SIEGES EVEN – Playgrounds

 
Label: InsideOut
Release: 25.07.2008
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 69:51
Stil: Complex Progressive Rock
URL: Sieges Even
 
Playgrounds ist ein Live-Album. Ein verdammt gut klingendes dazu. Dickes Lob für solch einen brillanten, genau akzentuierten Sound bei einer Aufnahme vor Publikum. Joe Jacksons „Big World“ klang ähnlich herausragend, hier musste sich das Publikum aber weit mehr zurückhalten - auf ausdrücklichen Geheiß Herrn Jacksons – als jetzt die Zuhörerschaft auf SIEGES EVEN Spielwiese. Doch nicht nur klangtechnisch macht das Album eine gute Figur. Die Musiker um die Gebrüder Holzwarth sind gut aufgelegt, spielen ein blitzsauberes Set und Sänger Arno Menses ist einer der Großen seines Fachs. Ein etwas rauerer Geddy Lee kommt einem in den Sinn, was auch musikalisch ganz gut passt. SIEGES EVEN gehen diffiziler zu Werke als Rush, aber die stimmungsmäßige Ausrichtung der kanadischen Band findet einen mehr als würdigen Mitstreiter. Wobei nicht zu überhören ist, das Metallisches und allzu vertrackte Sequenzen kaum noch eine Rolle im Universum SIEGES EVENs spielen. Auf Playgrounds herrscht eindeutig geschickt in Szene gesetzter, dynamischer Art-Rock vor. Nicht, das dem Album der Dampf fehlen würde, aber Raserei und fingerbrechende Frickelorgien bleiben außen vor. Manchmal gibt es kleine Ausflüge Richtung Jazz, der Mittelteil von Unbreakable erinnert sogar dezidiert an Sound Chaser von Yes, welches ja bereits eine Hommage an den Jazzrock der mittleren 70er Jahre des letzten Jahrhunderts darstellte. Insgesamt fällt auf, das SIEGES EVEN wesentlich melodischer zur Sache gehen als (vor allem) auf ihren frühen Alben. Konsequenterweise finden sich auch nur 2 Stücke vom ’91er Album Sense Of Change in der Setlist, die restlichen 8 Songs wurden den letzten beiden Alben aus den Jahren 2005 und 2007 entnommen, wobei Paramount noch über den Vorgänger dominiert. Wäre natürlich sehr interessant zu wissen, wie SIEGES EVEN ihre älteren Stücke heute interpretieren würden.
Insgesamt ist Playgrounds eine feine Ergänzung zu SIEGES EVEN Diskographie. Das eine Band dieses Schlages locker eine Doppel-CD bzw. DVD füllen könnte, steht auf einem anderen Blatt und kann ja in Zukunft noch korrigiert werden. Zu bemängeln gibt es eigentlich nur, das ein, zwei Songs partiell zu sehr ausufern, u.a. den Klassiker These Empty Places und die ansonsten fabelhafte Zugabe The Weight hätte man dezent straffen können. Aber was schmerzt schon eine etwas zu lange Rutsche auf intelligent und spannend angelegten Spielplätzen? Deshalb: hingehen, mitnehmen und genießen!