Unbeirrt
zieht die niederländischen Ausnahmeband THE GATHERING
musikalisch ihre Kreise. Man weiß zwar nie genau, was
kommen wird, dennoch weichen THE GATHERING selten
radikal von einer bereits vorgezeichneten musikalischen Richtung
ab. Auf Home tun sie dies auch nicht;
man bewegt sich in gewohnten Gefilden. Dennoch sind Stimmung
wie Instrumentierung auf Home eine
völlig andere, wie noch auf der Souvenir
drei Jahre zuvor. Und… ganz leise… kommt der Verdacht
auf, das THE GATHERING hier ihren aktuellen
Stil nun ausgereizt haben, es Zeit für eine weitere Metamorphose
ist.
Hat man nach den ersten Durchläufen das Gefühl, das
Home im Vergleich zu älteren
Veröffentlichungen abfällt, sperrig und eckig wirkt,
kann man doch nicht umhin, dieses Album am Stück vier-
oder fünfmal oder noch öfters zu hören. Home
entwickelt Suchtpotential, trotz seiner Schwächen. Und
letztendlich gibt es an den Songs selbst rein qualitativ nichts
zu meckern. Auskomponiert und ausgefeilt bis ins kleinste Detail.
Home ist minimalistischer instrumentiert,
entwickelt trotzdem aber eine harschere Note, zu der Anneke
van Giersbergen scharfe Kontraste mit hoher Stimme setzt. Diese
stößt dann auch merklich an ihre Grenzen, wirkt in
diesen Sphären kraftlos und ist einfach zu quietschig.
Ich wünschte, sie würde diese hohen Regionen außen
vor lassen, denn ihre Stimme deckt auch ohne jene einen enormen
Bereich ab. Trotzdem ist zum Beispiel gerade Waking Hour
mein absoluter Lieblingssong auf Home.
Für den harschen Ansatz zeichnet vor allem der Bass von
Marjolein Kooijman verantwortlich, aber auch entsprechend eingesetzten
Samples and Percussions. Die Rhythmen sind stampfend, ungestüm
aber gezügelt und ungemein hypnotisierend. Man lausche
nur dem Opener Shortest Day.
Was auffällt, sind die Epiloge bei Alone und Waking
Hour, wo man komplett von der eigentlichen Melodielinie
abweicht, wenn man noch mal den Refrain erwartet.
Danach wird es sehr ruhig, sehr atmosphärisch, bis mit
Solace ein Song kommt, der aufhorchen lässt und
den man so nicht erwartet hätte, und Your Troubles
Are Over, der noch einmal diesen unwiderstehlichen, zwingenden
Rhythmus innehat.
Ganz zum Schluss schmiegt sich am Titeltrack Home,
ganz versteckt, eine weitere Version von Forgotten
an. Wäre nicht unbedingt nötig gewesen, ich betrachte
es als nette Dreingabe.