Dependent
Releases gelten ja nun nicht erst seit heute als "Perlen
des Electrogenres" und auch der Jubiläumssampler zum
fünfjährigen Bestehen des Labels lässt auf eine
hochkarätige Portion tanzbarer Musik hoffen. Im obligatorischen,
schicken, schwarzen Layout präsentiert Dependent die neuesten
musikalischen Ergüsse ihrer Künstler und, als wenn
das nicht schon genug des Guten wäre, findet sich im Booklet
eine liebevoll gestaltete Einleitung, inklusive der Vorstellung
sämtlicher vorhandener Acts, welche dem interessierten
Musikfan einen fundierten Überblick über Entstehung,
Geschichte und den aktuellen Stand der Dinge bei diesem Ausnahmelabel
vermittelt. Deutlich wird hier auch, wie besonders freundschaftlich
und kollegial sich die Zusammenarbeit zwischen Label und Künstler
gestalten muss und wie stark musikalisches Können und Leidenschaft
klar über Kommerz und Geldmacherei gestellt werden. Das
weckt doch schon mal den Anschein, als hätten Stefan Herwig
und Co. mit diesem Sampler wieder einmal eine Präsentation
ihrer "Schützlinge" herausgebracht, die sich
gewaschen hat! Womit wir auch schon beim Thema wären: "No
promised land / No canaan found in our ascension..."
- so schallt mir der Opener der US-Newcomer MINDLESS
FAITH wohlig-treibend ins Ohr. Die Gebrüder Sevanick
eröffnen, mit einer extended Version ihres Klubkrachers
Canaan, ein 77 minütiges Feuerwerk der Extraklasse.
Und ich muss schon beim ersten Track dieser Platte (welche ich
mir übrigens beim Joggen das erste Mal zu Gemüte führte)
schätzen, dass ich mein musikalisches "promised land"
vorerst sehr wohl gefunden habe... Diese dumpfe Ahnung bestätigt
sich auch hinreichend im weiteren Verlauf der CD (ich schwöre
euch: meine Füße bewegten sich quasi wie von selbst
und ich hätte die 1 1/2-stündige Joggingtour mit diesem
Sampler auf den Ohren ohne Probleme um weitere 1 1/2 Stunden
verlängern können!). Alle 14 gesignten Acts geben
sich ausgiebigst die Ehre und erschaffen einen elektronischen
Stilmix, der schlichtweg übermannt und jeden Clubgänger
zufrieden stellen sollte! Betrachtet man das Gesamtwerk, so
hört man den einzelnen Acts schon irgendwie an, dass sie
bei Dependent vor Anker gegangen sind, jedoch wird jegliche,
vermeintliche Eintönigkeit durch einige äußerst
interessante unrealeased Tracks von S.V.D.,
DISMANTLED oder IRON FREQUENCY
(um nur einige zu nennen) effektiv aufgelockert. Des weiteren
präsentieren die Herren von COVENANT und
SULPHER jeweils eine exklusive Live-Performance,
in welcher der hörbare frenetische Applaus der Fans für
sich sprechen sollte. Formationen wie INTERLACE,
MIND.IN.A.BOX. und SEABOUND
sind ohnehin Pflicht und ihre Songs sind dementsprechend ohrwurmtauglich,
solide und "kopfnickkompatibel". Ronan Harris allerdings
fällt mit der anachronistischen Version des Kulthits Legion
ein wenig aus der Reihe. Die klassische, theatralische Interpretation
des Stückes an sich gefällt; nur passt die ruhige,
schon fast "schmusige" Instrumentalisierung irgendwie
so gar nicht zu der Rhythmik des Originals - was ja grundsätzlich
kein Problem darstellen sollte. - Der gute Ronan allerdings
behält genau diesen Rhythmus in seinem Gesang bei und somit
hinterließ dieser (mit nur 3,18 min. Spielzeit) überraschend
kurze Remix bei mir ein großes Fragezeichen. Macht aber
nix, denn mit FLESH FIELD sind meine persönlichen
Lieblinge dieses Samplers am Start! Der "preemptive“-Remix
des Tanzflächenfüllers Voice Of Dissent macht
mehr als nur deutlich, dass sich Ian Ross’ Trennung von
Ex-Sängerin Rian Miller wirklich gelohnt hat und dass er
in Wendy Yanko eine würdige Nachfolgerin gefunden hat.
Respekt! Was bleibt da abschließend noch groß zu
sagen? Dependent Records haben ihrem Slogan Next
Level Electronics mal wieder alle Ehre gemacht:
Eine Kompilation mit viel Liebe zum Detail, einem sensiblen
Blick für musikalische Spannungsbögen, graphische
Authentizität und großartige Songs! Na, wenn das
kein Grund ist, auf Downloadprogramme und "CD-Brennerei"
zu verzichten, dann weiß ich auch nicht...