Hoppala,
die kurzen Geschosse von UHRILEHTO hauen ja
mächtig rein und geben Gas ohne Ende! Intensität wird
im Hause der beständigen Finnen auf deren vierten Album
groß geschrieben. Wie eine schnelle Variante ihrer Landsleute
Ajattara verwöhnen UHRILEHTO das dem Black
Metal wohlwollende Ohr, das es auch mal etwas langsamer und
bedächtiger mag. Mächtig wie ein Lavastrom klingen
die verschleppten Rhythmen und die finnische Sprache passt sich
der düsteren Aura perfekt an. Pechschwarz fließen
die Songs auf gleich bleibendem Qualitätslevel dahin. Das
homogene Gesamtbild ist ein großer Pluspunkt von Ihmisvihan
Eliitti, schwächere Tracks oder Ausfälle
sind nicht zu finden.
Hin und wieder gibt es kleine Überraschungen zu entdecken,
wie etwa die kurze jazzige Einlage in Kolmen Minuutin Armopala
oder den Stereo-Effekt in Huoranpenikat Ja Huijarikuninkaat;
manchmal scheint eine rockige Ausrichtung durch, schon allein
durch die kurze Spieldauer der einzelnen Lieder, die selten
die 4 Minuten Marke überspringt. Die Struktur der Kompositionen
ist trotzdem recht komplex und von komplizierten Rhythmen geprägt,
wie das von ständigen Taktwechseln durchzogene Vitutuksen
Viitoittama Vuosikymmen zeigt. UHRILEHTO
haben mit Ihmisvihan Eliitti also
ein Werk erschaffen, das einerseits eingängige, fast rockig
zu nennende Songs bietet, auf der anderen Seite aber ebenso
den nötigen Tiefgang besitzt, um den Hörer zu fordern.
Ich persönlich bin den schwer dahinwalzenden Songs und
schleppenden Teilen sehr zugetan. Diese langsameren Passagen
brauchen ihrerseits die pfeilschnellen Kontraste, um die richtige
Wirkung zu entfalten. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl,
dass durch die Kürze der Lieder in wenige Minuten zu viel
hineingepackt wird. Manche Idee wirkt so unvollendet und hätte
ruhig noch ein Weilchen zur Entfaltung dahin fließen sollen.
Meistens gilt aber das Sprichwort „In der Kürze liegt
die Würze“ – nur das Ende des Albums fällt
komplett aus dem Rahmen. Über nahezu 14 Minuten erstreckt
sich Amputoitu Yhteiskunta/Maailma Vailla Raajoja,
das völlig untypisch verspielt beginnt, einige Minuten
entspannt seine Kreise zieht und sich langsam aber stetig steigert,
unterlegt von schwerfällig stampfenden Drums und einer
hasserfüllten Stimme, die im Mittelteil bedrohlich beschwörende
Nuancen zeigt. Die Gitarrenriffs erzeugen eine treibende, mitreißende
Stimmung, ein Break nimmt das Tempo wieder völlig raus,
– gleich einem dösenden Tier kurz vor dem Erwachen
der Jagdlust. Das Tempo steigert sich wieder kontinuierlich
und so geht es einem furiosen Finale entgegen, die Gänsehaut
kriecht langsam über den ganzen Körper; ständig
neue Überraschungen erwartend kann dieser Song ganz und
gar fesseln und in einen Strom der Gefühle mitreißen.
Ein würdiger Abschluss eines aufwühlenden Albums,
das sowohl Eingängigkeit als Trumpf ausspielen kann, doch
auch eine eingehende Beschäftigung fordert.