THEATRE OF TRAGEDY – Storm

 
Label: AFM
Release: 24.03.2006
Von: Reverend
Punkte: 8.5/10
Time: 48:08
Stil: Gothic Metal
URL: Theatre Of Tragedy
 
Am Ende der 90er erstrahlte die Gothic Metal Bewegung in voller Blüte und eine der wegweisenden Kräfte, die diesen Musikstil praktizierte, waren zweifellos THEATRE OF TRAGEDY mit ihrem herausragenden selbstbetitelten Debüt und dem weltberühmten Velvet Darkness They Fear. Die Mischung aus männlichem Death Metal-Gegrunze und einer weiblichen Sopranstimme war damals ziemlich innovativ und fand schnell viele Anhänger und auch Nachahmer. Nach der Veröffentlichung des dritten Albums Aegis im Jahre 1998 wurde es ein wenig ruhiger um die Band. Mit Aegis ging eine signifikante Neuausrichtung des Stils der Musik einher, da es weichere Songs und klaren Gesang sowohl von der männlichen wie auch von der weiblichen Seite bot und eine starke Affinität zu klassischem Gothic-Rock aufwies. Dies wirkte auf viele ältere Fans ein wenig unentschlossen und unbeholfen, die Kritiker hingegen feierten das Album in den höchsten Tönen. Im Jahre 2000 kehrte THEATRE OF TRAGEDY mit einem weiteren Album namens Musique zurück, welches stark von modernen EBM/Industrial Sounds geprägt war und einen futuristischen Touch aufwies, der die Gothic-Wurzeln der Band endgültig verleugnete. Obwohl Musique eine komplett andere Hörerschaft anzog, konnten viele der Fans, die zu Aegis-Zeiten noch tapfer zur Band gestanden hatten, die jüngsten musikalischen Änderungen nicht mehr länger tolerieren. Trotzdem wurde nur zwei Jahre später ein weiteres Album mit dieser Ausrichtung veröffentlicht – und während Musique noch seine speziellen Momente besaß, konnte man dies von Assembly nur noch schwer behaupten. Kurz gefasst, in meinen Augen war das Album komplett zu vernachlässigen, da es hauptsächlich aus belanglosen Pop-Songs bestand. Zu dem Zeitpunkt waren THEATRE OF TRAGEDY schon ziemlich tot und wegen persönlicher und musikalischer Differenzen wurde dann auch noch Sängerin Liv Kristine (die als Solokünstler und mit ihrer neuen Band Leaves Eyes weitermachte) aus der Band geworfen. Der Stand der Dinge war nicht allzu positiv bis eine neue Sängerin gefunden wurde. Nell, die auch in der Band The Crest singt, trat THEATRE OF TRAGEDY nur kurze Zeit nach Liv's Ausscheiden bei und im Winter 2004/05 ging die Band mit Pain, Sirenia und Tiamat auf Tour, was ihnen erlaubte, ihre Position als Gothic Metal Institution zurückzugewinnen und zu untermauern. Jetzt gerade haben sie ein Album namens Storm veröffentlicht, welches in der Tat ein wenig zurück zu ihren Wurzeln führt. Es ist zwar kein Versuch, and den Ruhm der Velvet Darkness-Ära anzuknüpfen, aber man hört wieder verstärkt Gitarren und Piano-Synthesizer, während elektronische Elemente nicht mehr so häufig und vor allem nicht so penetrant wie auf Musique und Assembly verwendet werden, was deutlich zum Hörgenuss beiträgt. Insbesondere die Stimme von Nell ist derer von Liv in meinen Augen haushoch überlegen, und obwohl einige Songs eingängig und leichtfüßig daherkommen wirkt die Musik nie so stumpf und nervend wie diverse Within Temptation oder Nightwish Songs. Es war offenbar die Hauptintention der Band, sich von falschem Bombast zu distanzieren und sich auf gut geschriebene Songs und Atmosphäre zu konzentrieren. Besonders die Piano-Parts von Lorentz Aspen unterstreichen die hohe Qualität der Musik. Raymond, der immer noch für die männlichen Vocals verantwortlich ist, klingt auf Storm deutlich natürlicher als auf dessen beiden Vorgängern und schafft einen eindrucksvollen Kontrast zu den klaren Gesangslinien von Nell, indem er nur leichte elektronische Verzerrung seiner ansonsten klaren Stimme verwendet, womit der schemenhaft eine Verbindung zu den Death Metal Vocals der ersten beiden Alben knüpft. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Storm weder absolute Innovationen bietet noch das beste Album des Jahrhunderts ist, speziell Songs wie Storm, Ashes & Dreams und Senseless aber demonstrieren, dass THEATRE OF TRAGEDY mit einem Schlag zurückgekehrt sind um der Gothic Metal-Szene zu beweisen, dass sie weder obsolet noch veraltet sind.