ULVER – Blood Inside

 
Label: Jesters Records
Release: 06.06.2005
Von: Dajana
Punkte: 8.5/10
Time: 45:41
Stil: Experimental
URL: Ulver
 
Lange mussten wir auf ein neues Album von ULVER warten. Nach der in 2003 veröffentlichten EP A Quick Fix Of Melancholy, welche musikalisch mal wieder von allem abwich, was man je zuvor von ULVER gehört hatte, waren Spannung und Neugier umso größer.
Natürlich bleibt man sich treu und Blood Inside ist einmal ganz und gar anders, keineswegs so kontemplativ wie die Vorgänger EP. Schon der Opener Dressed In Black klingt schwer, zerstörerisch und artet im weiteren Verlauf in ein noisiges, Schlagzeug dominiertes Chaosium aus, wie man es von Neurosis erwarten würde. Während Kristoffer Rygg bei For The Love Of God die Grenzen seiner Stimme austestet, Christmas mit orchestralen Kontrapunkten und einem verstörenden Gesang überrascht, ist Blinded By Blood wiederum sehr ruhig, in sich gekehrt mit dezenten Chören im Hintergrund. Der Mittelteil von Blood Inside (It Is Not Sound, The Truth und In The Red) explodiert förmlich und ergießt sich in experimenteller Klangeskunst. Man kokettiert mit verschiedensten Sounds und Einflüssen, verdreht, untergräbt und verzerrt sie, spuckt sie wieder aus und fügt verschiedenste Stile dazu, vermischt alles zu einem abstrusen, abgedrehten und schrägen Klanggemälde, das man schwerlich nachvollziehen (konnte man das bei ULVER jemals?) und dem man sich auch schwerlich entziehen kann. Hier scheint es, dass es nicht mehr um die Musik an sich geht, sondern dass selbige lediglich als eine der Ausdrucksformen abstrakter Kunst agiert. Und es wird einem ganz sicher nicht leicht gemacht! Danach wird es mit Your Call etwas ruhiger, aber nicht weniger vertrackt, nur um bei Operator noch einmal alles hineinzulegen, was Blood Inside bis dahin ausgezeichnet hat.
Experimente mit Instrumenten, Sounds und Samples gibt es an allen Fronten, viele klingelnde Töne erinnern an die letzte EP. Adaptionen von Spieluhrmelodien hier und da verleihen der Musik einen schaurigen Unterton.
Blood Inside ist ganz sicher kein Album für’s „easy listening“ und dürfte selbst für eingefleischte Fans nicht unbedingt einfach konsumierbar sein. Und es ist absolut nicht abzuschätzen, was uns wann als nächstes erwartet (aber das macht es auch wieder furchtbar interessant und spannend! ;))
Da ich es als Fan nicht lassen konnte, hab ich mir die auf 2000 limitierte und natürlich ausverkaufte Special Edition zugelegt. Hier gibt es Blood Inside passend in einem blutroten Samtkarton und als Bonus das Video zu It Is Not Sound, welches zwar ziemlich geil, aber als einziger Bonus bei den Preisen doch sehr mager ist.