Playgrounds
ist ein Live-Album. Ein verdammt gut klingendes dazu. Dickes
Lob für solch einen brillanten, genau akzentuierten Sound
bei einer Aufnahme vor Publikum. Joe Jacksons „Big World“
klang ähnlich herausragend, hier musste sich das Publikum
aber weit mehr zurückhalten - auf ausdrücklichen Geheiß
Herrn Jacksons – als jetzt die Zuhörerschaft auf
SIEGES EVEN Spielwiese. Doch nicht nur klangtechnisch
macht das Album eine gute Figur. Die Musiker um die Gebrüder
Holzwarth sind gut aufgelegt, spielen ein blitzsauberes Set
und Sänger Arno Menses ist einer der Großen seines
Fachs. Ein etwas rauerer Geddy Lee kommt einem in den Sinn,
was auch musikalisch ganz gut passt. SIEGES EVEN gehen
diffiziler zu Werke als Rush, aber die stimmungsmäßige
Ausrichtung der kanadischen Band findet einen mehr als würdigen
Mitstreiter. Wobei nicht zu überhören ist, das Metallisches
und allzu vertrackte Sequenzen kaum noch eine Rolle im Universum
SIEGES EVENs spielen. Auf Playgrounds herrscht
eindeutig geschickt in Szene gesetzter, dynamischer Art-Rock
vor. Nicht, das dem Album der Dampf fehlen würde, aber
Raserei und fingerbrechende Frickelorgien bleiben außen
vor. Manchmal gibt es kleine Ausflüge Richtung Jazz, der
Mittelteil von Unbreakable erinnert sogar dezidiert an
Sound Chaser von Yes, welches ja bereits eine Hommage an den
Jazzrock der mittleren 70er Jahre des letzten Jahrhunderts darstellte.
Insgesamt fällt auf, das SIEGES EVEN wesentlich
melodischer zur Sache gehen als (vor allem) auf ihren frühen
Alben. Konsequenterweise finden sich auch nur 2 Stücke
vom ’91er Album Sense Of Change in der Setlist,
die restlichen 8 Songs wurden den letzten beiden Alben aus den
Jahren 2005 und 2007 entnommen, wobei Paramount
noch über den Vorgänger dominiert. Wäre natürlich
sehr interessant zu wissen, wie SIEGES EVEN ihre älteren
Stücke heute interpretieren würden.
Insgesamt ist Playgrounds eine feine Ergänzung
zu SIEGES EVEN Diskographie. Das eine Band dieses Schlages
locker eine Doppel-CD bzw. DVD füllen könnte, steht
auf einem anderen Blatt und kann ja in Zukunft noch korrigiert
werden. Zu bemängeln gibt es eigentlich nur, das ein, zwei
Songs partiell zu sehr ausufern, u.a. den Klassiker These
Empty Places und die ansonsten fabelhafte Zugabe The
Weight hätte man dezent straffen können. Aber
was schmerzt schon eine etwas zu lange Rutsche auf intelligent
und spannend angelegten Spielplätzen? Deshalb: hingehen,
mitnehmen und genießen!