Kommen wir zunächst
zur ersten CD (Words betitelt),
auf der wirklich hochklassige Sprecher zu hören sind.
Beeindruckt hat mich vor allem Iris Berben,
die mir sowohl während Die Schläferin als
auch bei Der Traum einen Schauer nach dem anderen
über den Rücken jagt. Ulrich Pleitgen
hat sich mit Der Rabe sicherlich das textlich komplizierteste
Stück vorgenommen, meistert dies jedoch als erfahrener
(Synchron-)Sprecher mit Bravour. Trotzdem gebe ich der ebenfalls
vorhandenen englischen Version, die von Christopher Lee gesprochen
wird, den Vorzug. Hier merkt man einfach, welche Macht die
Worte im Original entfalten können, auch wenn das aus
heutiger Sicht altertümliche Englisch nicht gerade zum
Verständnis, dafür aber zum Reiz des ganzen beiträgt.
Genau genommen handelt es sich aber auch gar nicht um ein
richtiges Hörbuch, denn sämtliche Lesungen sind
mit diverser Musik aus der Edgar Allan Poe-Hörspielreihe
unterlegt, was zum Teil sicherlich ein Mehr an Stimmung generiert,
manchmal aber auch nervig gerät, wenn dasselbe Thema
quasi permanent wiederholt wird. Schade auch, dass man sich
bei den Aufnahmen anscheinend nicht mal auf ein einheitliches
Format hat einigen können; so nennen z.B. einige Künstler
am Beginn den Titel des dargebotenen Textes, andere jedoch
nicht…
Trotzdem sind alle Beiträge zumindest gehobener Durchschnitt,
die meisten sogar gut bis sehr gut geraten. Vor allem Dietmar
Bär mit Die Glocken, Gudrun
Landgrebe mit Brautballade, Jan
Josef Liefers mit Der verwunschene Palast
und Hannelore Hoger mit An eine im Paradies
müssen daher in dieser Hinsicht noch erwähnt werden,
aber auch OOMPH!-Sänger Dero
macht seine Sache in Traumland alles andere als schlecht.
Die zweite CD Music
kann dieses Niveau leider nicht halten. Das liegt zum einen
daran, dass die Auswahl der beteiligten Künstler zu merkwürdig
gestreut erscheint, zum anderen aber auch daran, dass nur
wenige Beiträge mehr als Lückenfüller oder
B-Seiten der jeweiligen Interpreten darstellen könnten.
Das trifft zum Beispiel für die exklusiven Stücke
von Alexander Veljanov, Secret Discovery
und Subway To Sally zu, während L’âme
Immortelle ihre neue Single Dein Herz beisteuern,
die aber aus meiner Sicht auch nur gewohnt solide-pathetische
Kost bietet. Gar nicht gehen Matern vs. Die jungen
Tenöre, das Edgar Allen Poe Projekt
und Vince Bahrdt, während mich Katharina
Franck und Mara Kim positiv zu überraschen
wissen und sich damit zusammen mit FM Einheit
als einzige eine uneingeschränkte Hörempfehlung
verdienen. Letzterer ist übrigens auch der einzige Künstler,
dem tatsächlich ein Brückenschlag zwischen den beiden
CDs gelingt, hat er seinen Beitrag doch als Erzählung
verfasst, dazu aber mit neuer Musik unterlegt. Immerhin interessant:
Christopher Lee ist gar nicht mal ein so
schlechter Sänger, auch wenn er sich hinterher von einer
(zumindest bei meinem Promo) nicht genannten Sängerin
unterstützen lässt. Zum Schluss gibt es dann noch
zwei Stücke aus Original-Soundtracks, die aber letztlich
zu kurz ausfallen, als das sie noch richtig Eindruck schinden
könnten.
Eine insgesamt
lobenswerte und ambitionierte Geschichte also, aber aus meiner
Sicht hätte auch eine einfache Version, die dann nur
den Hörbuch-Teil enthält, ausgereicht.