Am
Ende der 90er erstrahlte die Gothic Metal Bewegung in voller
Blüte und eine der wegweisenden Kräfte, die diesen
Musikstil praktizierte, waren zweifellos THEATRE OF
TRAGEDY mit ihrem herausragenden selbstbetitelten Debüt
und dem weltberühmten Velvet Darkness They
Fear. Die Mischung aus männlichem Death Metal-Gegrunze
und einer weiblichen Sopranstimme war damals ziemlich innovativ
und fand schnell viele Anhänger und auch Nachahmer. Nach
der Veröffentlichung des dritten Albums Aegis
im Jahre 1998 wurde es ein wenig ruhiger um die Band. Mit Aegis
ging eine signifikante Neuausrichtung des Stils der Musik einher,
da es weichere Songs und klaren Gesang sowohl von der männlichen
wie auch von der weiblichen Seite bot und eine starke Affinität
zu klassischem Gothic-Rock aufwies. Dies wirkte auf viele ältere
Fans ein wenig unentschlossen und unbeholfen, die Kritiker hingegen
feierten das Album in den höchsten Tönen. Im Jahre
2000 kehrte THEATRE OF TRAGEDY mit einem weiteren
Album namens Musique zurück,
welches stark von modernen EBM/Industrial Sounds geprägt
war und einen futuristischen Touch aufwies, der die Gothic-Wurzeln
der Band endgültig verleugnete. Obwohl Musique
eine komplett andere Hörerschaft anzog, konnten viele der
Fans, die zu Aegis-Zeiten noch tapfer
zur Band gestanden hatten, die jüngsten musikalischen Änderungen
nicht mehr länger tolerieren. Trotzdem wurde nur zwei Jahre
später ein weiteres Album mit dieser Ausrichtung veröffentlicht
– und während Musique noch
seine speziellen Momente besaß, konnte man dies von Assembly
nur noch schwer behaupten. Kurz gefasst, in meinen Augen war
das Album komplett zu vernachlässigen, da es hauptsächlich
aus belanglosen Pop-Songs bestand. Zu dem Zeitpunkt waren THEATRE
OF TRAGEDY schon ziemlich tot und wegen persönlicher
und musikalischer Differenzen wurde dann auch noch Sängerin
Liv Kristine (die als Solokünstler und mit ihrer neuen
Band Leaves Eyes weitermachte) aus der Band geworfen. Der Stand
der Dinge war nicht allzu positiv bis eine neue Sängerin
gefunden wurde. Nell, die auch in der Band The Crest singt,
trat THEATRE OF TRAGEDY nur kurze Zeit nach
Liv's Ausscheiden bei und im Winter 2004/05 ging die Band mit
Pain, Sirenia und Tiamat auf Tour, was ihnen erlaubte, ihre
Position als Gothic Metal Institution zurückzugewinnen
und zu untermauern. Jetzt gerade haben sie ein Album namens
Storm veröffentlicht, welches
in der Tat ein wenig zurück zu ihren Wurzeln führt.
Es ist zwar kein Versuch, and den Ruhm der Velvet
Darkness-Ära anzuknüpfen, aber man hört
wieder verstärkt Gitarren und Piano-Synthesizer, während
elektronische Elemente nicht mehr so häufig und vor allem
nicht so penetrant wie auf Musique
und Assembly verwendet werden, was
deutlich zum Hörgenuss beiträgt. Insbesondere die
Stimme von Nell ist derer von Liv in meinen Augen haushoch überlegen,
und obwohl einige Songs eingängig und leichtfüßig
daherkommen wirkt die Musik nie so stumpf und nervend wie diverse
Within Temptation oder Nightwish Songs. Es war offenbar die
Hauptintention der Band, sich von falschem Bombast zu distanzieren
und sich auf gut geschriebene Songs und Atmosphäre zu konzentrieren.
Besonders die Piano-Parts von Lorentz Aspen unterstreichen die
hohe Qualität der Musik. Raymond, der immer noch für
die männlichen Vocals verantwortlich ist, klingt auf Storm
deutlich natürlicher als auf dessen beiden Vorgängern
und schafft einen eindrucksvollen Kontrast zu den klaren Gesangslinien
von Nell, indem er nur leichte elektronische Verzerrung seiner
ansonsten klaren Stimme verwendet, womit der schemenhaft eine
Verbindung zu den Death Metal Vocals der ersten beiden Alben
knüpft. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Storm
weder absolute Innovationen bietet noch das beste Album des
Jahrhunderts ist, speziell Songs wie Storm, Ashes
& Dreams und Senseless aber demonstrieren,
dass THEATRE OF TRAGEDY mit einem Schlag zurückgekehrt
sind um der Gothic Metal-Szene zu beweisen, dass sie weder obsolet
noch veraltet sind.