ersten Blick/Höreindruck minimalistisch,
offenbart Shadows Of The Sun einmal mehr eine
enorme Auswahl an Instrumenten und Soundkollagen, sind die Songs
komplex und manchmal vertrackt.
Obwohl der Eröffnungstrack Eos über 5 Minuten
läuft, hat man den Eindruck eines kurzen Intros und findet
sich fast übergangslos in All The Love, dem ersten
Highlight wieder. Hier schöpft man dann auch schon aus
dem Vollen: Saxophon und Piano als gern verwendete Instrumente,
melancholische Soundkollagen, eine griffige Hookline, ein paar
schräge Harmonien und ein abruptes Endes, das gar keins
ist und nahtlos in Like Music übergeht. Dieses hat
aber genau in der Mitte einen Bruch. Der erste Teil ist quasi
das Ende von All The Love, während der zweite Teil
wie in kurzes Zwischenspiel fungiert, um zu Virgil überzuleiten,
wo dann unter anderem Violinen zum Zuge kommen, bevor verzerrte
Sounds dem ein Ende bereiten und der Titeltrack den roten Faden
wieder aufnimmt. Die Vielzahl der Instrumente herauszuhören
dauert seine Zeit, das wiederum garantiert aber auch ein immer
wiederkehrendes Hörvergnügen, egal ob zum dritten
oder dreißigsten Mal. Mir persönlich gefällt
die zweite Hälfte von Shadows Of The Sun
am besten, mit Songs wie Let The Children Go und Solitude
oder Funcbrae und What Happend? mit ihren todtraurigen
Piano- und Violinenmelodien (eine Er-Hu?).
Shadows Of The Sun ist ein wunderbares Album,
um sich fallen und treiben zu lassen, in eigene oder fremde
Welten. Nur die teilweise abrupten Enden lassen mich ein klein
wenig nörgeln.