ULVER – Shadows Of The Sun

 
Label: The End Records
Release: 01.10.2007
Von: Dajana
Punkte: 9/10
Time: 39:58
Stil: Experimental
URL: Ulver
 
Ganz getreu dem Grönemeyer-Paradoxon “Alles bleibt… anders” ziehen auch ULVER weiterhin ihre Bahnen in ihrem ureigenen Klangkosmos. Nichts bleibt, wie es war und doch bleiben sie sich treu. Man kann alles erwarten und wird doch immer wieder überrascht. Formwandler, Chamäleons, Metamorphosekünstler... alles passt. Kurzum: ULVER sind musikalische Freigeister, und das in jeder Beziehung!
Instrumente, elektronische Experimente, Vokalakrobatik, stilistische Ausrichtungen und Verschmelzungen... alles ist erlaubt, nicht um des Experimentierens Willen, sondern weil es sich wunderbar zusammenfügen lässt, wenn man der Kreativität freien Lauf lässt. So steht jedes ULVER Album für sich, lässt sich weder mit Alten noch Neuen vergleichen. Sollte man auch nicht, denn jedes Album offenbart sein eigenes Universum, jedes für sich wert, entdeckt zu werden.
In diesem Sinne lädt auch Shadows Of The Sun wieder auf eine Reise ein, eine Reise in die Tiefen der Schatten. Shadows Of The Sun ist ein ruhiges, kontemplatives Album geworden. Sehr Ambient-like, meditativ und ätherisch schön. Obwohl auf dem ersten Blick/Höreindruck minimalistisch, offenbart Shadows Of The Sun einmal mehr eine enorme Auswahl an Instrumenten und Soundkollagen, sind die Songs komplex und manchmal vertrackt.
Obwohl der Eröffnungstrack Eos über 5 Minuten läuft, hat man den Eindruck eines kurzen Intros und findet sich fast übergangslos in All The Love, dem ersten Highlight wieder. Hier schöpft man dann auch schon aus dem Vollen: Saxophon und Piano als gern verwendete Instrumente, melancholische Soundkollagen, eine griffige Hookline, ein paar schräge Harmonien und ein abruptes Endes, das gar keins ist und nahtlos in Like Music übergeht. Dieses hat aber genau in der Mitte einen Bruch. Der erste Teil ist quasi das Ende von All The Love, während der zweite Teil wie in kurzes Zwischenspiel fungiert, um zu Virgil überzuleiten, wo dann unter anderem Violinen zum Zuge kommen, bevor verzerrte Sounds dem ein Ende bereiten und der Titeltrack den roten Faden wieder aufnimmt. Die Vielzahl der Instrumente herauszuhören dauert seine Zeit, das wiederum garantiert aber auch ein immer wiederkehrendes Hörvergnügen, egal ob zum dritten oder dreißigsten Mal. Mir persönlich gefällt die zweite Hälfte von Shadows Of The Sun am besten, mit Songs wie Let The Children Go und Solitude oder Funcbrae und What Happend? mit ihren todtraurigen Piano- und Violinenmelodien (eine Er-Hu?).
Shadows Of The Sun ist ein wunderbares Album, um sich fallen und treiben zu lassen, in eigene oder fremde Welten. Nur die teilweise abrupten Enden lassen mich ein klein wenig nörgeln.