TO-MERA – Delusions

 
Label: Candlelight Records
Release: 18.02.2008
Von: Stormlord
Punkte: 8/10
Time: 62:03
Stil: Progressive Metal
URL: To-Mera
 

Delusions ist ein harter Brocken, eine Herausforderung für die Ohren und den Geist.

Das hat mehrere Gründe – da wäre zuerst der extravagante weibliche Gesang zu nennen, der auch stimmliche Höhen nicht scheut. Darüber hinaus spielt natürlich die musikalische Ausrichtung eine Rolle, die wirklich sehr progressiv, vertrackt und schwer durchschaubar ausgefallen ist. In den recht langen Kompositionen scheint alles seinen Platz und auch seine Berechtigung zu haben. Lieblos aneinander gekleisterte Teile gibt es bei TO-MERA nicht, doch wird Abwechslung sehr groß geschrieben.
So wähne ich mich schon beim eröffnenden The Life in einem Wechselbad der Gefühle: symphonischer Bombast, balladeske Eingängigkeit, jazzige Spielereien, Double-Bass-Einsätze, heftige Ausbrüche und dazu die wandelbare Stimme von Julie Kiss – das alles ergibt eine überaus ergiebige, abwechslungsreiche Mischung, die allerdings schon schwer verdaulich und anstrengend sein kann.
Auch stampfende Eindringlichkeit und melodische Feinheiten kommen etwa bei Mirage nicht zu kurz. All diese Zutaten machen diese gute Stunde zu akustischem Kopfkino, bei dem auch Keyboarder Hen mit ausgefeilten Arrangements und virtuosen Flitzefingern meist im Hintergrund die versponnenen Fäden zieht. Bei genanntem Opus Mirage tritt er allerdings aus dem Schatten und übernimmt auch schon mal die Melodieführung. Das gleiche Spiel lässt der Künstler noch öfter in unaufdringlicher Weise vom Stapel.
Überhaupt bekomme ich bei den Akteuren TO-MERA’s den Eindruck, dass hier zwar virtuose Musiker am Werk sind, diese sich allerdings nicht in endlosen Soloergüssen ergehen, sondern eine schwer fassbare und dennoch Spaß machende Soundwand aufziehen.
Gekonnt zeigen TO-MERA zwischendurch auch ihre fragile Seite und nehmen für einen entspannten jazzigen Teil die komplexe Komponente etwas zurück. Durch diese Vorgehensweise mausert sich das wunderschöne The Glory Of A New Day zu einem monströsen Höhepunkt progressiver Tonkunst. In die gleiche Kerbe schlägt die vorerst sanftmutige und dann heftige Halbballade A Sorrow To Kill, die dem Titel gemäß verschiedenartige Stimmungen reflektiert, abgedreht-verrückte Klangeffekte mit eingeschlossen.

Zerbrechliche Emotionalität, drückende Heaviness und verspielte, doch nicht übertechnische Musikalität kennzeichnen den Stil von TO-MERA. Wenn euch der Sinn sowohl nach komplex-bombastischen Rhythmen als auch entspannten Arrangements steht und ihr der Untermalung durch eine etwas schräge Frauenstimme etwas abgewinnen könnt, seid ihr bei TO-MERA genau richtig. Meshuggah tanzen mit The Gathering und Dream Theater oder so…Na, bereit für Delusions?