SEPULTURA – Dante XXI

 
Label: Steamhammer/SPV
Release: 17.03.2006
Von: Psycho
Punkte: 7.5/10
Time: 39:03
Stil: Thrash Metal
URL: Sepultura
 

Meine Fresse, was müssen SEPULTURA beim Schreiben der Songs für das neue Album Dante XXI eine Scheiß-Wut im Bauch gehabt haben. Denn die CD klingt praktisch durchgehend kompromisslos und aggressiv, ein Batzen rohen Zorns, der dem Hörer ohne viel Federlesens oder technischen Schnickschnack direkt vor die Füße gerotzt wird.
Dabei kommen die klassischen SEPULTURA-Roots eigentlich nur noch rudimentär zum Vorschein, stattdessen wird in der Masse auf kurze und knackige Songs gesetzt, die für mich wie eine Mischung aus Minimalismus-Thrash, viel Hardcore und dem Stil stoisch-eingänger Metal-Industrial-Hybriden à la Meathook Seed oder Morgoths Odium klingt. Tracks wie Dark Wood Of Error, Convicted In Life, Ostia oder Crown And Miter überschreiten jedenfalls, wenn überhaupt, nur marginal die 3-Minuten-Grenze und halten sich höchstens in Einzelfällen mit klassischen Trademarks wie Leads oder einem schematischem Songaufbau auf. Wichtig ist allein das transportierte, direkt vermittelte Gefühl der Ohnmacht, gepaart mit dem dringenden Bedürfnis, jetzt endlich und endgültig gegen alles und jeden aufzubegehren. Dafür wiederum grooven die etwas langsameren Tracks wie z.B. Fighting On oder Nuclear Seven wie Hölle, aber das ist man ja auch schon von früher gewohnt...

Interessanter Weise haben die Brasilianer mit ihrem amerikanischen Sänger nicht nur das Weniger-ist-mehr-Prinzip für sich (neu) entdeckt bzw. weiterentwickelt, sondern experimentieren auf der anderen Seite an einigen Stellen auch mit dem Einsatz echter Streicher und Bläser sowie ungewöhnlichen Strukturen. Mit Still Flame ist dabei sogar ein Stück entstanden, welches ich in dieser Konsequenz bei der Ausnutzung der vorhandenen Möglichkeiten auch gerne einmal auf eine Apocalyptica-CD vernommen hätte, lediglich das Ende kommt m.E. doch zu abrupt.
Folglich gibt es auf Dante XXI einiges zu entdecken, auch wenn die CD nicht gerade mit Länge glänzt und in den knapp 40 Minuten auch noch vier Intros untergebracht wurden. Wenn man so will, hat sich von der stilistischen Ausrichtung her gar nicht so viel seit dem letzten Album Roorback geändert, mit dem nicht unwichtigen Unterschied, dass die angestrebte Mischung in meinen Augen diesmal viel besser funktioniert.

Allerdings muss der geneigte Interessent die CD im Laden erst mal finden, denn bei der Gestaltung des Covers hat man sich wirklich alle Mühe gegeben, eben nicht sofort als SEPULTURA-Produkt erkannt zu werden. Untypische, sogar recht bunte Farben, dazu das Fehlen eines sofort sicht- und lesbaren Schriftzuges; ich bin mir sicher, dass ohne den nachträglich von der Plattenfirma aufgebrachten Sticker mit dem bekannten S-Symbol einige Leute an der CD einfach vorbeilaufen würden. Dabei gefällt mir die Gestaltung des Booklets an sich richtig gut, wobei man sich innerhalb des textlichen Konzeptes wohl Dantes Inferno hat inspirieren lassen.

Warum es trotzdem nur 7,5 Punkte gibt? Weil mir der Gesang und die harten Songs in der Gesamtheit noch zu eindimensional gehalten sind. Weil für meinem Geschmack etwas mehr fürs Geld geboten werden könnte. Und weil ich, trotz der nach dem Ausstieg von Max C. eher schwachen Alben, von der Band einfach immer ein bisschen mehr erwarte als sie anscheinend noch zu leisten vermag, auch wenn Dante XXI auf der anderen Seite sicherlich eine positive Überraschung darstellt...