UEICKAP
– ausgesprochen wie "wake up" (darauf muss man
mal kommen) – nie gehört? Ich auch nicht. Die Band
aus Süditalien besticht allerdings durch eine überraschend
akzentfreie Sängerin, die außerdem ein aussagekräftiges
Organ hat.
Was wird gespielt: meist Heavy Rock mit modernem Feeling und
durchwegs guten musikalischen Leistungen, besonders was die
Gitarrenarbeit und bei manchen Stücken auch den Bass angeht.
Ein etwas wunderlich anmutendes Intro namens Waterphonics
leitet das Album Stereotyped ein.
Das erste Stück mit Stimme (Stereotype) bleibt
recht bald im Ohr, allerdings nicht weil es eine einfache Melodie
zum Miträllern hätte, sondern weil es schlichtweg
interessant in der Gesamtkomposition klingt (Gitarren, Stimme).
Hier sticht der Bass erstmals hervor und trägt wesentlich
dazu bei, dass dem an sich simplen Song ein gewisses Etwas verliehen
wird.
Die Stimme der Sängerin Irene Fraccavento gehört zur
angenehmen Sorte, was mich positiv überrascht (ich hab's
ja nicht so mit den weiblichen Stimmen). Kräftig und doch
mit vielen Nuancen angereichert besingt sie die Thematik auf
Stereotype.
Ab und an reichert sie die Songs punktuell mit einer besonderen
Stimmtechnik an (Sometimes, Stereotype, You Against Yourself).
Das nächste Stück Noiselessness hängt
sich qualitativ gleich an Stereotype an – eine
fließende Melodieführung sowohl bei den Instrumenten
als auch in der Stimme ohne übertrieben zu wirken; eine
gute Leistung der Instrumentalisten, der Song ist eingängig
ohne ausgeprägtem Seichtheitsfaktor.
Thank You For Nothing ist zwar eine stinknormale Ballade
ohne irgendeine musikalische Besonderheit, jedoch rettet die
kräftige, klare und kontrollierte Stimme der Frontfrau
den Song vor absoluter Belanglosigkeit. Das Klavier in T.O.Y.
verleiht dem Stück eine gewisse Bodenständigkeit,
ein Rocksong! Turn It Up (Slip Away) ist besonders
groovig, weil extrem bass-lastig: hier darf Davide Santo mal
zeigen, dass er auch des Slappens mächtig ist. My Condition
fängt sehr dynamisch an und behält dieses Flair auch
bis zum Ende bei. Ein wirklich schönes Gitarrensolo bereichert
das Stück zusätzlich.
Mitunter verläuft sich das Album ein wenig, vor allem was
den Ideenpool angeht, aber prinzipiell liegt man weit im grünen
Bereich. Vielleicht ist genau dieser Punkt auch mit ein Grund,
weshalb Stereotyped einen sehr schönen
Nachgeschmack hinterlässt.
Zuletzt haben UEICKAP nochmals Noiselessness
auf die CD gepackt, allerdings als Akustik-Version, mit vielen
verspielten Soli und Zwischenspielen, die völlig anderer
Natur sind als beim rockigen Zwilling. Dabei erhält der
Song eine völlig andere Färbung und wirkt auch anders,
mehr wie ein Abschiedslied. Eine echte Variation des Stücks
also.
Nun, dies ist auch das Ende des Albums, das ohne Zweifel über
dem Durchschnitt liegt. Eine saubere Produktion, viele instrumentelle
Einschübe und "Kleinigkeiten"; dieses Album ist
etwas zum Genießen.