THE GATHERING – Home

 
Label: Psychonaut
Release: 14.04.2006
Von: Dajana
Punkte: 8/10
Time: 60:30
Stil: Rock
URL: The Gathering
 
Unbeirrt zieht die niederländischen Ausnahmeband THE GATHERING musikalisch ihre Kreise. Man weiß zwar nie genau, was kommen wird, dennoch weichen THE GATHERING selten radikal von einer bereits vorgezeichneten musikalischen Richtung ab. Auf Home tun sie dies auch nicht; man bewegt sich in gewohnten Gefilden. Dennoch sind Stimmung wie Instrumentierung auf Home eine völlig andere, wie noch auf der Souvenir drei Jahre zuvor. Und… ganz leise… kommt der Verdacht auf, das THE GATHERING hier ihren aktuellen Stil nun ausgereizt haben, es Zeit für eine weitere Metamorphose ist.
Hat man nach den ersten Durchläufen das Gefühl, das Home im Vergleich zu älteren Veröffentlichungen abfällt, sperrig und eckig wirkt, kann man doch nicht umhin, dieses Album am Stück vier- oder fünfmal oder noch öfters zu hören. Home entwickelt Suchtpotential, trotz seiner Schwächen. Und letztendlich gibt es an den Songs selbst rein qualitativ nichts zu meckern. Auskomponiert und ausgefeilt bis ins kleinste Detail.
Home ist minimalistischer instrumentiert, entwickelt trotzdem aber eine harschere Note, zu der Anneke van Giersbergen scharfe Kontraste mit hoher Stimme setzt. Diese stößt dann auch merklich an ihre Grenzen, wirkt in diesen Sphären kraftlos und ist einfach zu quietschig. Ich wünschte, sie würde diese hohen Regionen außen vor lassen, denn ihre Stimme deckt auch ohne jene einen enormen Bereich ab. Trotzdem ist zum Beispiel gerade Waking Hour mein absoluter Lieblingssong auf Home. Für den harschen Ansatz zeichnet vor allem der Bass von Marjolein Kooijman verantwortlich, aber auch entsprechend eingesetzten Samples and Percussions. Die Rhythmen sind stampfend, ungestüm aber gezügelt und ungemein hypnotisierend. Man lausche nur dem Opener Shortest Day.
Was auffällt, sind die Epiloge bei Alone und Waking Hour, wo man komplett von der eigentlichen Melodielinie abweicht, wenn man noch mal den Refrain erwartet.
Danach wird es sehr ruhig, sehr atmosphärisch, bis mit Solace ein Song kommt, der aufhorchen lässt und den man so nicht erwartet hätte, und Your Troubles Are Over, der noch einmal diesen unwiderstehlichen, zwingenden Rhythmus innehat.
Ganz zum Schluss schmiegt sich am Titeltrack Home, ganz versteckt, eine weitere Version von Forgotten an. Wäre nicht unbedingt nötig gewesen, ich betrachte es als nette Dreingabe.