Delusions
ist ein harter Brocken, eine Herausforderung für die
Ohren und den Geist.
Das hat
mehrere Gründe – da wäre zuerst der extravagante
weibliche Gesang zu nennen, der auch stimmliche Höhen
nicht scheut. Darüber hinaus spielt natürlich die
musikalische Ausrichtung eine Rolle, die wirklich sehr progressiv,
vertrackt und schwer durchschaubar ausgefallen ist. In den
recht langen Kompositionen scheint alles seinen Platz und
auch seine Berechtigung zu haben. Lieblos aneinander gekleisterte
Teile gibt es bei TO-MERA nicht, doch wird Abwechslung
sehr groß geschrieben.
So wähne ich mich schon beim eröffnenden The
Life in einem Wechselbad der Gefühle: symphonischer
Bombast, balladeske Eingängigkeit, jazzige Spielereien,
Double-Bass-Einsätze, heftige Ausbrüche und dazu
die wandelbare Stimme von Julie Kiss – das alles ergibt
eine überaus ergiebige, abwechslungsreiche Mischung,
die allerdings schon schwer verdaulich und anstrengend sein
kann.
Auch stampfende Eindringlichkeit und melodische Feinheiten
kommen etwa bei Mirage nicht zu kurz. All diese Zutaten
machen diese gute Stunde zu akustischem Kopfkino, bei dem
auch Keyboarder Hen mit ausgefeilten Arrangements und virtuosen
Flitzefingern meist im Hintergrund die versponnenen Fäden
zieht. Bei genanntem Opus Mirage tritt er allerdings
aus dem Schatten und übernimmt auch schon mal die Melodieführung.
Das gleiche Spiel lässt der Künstler noch öfter
in unaufdringlicher Weise vom Stapel.
Überhaupt bekomme ich bei den Akteuren TO-MERA’s
den Eindruck, dass hier zwar virtuose Musiker am Werk sind,
diese sich allerdings nicht in endlosen Soloergüssen
ergehen, sondern eine schwer fassbare und dennoch Spaß
machende Soundwand aufziehen.
Gekonnt zeigen TO-MERA zwischendurch auch ihre fragile
Seite und nehmen für einen entspannten jazzigen Teil
die komplexe Komponente etwas zurück. Durch diese Vorgehensweise
mausert sich das wunderschöne The Glory Of A New Day
zu einem monströsen Höhepunkt progressiver Tonkunst.
In die gleiche Kerbe schlägt die vorerst sanftmutige
und dann heftige Halbballade A Sorrow To Kill, die
dem Titel gemäß verschiedenartige Stimmungen reflektiert,
abgedreht-verrückte Klangeffekte mit eingeschlossen.
Zerbrechliche
Emotionalität, drückende Heaviness und verspielte,
doch nicht übertechnische Musikalität kennzeichnen
den Stil von TO-MERA. Wenn euch der Sinn sowohl nach
komplex-bombastischen Rhythmen als auch entspannten Arrangements
steht und ihr der Untermalung durch eine etwas schräge
Frauenstimme etwas abgewinnen könnt, seid ihr bei TO-MERA
genau richtig. Meshuggah tanzen mit The Gathering und Dream
Theater oder so…Na, bereit für Delusions?