Meine
Fresse, was müssen SEPULTURA beim Schreiben
der Songs für das neue Album Dante XXI eine
Scheiß-Wut im Bauch gehabt haben. Denn die CD klingt
praktisch durchgehend kompromisslos und aggressiv, ein Batzen
rohen Zorns, der dem Hörer ohne viel Federlesens oder
technischen Schnickschnack direkt vor die Füße
gerotzt wird.
Dabei kommen die klassischen SEPULTURA-Roots
eigentlich nur noch rudimentär zum Vorschein, stattdessen
wird in der Masse auf kurze und knackige Songs gesetzt, die
für mich wie eine Mischung aus Minimalismus-Thrash, viel
Hardcore und dem Stil stoisch-eingänger Metal-Industrial-Hybriden
à la Meathook Seed oder Morgoths Odium klingt. Tracks
wie Dark Wood Of Error, Convicted In Life,
Ostia oder Crown And Miter überschreiten
jedenfalls, wenn überhaupt, nur marginal die 3-Minuten-Grenze
und halten sich höchstens in Einzelfällen mit klassischen
Trademarks wie Leads oder einem schematischem Songaufbau auf.
Wichtig ist allein das transportierte, direkt vermittelte
Gefühl der Ohnmacht, gepaart mit dem dringenden Bedürfnis,
jetzt endlich und endgültig gegen alles und jeden aufzubegehren.
Dafür wiederum grooven die etwas langsameren Tracks wie
z.B. Fighting On oder Nuclear Seven wie
Hölle, aber das ist man ja auch schon von früher
gewohnt...
Interessanter
Weise haben die Brasilianer mit ihrem amerikanischen Sänger
nicht nur das Weniger-ist-mehr-Prinzip für sich (neu)
entdeckt bzw. weiterentwickelt, sondern experimentieren auf
der anderen Seite an einigen Stellen auch mit dem Einsatz
echter Streicher und Bläser sowie ungewöhnlichen
Strukturen. Mit Still Flame ist dabei sogar ein Stück
entstanden, welches ich in dieser Konsequenz bei der Ausnutzung
der vorhandenen Möglichkeiten auch gerne einmal auf eine
Apocalyptica-CD vernommen hätte, lediglich das Ende kommt
m.E. doch zu abrupt.
Folglich gibt es auf Dante XXI einiges
zu entdecken, auch wenn die CD nicht gerade mit Länge
glänzt und in den knapp 40 Minuten auch noch vier Intros
untergebracht wurden. Wenn man so will, hat sich von der stilistischen
Ausrichtung her gar nicht so viel seit dem letzten Album Roorback
geändert, mit dem nicht unwichtigen Unterschied, dass
die angestrebte Mischung in meinen Augen diesmal viel besser
funktioniert.
Allerdings
muss der geneigte Interessent die CD im Laden erst mal finden,
denn bei der Gestaltung des Covers hat man sich wirklich alle
Mühe gegeben, eben nicht sofort als SEPULTURA-Produkt
erkannt zu werden. Untypische, sogar recht bunte Farben, dazu
das Fehlen eines sofort sicht- und lesbaren Schriftzuges;
ich bin mir sicher, dass ohne den nachträglich von der
Plattenfirma aufgebrachten Sticker mit dem bekannten S-Symbol
einige Leute an der CD einfach vorbeilaufen würden. Dabei
gefällt mir die Gestaltung des Booklets an sich richtig
gut, wobei man sich innerhalb des textlichen Konzeptes wohl
Dantes Inferno hat inspirieren lassen.
Warum
es trotzdem nur 7,5 Punkte gibt? Weil mir der Gesang und die
harten Songs in der Gesamtheit noch zu eindimensional gehalten
sind. Weil für meinem Geschmack etwas mehr fürs
Geld geboten werden könnte. Und weil ich, trotz der nach
dem Ausstieg von Max C. eher schwachen Alben, von der Band
einfach immer ein bisschen mehr erwarte als sie anscheinend
noch zu leisten vermag, auch wenn Dante XXI
auf der anderen Seite sicherlich eine positive Überraschung
darstellt...