Direkt aus
Taiwan landete das Doppelpack The Soul That Never Dies der
Band SERAPHIM auf meinem Schreibtisch. Doppelpack deshalb,
weil sich die Band die Mühe gemacht hat, mir sowohl die handelsübliche
englische Version, als auch die chinesische Version zu schicken.
Äußerlich
unterscheiden sich beide Alben nicht sehr viel. Die Covergestaltung
ist dieselbe, die englische Version ist nur ein wenig dunkler.
Lediglich die Grafik auf der CD selbst hat eine unterschiedliche
Farbe. Und natürlich ist die chinesische Fassung in chinesisch
:-)
Die erst 2001
gegründeten SERAPHIM präsentieren lupenreinen Power Metal,
bei dem die Nordlichter Nightwish mehr als deutlich Pate standen.
Die einzelnen Bandmitglieder können jedoch einen umfangreichen
musikalischen Background aufweisen, haben sie bereits zahlreiche
Erfahrungen in anderen Bands sammeln können. Aushängeschild ist
ohne Zweifel Sängerin Pay, welche eine klassische Gesangsausbildung
besitzt. Sie hat eine sehr ausdrucksstarke und markante Stimme,
bewegt sich aber für meinen Geschmack zu oft in den hohen Tonlagen,
was auf die Dauer schon mal nerven kann. Das es aber auch anders
geht, beweisen Songs wie Mind's Sky (am Anfang) und Canticle,
wo sie die unteren Stimmlagen benutzt und somit dem Gesang einen
fantastischen Drive vermittelt. Auch die zweistimmigen Gesangparts
z.b. bei Immortal Silence wissen zu beeindrucken.
Die Gesangeskünste von Bassist Jax lassen allerdings sehr zu wünschen
übrig und bedürfen dringend der Schulung.Instrumentalistisch
gesehen sind die Musiker über jeden Zweifel erhaben. Insbesondere
Gitarist "Evil" Dan ist ein wahrer Könner seines Handwerks. Die
Keyboards werden von der Gastmusikerin Maggie beigesteuert.
Insgesamt
werden 11 Songs dargeboten, von denen gerade mal einer knapp unter
5 Minuten ist. Mit Mind's Sky - über 9 Minuten und Majestic
Farewell - über 10 Minuten, gibt es zwei Mammut Tracks auf
The Soul That Never Dies. Die einzelnen Songs sind
ziemlich abwechslungsreich und mit vielen instrumentalen Zwischenspielen
durchsetzt, die aber nur durch Dan's Solis glänzen können, die
zwar sehr gekonnt sind, aber dann zu oft eingesetzt werden. Somit
wirken die Songs ziemlich langatmig und überladen.
Wiederum glänzen können SERAPHIM mit dem 10-seitigen, grafisch
sehr ansprechendem Booklet, welches mit Jesaja 6:2 beginnt und
somit die Seraphim definiert.
Eigentlich hatte ich erwartet, auf diesem Album diverse chinesische
(folkloristische) Einflüsse zu finden. Aber das ist nichts Derartiges
in dieser Hinsicht zu finden. Nur eine gewisse asiatische Magie
ist zu verspüren, die einen sofort erkennen lässt, das es sich
hier nicht um eine europäische oder amerikanische Band handelt.
Fazit: Das
Debüt Album von SERAPHIM ist musikalisch gesehen eine beachtenswerte
Leistung. Nur sollte am männlichen Gesang gearbeitet und der weibliche
Gesang vielleicht nicht so sehr im Vordergrund stehen. Produktionstechnisch
könnte man sicherlich noch einiges an Druck und Power nachlegen.
Und vor allem wäre es an der Zeit, sich langsam von den großen
Vorbildern zu lösen, um einen eigenen Stil zu finden, denn Potential
für Eigenes ist in jedem Fall vorhanden. Es muss nur ausgeschöpft
werden. Die chinesische Version beeindruckt natürlich auf Grund
der für Europäer exotischen Sprache und stilistischen Ausdrucksweise
...
Seraphim