In
äußerst ansprechendem Layout kommt die Doppel CD
im Gatefold Format daher. Macht schon mal einiges her. Dann
erst einmal CD eins in das Laufwerk meines Rechners einlegen...
Im Vorfeld hat sich schon eine gewisse Spannung bei mir aufgebaut,
was die mir meist unbekannten Bands so auf dem Kasten haben.
Pagan Metal ist (noch) nicht meine Welt – Grund genug,
sich einmal intensiver mit der Materie zu befassen. Bei insgesamt
30 Beiträgen möchte ich mich auf die Highlights beschränken.
NYDVIND aus Frankreich als Opener machen sich sehr gut.
Im gemächlichen Tempo wird hier ein äußerst
atmosphärischer Beitrag geleistet. Heart Of The Woods
vom Debüt Eternal Winter Domain aus dem Jahre
2003 ist gut produziert und trotz fehlender Tempovariationen
spannend genug, um das Prädikat „Daumen nach oben“
zu verdienen. Mehr Gas geben sie aber dann doch beim zweiten
Sampler-Beitrag Eclipse Over The Shadowed Land. Hier
gehen die Franzosen mit sehr eingängigem Black Metal mit
feinem Melodiegespür voll auf Angriff und überzeugen
auch hier. NYDVIND ist somit einer der großen Gewinner
auf dieser Sammlung quer durch den Pagan Underground.
Mit KAMPFAR geht die Reise durch NORDIC WARCHANTS
weiter. Ravenheart dürfte Fans und Szenekennern
bereits vom Kvass-Album bekannt sein. Die Norweger
haben einen guten Riecher für eingängige Melodien
und sind ein weiteres Plus auf dem Sampler. Leos neun Punkte
für das letzte HEL Album Tristheim
vor einiger Zeit ergeben - angesichts der darauf enthaltenen
Tracks Zwielicht, Nebel, Dunkelheit - Sinn, wenn auch
die restlichen Songs von so zerbrechlicher Schönheit sind.
Die Deutschen belehren mich eines besseren, dass bei derart
Musik deutsche Texte nicht zu passen scheinen. Schon der dritte
Pluspunkt und es soll noch weitergehen. AES DANA aus
Frankreich überraschen auf Les Griffes Des Oiseaux
mit ungewöhnlicher Instrumentierung – hier kreischt
sich Sänger Vidar die Seele aus dem Leib, während
im Hintergrund eine irische Flöte und ein Dudelsack die
melodischen Gitarrenläufe unterstützen; zudem ist
der Song sehr abwechslungsreich, was Tempo und Dynamik angeht.
Fein, fein!
Die/Der Norweger MYRKGRAV sind hier mit einem Track vom
Debüt Trollskau, Skrømt Og Kølabrenning
vertreten. Zu den lobenden Worten in Leos Rezension zum Album
muss ich eigentlich nichts hinzufügen. Sehr feiner, melodischer
Black Metal mit packenden Dynamikvariationen von Black Metal
Riffing hin zu cleanen, folkig-ruhigen Passagen gibt bei Finnkjerringa
den Ton an.
Auf CD Nummer eins sind noch IRMINSUL unbedingt zu erwähnen.
Die Schweden haben mit Häxhammaren einen Song ihres
zweiten Demos Urberg beigesteuert, der ungemein
viel Spaß macht, erinnert er doch an eine leicht angeschwärzte
Version von Skyclad, was neben der Geigenmelodien auch an dem
stakkatoartigen, rhythmischen Gesang liegen mag.
Neben alten Bekannten wie MÅNEGARM, HELHEIM
und KOLDBRANN, die für Qualitätsware bekannt
sind, tümmeln sich auf CD zwei einige weitere interessante
Acts. Die Ein-Mann-Armee ANGANTYR wartet mit rumpelndem,
hymnischen Midtempo Black Metal auf, während GRIFTEFRID
auf verträumten, groovenden Viking Metal mit klasse Vocals
setzen. ORLOG sind der letzte Höhepunkt auf den
sehr kurzweiligen, knapp über zweieinhalb Stunden durch
die Welt des (hauptsächlich) europäischen Pagan/Viking/Black
Metal.
Eine dringende Kaufempfehlung für alle, die mit dem Genre
nicht sonderlich vertraut, jedoch offen genug sind, um in die
bunte Welt der Heiden einzutauchen. Empfehlenswert aber auch
für diejenigen, die bereits das Genre in ihr Herz geschlossen
haben, denn es gibt die eine oder andere Band, die noch nicht
zu CD Ehren gekommen ist und hier mit Demotracks (die sich in
produktionstechnischer Sicht jeweils nicht hinter Bands mit
Plattenvertrag verstecken müssen) würdig vertreten
sind.