SCARECROW N.W.A. – Ishmael

 
Label: PH-Music
Release: 27.04.2009
Von: Stormlord
Punkte: 9/10
Time: 53:18
Stil: Death Metal
URL: Scarecrow N.W.A.
 
SCARECROW N.W.A. ist mit dem neuen Werk Ishmael ein Sprung nach vorne gelungen. In der Vergangenheit beinhalteten die Kompositionen (wie auch heute) sehr viele, teils bunt zusammen gewürfelte Elemente, doch diesmal gelingt der Band eine strukturierte und nachvollziehbare, ja teilweise richtig eingängige Verknüpfung der einzelnen Puzzleteile. Bei der vorliegenden Veröffentlichung handelt es sich übrigens um ein Konzeptalbum, das seine Inspiration aus der Novelle „Moby Dick“ von Herman Melville zieht.

So passiert etwa beim Eröffnungsstück Call Me Ishmael schon einiges, um Abwechslung bemühte Vocals und Gitarrenleads sowie –soli treffen auf Doublebasselemente und eingängige Headbangerparts. Der Einsatz der Keyboards wurde stark zurückgefahren, was den Stücken mehr Durchschlagskraft verleiht.
Einige moderne Experimente, wie etwa das Riffing zu Beginn von The Fallen oder einige Hardcorenuancen im Gesang werden schlüssiger als in der Vergangenheit ins Gesamtbild eingewoben. Weitere Pluspunkte im sophisticated Death Metal-Sound stellen die starke Gitarrenarbeit und die vielen Ideen im Aufbau der Lieder dar. Die Band hat all ihr Herzblut in ihre Musik gesteckt und versteht es nach nahezu 15 Jahren des Bestehens nun ausgezeichnet, die Spannung auch in den längeren Songs durchgehend hoch zu halten.
Im gesanglichen Bereich ist tiefer Death-Metal-Gesang ebenso zu hören wie moderat kreischendes Black Metal Timbre und auch heroischer Klargesang. Manchmal werden zwei Stimmen auch übereinander gelegt. Mit dieser Taktik entwickelt sich etwa der Refrain von Schizophrenia zu einem kleinen Ohrwurm. Bei genanntem Stück mischen SCARECROW N.W.A. zielsicher verschiedenste Elemente aus dem gesamten Metal-Bereich: hier gibt es Variationen am laufenden Band, von allen Beteiligten sehr gut in Szene gesetzt. Schlussendlich kann auch der transparente und kraftvolle Sound (der übrigens für die reguläre CD nochmals neu gemastert wurde) auf der Habenseite verbucht werden.
Allerdings glänzt auf diesem Silberling nicht alles golden…im vierten Stück Dominion X sind für meinen Geschmack die extrem variablen Vocals zu viel des Guten. Aber zurück zu Erfreulichem: die orientalischen Einflüsse im Verlauf von Goddess Of Death klingen interessant, das schleppende Grundtempo hebt dieses Lied auch rhythmisch merkbar ab. Beim geradlinigen und einfach gestrickten Stück Phantoms fehlt dann meiner Meinung nach wieder eine Prise Experimentierfreudigkeit. Die Feinabstimmung ist wirklich schwierig, aber SCARECROW N.W.A. werden sich sicherlich noch weiter in die richtige Richtung bewegen und am Tuning arbeiten ;)
Auch der letzte Track Deadworld Rising atmet noch einmal orientalisches Flair und beschließt eine mehr als gelungene Veröffentlichung.

Den Steirern ist mit Ishmael ein starkes Stück Musik mit spannenden Songs, variabler Sangesleistung und sehr guten Gitarrenmelodien gelungen. Für mich stehen die Kompositionen manchmal ob ihrer reichhaltigen Elemente an der Kippe zur Überfrachtung, aber großteils klingt die CD homogen und auch eingängig; und doch – so abgedroschen dieser Spruch nun auch sein mag – weniger ist eben doch manchmal noch ein wenig mehr! Ich wurde dennoch von der Weiterentwicklung beim Songaufbau überrascht; deshalb ich bin von SCARECROW Nun Wirklich Angetan! :)