TEMPTAMENTUM – Disciples Of The Ashen Sun
Eigenproduktion
Release: November 2003
Von: Psycho
Punkte: 8,5
 

Zum Ende des Jahres scheint es noch einmal eine richtige Schwemme guter Eigenproduktionen aus heimischen Gefilden zu geben. Denn auch das nach fünf Jahren neue Lebenszeichen von TEMPTAMENTUM kommt mit professioneller Aufmachung und einem recht amtlichen, manche Labelveröffentlichung in den Schatten stellenden Sound daher. Kompliment schon mal dazu: die Mühe hat sich definitiv gelohnt!

Musikalisch hat man sich dem technischen, anspruchsvollen Death Metal verschrieben. Im Info wird auch noch auf einige Black Metal-Einflüsse verwiesen, die ich jedoch, wenn überhaupt, nur am kehlig klingenden Gesang festmachen kann. Vielmehr scheinen mir die drei Süddeutschen (plus Aushilfsdrummer Uwe Kurz) einen deutlichen Thrash-Einschlag zu haben, denn einige Riffs gehen ziemlich stark in diese Richtung. Trotzdem wird man hier vor allem einen Vergleich anführen müssen, und zwar Opeth.
TEMPTAMENTUM sind aber keine einfallslosen Kopisten, sondern bedienen sich nur ähnlicher Mittel, um ihren eigenen Stil zu definieren, der ansonsten eigentlich gar nicht so viel mit den Schweden gemein hat. Denn auch hier finden sich immer wieder sehr gut gelungene akustische, klassisch angehauchte Gitarrenpassagen, die Stücke selber sind teilweise recht lang, wirken dabei aber sehr ausgereift und sind trotzdem ziemlich kompakt komponiert, wobei insgesamt auch ausreichend Wert auf schnelle Passagen gelegt wird.

Als exemplarisch kann man hier z.B. The Purgatory Winter anführen: zunächst gibt es noch mit Interludium - The Rebellion eine Art vorgeschobenes akustisches Intro. Dann fühle ich mich nach dem schleppenden, durch komplexe Bassläufe angereichertem Beginn beim ersten schnellen Riff zunächst an Dissection erinnert, während die Strophe von den Gitarren her ein wenig nach Sodomy and Lust (Sodom) klingt, jedoch ebenfalls immer wieder von Breaks durchzogen wird und das ganze schließlich nach einem durchdachten und interessanten Mittelteil wieder den Weg zum Anfang findet.
Da die anderen Tracks dem qualitativ nicht nachstehen (vor allem das Titelstück sowie das 9-minütige Megaopus Scarlet Gleaming Darkness) kann man wirklich von einer rundherum gelungenen CD sprechen. Erwähnt sei noch, dass Keyboards entgegen dem Trend nur sehr selten und dann weit im Hintergrund eingesetzt werden, und das man diese hervorragenden 37 Minuten Eigenproduktion für nur 10 Euro (inkl. Porto und Verpackung) auf der gut gemachten TEMPTAMENTUM-Homepage bestellen kann. Was ihr dann auch dringend tun solltet!

Temptamentum