ÜEBERMUTTER – Unheil!

 
Label: Roadrunner Records
Release: 04.04.2008
Von: Joking
Punkte: 3.5/10
Time: 44:18
Stil: Gothic Comedy Metal
URL: Üebermutter
 
Das Mädchen auf der Schaukel ist zurück. In martialischem Outfit, mit neuer Band und einem Album das seinem Wesen nach Unheil! betitelt wurde.
Selbst wenn man wollte, kommt man nicht umhin, Luci Van Orgs größten Hit in Zusammenhang mit Unheil! zu erwähnen. Heißt der Einsteiger ins Album doch Mäedchen Teilzwo. Könnte auch „Mäetzchen Teileins“ heißen, denn hier geht schon mächtig auf den Keks, was beim Bandnamen allein möglicherweise noch okay gewesen wäre: das manierierte Ergänzen des Buchstaben „e“ nach einem Umlaut. Irgendwie ist das aber bezeichnend für die Band und ihre Musik. Reine Affektiertheit, ausgerichtet nur auf einen möglichen A-ha Effekt, der – wie sollte es anders sein – natürlich ausbleibt. Denn alles, was ÜEBERMUTTER präsentieren war so oder ähnlich bereits da, nur viel besser. Was bei der ersten Ramstein Platte noch funktionierte – obwohl auch die schon im Windschatten der unerreichten Vorreiter Laibach segelte -; das ironische Spielen mit martialischen Inhalten, der stakkatohafte Kasernenhofton unterlegt mit brachialem Metal, ist bei ÜEBERMUTTER nur noch ein matter Abklatsch. Luci Van Org klingt wie eine grantige Mischung aus Nina Hagen, Till Lindemann und Zarah Leander in der Gothic-Disco. Sie rotzt ihre Phrasen raus, als würde sie für jedes gerollte „R“ eine Sonderzulage bekommen. Das Unheil! einen ausgewiesenen Texter besitzt, erstaunt angesichts solcher Elogen wie: „Liebe ist Schmerz und Schmerz geht vorbei! [...] Liebe ist rau wie stürrrmische See.“ Aua. Mancher Schmerz bleibt.
Musikalisch bietet Unheil! Metallversatzstücke aus den Schubladen von Rammstein, Oomph! und LaFee. Das will dir um die Ohren wogen wie eine mächtige Flutwelle, klingt aber eher nach Admiral Hornblowers Flatulenzen. Und wenn das Album mit dem Titeltrack und der Frage „Wollt ihr das totale Lied?“ ausläuft, wird schlagartig klar, woran das Elaborat die ganze Zeit schon erinnert: an eine große, grüne Wiese, darauf in Reih’ und Glied, soldatisch exakt ausgerichtet, die Adepten des großen Turnvaters Jahn, der sich hier als ÜEBERMUTTER entpuppt, und in ein blechernes Megaphon trötet: „Auf und Nieder immer wieder!“ Und all die Menschlein in ihren weißen, enganliegenden Strampelanzügen zappeln organisiert herum wie mechanische Duracell-Häschen, während Luci Van Org ihre Augenbrauen zucken lässt, beängstigender als der großartige Performer Gregory Peck im „Omen“.
Obwohl man konstatieren muss, dass Unheil! in seiner konsequenten Albernheit lustiger ist, als manches Comedy-Programm (alleine die Chöre sind Schenkelklopfer erster Güte, alles ist dabei: vom trunkenen Kinderchor bis zu den schunkelnden Don Kosaken. Unglaublich.). Ich befürchte nur, das ist gar nicht so gemeint...