ARMAGEDDON OVER WACKEN 2003 
 
Label: Armageddon Products
Release: 26.01.2004
Von: Psycho
Punkte: -/-
Time: Disc1 01:01:29 / Disc2 57:32
Stil:  
URL: Armageddon Products
 
Einen eher zwiespältigen Eindruck hinterlässt der erste Sampler, den das Wacken-Organisations-Team unter eigener Regie und dem extra gegründeten Label Armageddon Products veröffentlicht. Zwar kann man über den Preis (ca. 16 €) für diese Doppel-CD nicht meckern, allerdings nur, wenn man das Ganze auf die Masse bezieht.

Für den Wacken-Besucher 2003 wird sich allerdings die Frage stellen, warum einige prägende Bands des Festivals nicht berücksichtigt wurden, wie z.B. Slayer, Running Wild, Carpathian Forest, Nile, Vader, Thyrfing, Dismember, Gamma Ray oder die Reunion-Shows von Twisted Sister oder Diamond Head. Dadurch entsteht, zumindest für meinen Geschmack, bei den insgesamt 26 vertretenen Tracks ein zu starkes Übergewicht auf dem Power/Epic Metal-Sektor, was dem eigentlichen Geschehen nicht unbedingt gerecht wird.

Technisch gesehen hat man alle vertretenen Tracks mittels eines durchgehenden Applauses miteinander verbunden, so dass es keine Übergänge gibt und es sich anhört, als würde sich die unterschiedlichen Bands auf der Bühne quasi die Gitarre in die Hand drücken. Der Sound ist fast durchgehend gut abgemischt und wurde, wenn überhaupt, nur sehr dezent nachbearbeitet, so dass sich durchaus einige Spielfehler finden, die dem Ganzen allerdings mehr Authentizität verleihen, auch wenn bei einigen Bands an der Lautstärke des Publikums wohl etwas gedreht wurde...

Während die erste Disc noch mehr oder weniger im erwarteten Maßstab bleibt (einige Höhepunkte mit In Flames, Subway To Sally, Sinner, Seventh One; der Rest ok), finden sich auf der zweiten Disc doch leider einige Ausfälle. Bereits die ersten drei Stücke gehören in diese Kategorie: Lordi verlieren mit ihrem biederen Hard Rock ohne die entsprechende Optik jeden Effekt, Holy Moses und vor allem Sabina Classen beweisen uns und sich selbst, das es bei dem starken alten Song Material keinen Grund für neuerliche Aktivitäten gibt, und Die Apokalyptischen Reiter klingen zumindest hier wie Meat Loaf in Karnevalslaune, brrrr. Völlig überflüssig auch die Beiträge der V8 Wankers oder auch Twisted Tower Dire, wo man sich wirklich wünscht, es hätten noch andere Bands Berücksichtigung gefunden (s.o.). Den schlimmsten Totalausfall verursachen aber Freedom Call, die es live tatsächlich schaffen, so wie die unsäglichen Europe zu klingen. Meine Freundin ist ja echt geduldig, aber da hat sie kommentarlos und mit verstörtem Gesichtsausdruck den Raum verlassen. Hätte ich auch gerne getan, aber ich muss ja diese Review schreiben…
Immerhin finden sich auch noch sehr gelungene Performances von Victory und Kataklysm, trotzdem ist die zweite CD von ARMAGEDDON OVER WACKEN 2003 wirklich eine durchwachsene Geschichte geworden, die dann natürlich auch wieder den Gesamtpreis relativiert.

Zusammen mit dem Manko von fehlenden Bands stellt dieser Sampler als Retrospektive des letztjährigen Festivals nur Mittelmaß dar. Da man sich als Fan normaler Weise auch nicht alles anschaut, sondern nur die selber interessierenden Bands, bleibt zudem wohl die Frage, ob sich irgendjemand findet, der diese Zusammenstellung uneingeschränkt gut findet. Was bei Samplern aber immer schwierig ist. Als „Gedächtnisprotokoll“ ist die CD sicherlich nicht schlecht, aber essentiell ist sie bestimmt auch nicht…