DEPENDENCE – Next Level Electronics (Sampler)

 
Label: Dependent
Release: 25.10.2004
Von: Shirin
Punkte: 8/10
Time: 76:43
Stil: Electro/ Industrial
URL: Dependent
 

Dependent Releases gelten ja nun nicht erst seit heute als "Perlen des Electrogenres" und auch der Jubiläumssampler zum fünfjährigen Bestehen des Labels lässt auf eine hochkarätige Portion tanzbarer Musik hoffen. Im obligatorischen, schicken, schwarzen Layout präsentiert Dependent die neuesten musikalischen Ergüsse ihrer Künstler und, als wenn das nicht schon genug des Guten wäre, findet sich im Booklet eine liebevoll gestaltete Einleitung, inklusive der Vorstellung sämtlicher vorhandener Acts, welche dem interessierten Musikfan einen fundierten Überblick über Entstehung, Geschichte und den aktuellen Stand der Dinge bei diesem Ausnahmelabel vermittelt. Deutlich wird hier auch, wie besonders freundschaftlich und kollegial sich die Zusammenarbeit zwischen Label und Künstler gestalten muss und wie stark musikalisches Können und Leidenschaft klar über Kommerz und Geldmacherei gestellt werden. Das weckt doch schon mal den Anschein, als hätten Stefan Herwig und Co. mit diesem Sampler wieder einmal eine Präsentation ihrer "Schützlinge" herausgebracht, die sich gewaschen hat! Womit wir auch schon beim Thema wären: "No promised land / No canaan found in our ascension..." - so schallt mir der Opener der US-Newcomer MINDLESS FAITH wohlig-treibend ins Ohr. Die Gebrüder Sevanick eröffnen, mit einer extended Version ihres Klubkrachers Canaan, ein 77 minütiges Feuerwerk der Extraklasse. Und ich muss schon beim ersten Track dieser Platte (welche ich mir übrigens beim Joggen das erste Mal zu Gemüte führte) schätzen, dass ich mein musikalisches "promised land" vorerst sehr wohl gefunden habe... Diese dumpfe Ahnung bestätigt sich auch hinreichend im weiteren Verlauf der CD (ich schwöre euch: meine Füße bewegten sich quasi wie von selbst und ich hätte die 1 1/2-stündige Joggingtour mit diesem Sampler auf den Ohren ohne Probleme um weitere 1 1/2 Stunden verlängern können!). Alle 14 gesignten Acts geben sich ausgiebigst die Ehre und erschaffen einen elektronischen Stilmix, der schlichtweg übermannt und jeden Clubgänger zufrieden stellen sollte! Betrachtet man das Gesamtwerk, so hört man den einzelnen Acts schon irgendwie an, dass sie bei Dependent vor Anker gegangen sind, jedoch wird jegliche, vermeintliche Eintönigkeit durch einige äußerst interessante unrealeased Tracks von S.V.D., DISMANTLED oder IRON FREQUENCY (um nur einige zu nennen) effektiv aufgelockert. Des weiteren präsentieren die Herren von COVENANT und SULPHER jeweils eine exklusive Live-Performance, in welcher der hörbare frenetische Applaus der Fans für sich sprechen sollte. Formationen wie INTERLACE, MIND.IN.A.BOX. und SEABOUND sind ohnehin Pflicht und ihre Songs sind dementsprechend ohrwurmtauglich, solide und "kopfnickkompatibel". Ronan Harris allerdings fällt mit der anachronistischen Version des Kulthits Legion ein wenig aus der Reihe. Die klassische, theatralische Interpretation des Stückes an sich gefällt; nur passt die ruhige, schon fast "schmusige" Instrumentalisierung irgendwie so gar nicht zu der Rhythmik des Originals - was ja grundsätzlich kein Problem darstellen sollte. - Der gute Ronan allerdings behält genau diesen Rhythmus in seinem Gesang bei und somit hinterließ dieser (mit nur 3,18 min. Spielzeit) überraschend kurze Remix bei mir ein großes Fragezeichen. Macht aber nix, denn mit FLESH FIELD sind meine persönlichen Lieblinge dieses Samplers am Start! Der "preemptive“-Remix des Tanzflächenfüllers Voice Of Dissent macht mehr als nur deutlich, dass sich Ian Ross’ Trennung von Ex-Sängerin Rian Miller wirklich gelohnt hat und dass er in Wendy Yanko eine würdige Nachfolgerin gefunden hat. Respekt! Was bleibt da abschließend noch groß zu sagen? Dependent Records haben ihrem Slogan Next Level Electronics mal wieder alle Ehre gemacht: Eine Kompilation mit viel Liebe zum Detail, einem sensiblen Blick für musikalische Spannungsbögen, graphische Authentizität und großartige Songs! Na, wenn das kein Grund ist, auf Downloadprogramme und "CD-Brennerei" zu verzichten, dann weiß ich auch nicht...