Das
Mädchen auf der Schaukel ist zurück. In martialischem
Outfit, mit neuer Band und einem Album das seinem Wesen nach
Unheil! betitelt wurde.
Selbst wenn man wollte, kommt man nicht umhin, Luci Van Orgs
größten Hit in Zusammenhang mit Unheil!
zu erwähnen. Heißt der Einsteiger ins Album doch
Mäedchen Teilzwo. Könnte auch „Mäetzchen
Teileins“ heißen, denn hier geht schon mächtig
auf den Keks, was beim Bandnamen allein möglicherweise
noch okay gewesen wäre: das manierierte Ergänzen des
Buchstaben „e“ nach einem Umlaut. Irgendwie ist
das aber bezeichnend für die Band und ihre Musik. Reine
Affektiertheit, ausgerichtet nur auf einen möglichen A-ha
Effekt, der – wie sollte es anders sein – natürlich
ausbleibt. Denn alles, was ÜEBERMUTTER präsentieren
war so oder ähnlich bereits da, nur viel besser. Was bei
der ersten Ramstein Platte noch funktionierte – obwohl
auch die schon im Windschatten der unerreichten Vorreiter Laibach
segelte -; das ironische Spielen mit martialischen Inhalten,
der stakkatohafte Kasernenhofton unterlegt mit brachialem Metal,
ist bei ÜEBERMUTTER nur noch ein matter Abklatsch.
Luci Van Org klingt wie eine grantige Mischung aus Nina Hagen,
Till Lindemann und Zarah Leander in der Gothic-Disco. Sie rotzt
ihre Phrasen raus, als würde sie für jedes gerollte
„R“ eine Sonderzulage bekommen. Das Unheil!
einen ausgewiesenen Texter besitzt, erstaunt angesichts solcher
Elogen wie: „Liebe ist Schmerz und Schmerz geht vorbei!
[...] Liebe ist rau wie stürrrmische See.“ Aua. Mancher
Schmerz bleibt.
Musikalisch bietet Unheil! Metallversatzstücke
aus den Schubladen von Rammstein, Oomph! und LaFee. Das will
dir um die Ohren wogen wie eine mächtige Flutwelle, klingt
aber eher nach Admiral Hornblowers Flatulenzen. Und wenn das
Album mit dem Titeltrack und der Frage „Wollt ihr das
totale Lied?“ ausläuft, wird schlagartig klar, woran
das Elaborat die ganze Zeit schon erinnert: an eine große,
grüne Wiese, darauf in Reih’ und Glied, soldatisch
exakt ausgerichtet, die Adepten des großen Turnvaters
Jahn, der sich hier als ÜEBERMUTTER entpuppt, und
in ein blechernes Megaphon trötet: „Auf und Nieder
immer wieder!“ Und all die Menschlein in ihren weißen,
enganliegenden Strampelanzügen zappeln organisiert herum
wie mechanische Duracell-Häschen, während Luci Van
Org ihre Augenbrauen zucken lässt, beängstigender
als der großartige Performer Gregory Peck im „Omen“.
Obwohl man konstatieren muss, dass Unheil! in
seiner konsequenten Albernheit lustiger ist, als manches Comedy-Programm
(alleine die Chöre sind Schenkelklopfer erster Güte,
alles ist dabei: vom trunkenen Kinderchor bis zu den schunkelnden
Don Kosaken. Unglaublich.). Ich befürchte nur, das ist
gar nicht so gemeint...