Für den Wacken-Besucher
2003 wird sich allerdings die Frage stellen, warum einige prägende
Bands des Festivals nicht berücksichtigt wurden, wie z.B.
Slayer, Running Wild, Carpathian
Forest, Nile, Vader,
Thyrfing, Dismember, Gamma
Ray oder die Reunion-Shows von Twisted Sister
oder Diamond Head. Dadurch entsteht, zumindest
für meinen Geschmack, bei den insgesamt 26 vertretenen
Tracks ein zu starkes Übergewicht auf dem Power/Epic Metal-Sektor,
was dem eigentlichen Geschehen nicht unbedingt gerecht wird.
Technisch gesehen
hat man alle vertretenen Tracks mittels eines durchgehenden
Applauses miteinander verbunden, so dass es keine Übergänge
gibt und es sich anhört, als würde sich die unterschiedlichen
Bands auf der Bühne quasi die Gitarre in die Hand drücken.
Der Sound ist fast durchgehend gut abgemischt und wurde, wenn
überhaupt, nur sehr dezent nachbearbeitet, so dass sich
durchaus einige Spielfehler finden, die dem Ganzen allerdings
mehr Authentizität verleihen, auch wenn bei einigen Bands
an der Lautstärke des Publikums wohl etwas gedreht wurde...
Während die
erste Disc noch mehr oder weniger im erwarteten Maßstab
bleibt (einige Höhepunkte mit In Flames,
Subway To Sally, Sinner, Seventh
One; der Rest ok), finden sich auf der zweiten Disc
doch leider einige Ausfälle. Bereits die ersten drei Stücke
gehören in diese Kategorie: Lordi verlieren
mit ihrem biederen Hard Rock ohne die entsprechende Optik jeden
Effekt, Holy Moses und vor allem Sabina Classen
beweisen uns und sich selbst, das es bei dem starken alten Song
Material keinen Grund für neuerliche Aktivitäten gibt,
und Die Apokalyptischen Reiter klingen zumindest
hier wie Meat Loaf in Karnevalslaune, brrrr. Völlig überflüssig
auch die Beiträge der V8 Wankers oder
auch Twisted Tower Dire, wo man sich wirklich
wünscht, es hätten noch andere Bands Berücksichtigung
gefunden (s.o.). Den schlimmsten Totalausfall verursachen aber
Freedom Call, die es live tatsächlich
schaffen, so wie die unsäglichen Europe zu klingen. Meine
Freundin ist ja echt geduldig, aber da hat sie kommentarlos
und mit verstörtem Gesichtsausdruck den Raum verlassen.
Hätte ich auch gerne getan, aber ich muss ja diese Review
schreiben…
Immerhin finden sich auch noch sehr gelungene Performances von
Victory und Kataklysm, trotzdem
ist die zweite CD von ARMAGEDDON OVER WACKEN 2003 wirklich
eine durchwachsene Geschichte geworden, die dann natürlich
auch wieder den Gesamtpreis relativiert.
Zusammen mit dem
Manko von fehlenden Bands stellt dieser Sampler als Retrospektive
des letztjährigen Festivals nur Mittelmaß dar. Da
man sich als Fan normaler Weise auch nicht alles anschaut, sondern
nur die selber interessierenden Bands, bleibt zudem wohl die
Frage, ob sich irgendjemand findet, der diese Zusammenstellung
uneingeschränkt gut findet. Was bei Samplern aber immer
schwierig ist. Als „Gedächtnisprotokoll“ ist
die CD sicherlich nicht schlecht, aber essentiell ist sie bestimmt
auch nicht…