Im stimmlichen
Bereich wird nämlich äußerst kompetent gewerkt
und Sänger Marko Kämäräinen verirrt sich
so gut wie nie in höchste Gefilde. Ganz im Gegenteil!
Der gute Mann hat einige Growls zu bieten (hört euch
nur No More oder Broken an), bereichert so das
akustische Gesamtbild der Truppe enorm und beugt einer stilistischen
Limitierung schon mal gekonnt vor. Stampfender Metal mit teils
recht pathetischen Melodien ist die Vortragsart, bei der sich
SILENTRAIN am wohlsten fühlen. Dabei wohnt den
Kompositionen eine dunkle, melancholische Stimmung inne, die
oft bei finnischen Bands zum Tragen kommt.
Mir fällt manchmal auf, dass einige Lieder ein wenig
unmotiviert recht unspektakulär enden, ja fast den Fluss
einer sehr guten Idee hin und wieder unterbrechen, hier hätten
sich die Musiker ruhig noch die eine oder andere Minute gönnen
können, um dem Song auch einen anständigen Schlusspart
zu verpassen – die Spielzeit hätte es locker verkraftet…Im
Großen und Ganzen haben SILENTRAIN aber das feinfühlige
Gespür für eine fließende Kompositionsweise
verinnerlicht, sie wissen Bescheid, wann ein langsamer Part
Sinn macht und den Song bereichert anstatt ihn unnötig
in die Länge zu ziehen.
Manche Refrains sind dann leider doch recht nichtssagend ausgefallen
und plätschern vorhersehbar an mir vorbei, wie etwa Ride
With The Devil zeigt. Auch zwei Balladen haben ihren Weg
auf Wrong Way To Salvation gefunden und das
kuschelige Eternity schafft es durch halbschwergewichtige
Gitarren den Kitschberg zu umfahren und nicht auf klebrigen
Grund zu laufen; das einfühlsame The Road Of Destiny
beugt dieser Gefahr durch sparsame, modern angehauchte rhythmische
Begleitung vor. Durch die gleichförmige Darbietung trifft
es mein Herz aber nicht zentral.
Das nette Sick Of… ist ein bisschen sperriger
ausgefallen und wird von mehrschichtigen Gesangsarrangements
durchzogen. Auch leichte moderne Elemente dürfen mit
einfließen. Das Titellied Wrong Way To Salvation
besitzt den besten Aufbau, kann es sich doch nach sehr ruhigem
Start kontinuierlich mit einem gutklassigen Gitarrenriff steigern.
Doch leider gelingt es der Band nicht, einen herausragenden
Chorus zu präsentieren, wodurch meine Bewertung zwar
gut, aber nicht euphorisch ausfällt.
SILENTRAIN
sollten für meinen Geschmack vor allem im Vokalbereich
in dieser Weise weiterarbeiten, die stellenweise als Sahnehäubchen
eingesetzten Growls stechen positiv heraus. Den Schwachpunkt
stellen für mich jedoch die Refrains dar, die nun mal
ein gutes Lied zu einem Ohrwurm und ein nettes Album zu einem
Goldstück machen würden. Nett – aber für
die Champions League des Power Metal zu wenig!