SERAPHIM - The Soul That Never Dies

Label: Arise Records

Release: März 2002

Von: Calani

Punkte: 6,5

Direkt aus Taiwan landete das Doppelpack The Soul That Never Dies der Band SERAPHIM auf meinem Schreibtisch. Doppelpack deshalb, weil sich die Band die Mühe gemacht hat, mir sowohl die handelsübliche englische Version, als auch die chinesische Version zu schicken.

Äußerlich unterscheiden sich beide Alben nicht sehr viel. Die Covergestaltung ist dieselbe, die englische Version ist nur ein wenig dunkler. Lediglich die Grafik auf der CD selbst hat eine unterschiedliche Farbe. Und natürlich ist die chinesische Fassung in chinesisch :-)

Die erst 2001 gegründeten SERAPHIM präsentieren lupenreinen Power Metal, bei dem die Nordlichter Nightwish mehr als deutlich Pate standen. Die einzelnen Bandmitglieder können jedoch einen umfangreichen musikalischen Background aufweisen, haben sie bereits zahlreiche Erfahrungen in anderen Bands sammeln können. Aushängeschild ist ohne Zweifel Sängerin Pay, welche eine klassische Gesangsausbildung besitzt. Sie hat eine sehr ausdrucksstarke und markante Stimme, bewegt sich aber für meinen Geschmack zu oft in den hohen Tonlagen, was auf die Dauer schon mal nerven kann. Das es aber auch anders geht, beweisen Songs wie Mind's Sky (am Anfang) und Canticle, wo sie die unteren Stimmlagen benutzt und somit dem Gesang einen fantastischen Drive vermittelt. Auch die zweistimmigen Gesangparts z.b. bei Immortal Silence wissen zu beeindrucken.
Die Gesangeskünste von Bassist Jax lassen allerdings sehr zu wünschen übrig und bedürfen dringend der Schulung.
Instrumentalistisch gesehen sind die Musiker über jeden Zweifel erhaben. Insbesondere Gitarist "Evil" Dan ist ein wahrer Könner seines Handwerks. Die Keyboards werden von der Gastmusikerin Maggie beigesteuert.

Insgesamt werden 11 Songs dargeboten, von denen gerade mal einer knapp unter 5 Minuten ist. Mit Mind's Sky - über 9 Minuten und Majestic Farewell - über 10 Minuten, gibt es zwei Mammut Tracks auf The Soul That Never Dies. Die einzelnen Songs sind ziemlich abwechslungsreich und mit vielen instrumentalen Zwischenspielen durchsetzt, die aber nur durch Dan's Solis glänzen können, die zwar sehr gekonnt sind, aber dann zu oft eingesetzt werden. Somit wirken die Songs ziemlich langatmig und überladen.
Wiederum glänzen können SERAPHIM mit dem 10-seitigen, grafisch sehr ansprechendem Booklet, welches mit Jesaja 6:2 beginnt und somit die Seraphim definiert.
Eigentlich hatte ich erwartet, auf diesem Album diverse chinesische (folkloristische) Einflüsse zu finden. Aber das ist nichts Derartiges in dieser Hinsicht zu finden. Nur eine gewisse asiatische Magie ist zu verspüren, die einen sofort erkennen lässt, das es sich hier nicht um eine europäische oder amerikanische Band handelt.

Fazit: Das Debüt Album von SERAPHIM ist musikalisch gesehen eine beachtenswerte Leistung. Nur sollte am männlichen Gesang gearbeitet und der weibliche Gesang vielleicht nicht so sehr im Vordergrund stehen. Produktionstechnisch könnte man sicherlich noch einiges an Druck und Power nachlegen. Und vor allem wäre es an der Zeit, sich langsam von den großen Vorbildern zu lösen, um einen eigenen Stil zu finden, denn Potential für Eigenes ist in jedem Fall vorhanden. Es muss nur ausgeschöpft werden. Die chinesische Version beeindruckt natürlich auf Grund der für Europäer exotischen Sprache und stilistischen Ausdrucksweise ...

Seraphim