Künstlerischer
Stillstand? Kreative Stagnation? Diese Begriffe gehören
sicher nicht zum Wortschatz der wandlungsfähigen Gruppe
aus der Steiermark. Mit der stilistischen Modifikation ging
auch eine Veränderung bzw. Verlängerung des Namens
einher, wobei NWA soviel wie New World Annihilation
bedeutet. Bisher boten die Jungs eine Mixtur verschiedenster
Stile von Power bis Black, die auf At The Back Of
Beyond einer geradlinigeren Ausrichtung gewichen
ist. Der Death Metal Anteil überwiegt diesmal eindeutig,
Power Metal Anteile sind fast verschwunden und auf bisher gewohntes
Pathos verzichten SCARECROW NWA auch. Sophisticated
Death Metal nennen die Vogelscheuchen ihren Stil selbstbewusst
– und tatsächlich hat diese CD recht wenig mit durchschnittlicher
oder gar eintöniger Unterhaltung zu tun. Es beginnt beim
Cover, das rein gar nichts mit den so häufig verwendeten
Metzelcovern zu tun hat; einzig die Farbgebung des Booklets
ist unglücklich gewählt, sodass zwei Texte teilweise
schwer zu entziffern sind, da sie sich vom Hintergrund nicht
gut abheben.
Die in der Vergangenheit offerierte und nun fehlende Stilvielfalt,
bei der hin und wieder der rote Faden des Songs an sich aus
den Händen zu gleiten drohte, bedeutet jedenfalls nicht,
dass sich nun Stumpfsinn breit machen würde. Die Lieder
sind abwechslungsreich, teilweise breaklastig und kompetent
instrumentiert, wobei vor allem das Titelstück At The
Back Of Beyond einen positiven und bleibenden Eindruck
hinterlässt. Besonders die Einleitung mit synthetischen
Streichern und Doublebass lässt meinen Daumen steil nach
oben zeigen und auch der Refrain ist einprägsam. Der Aufbau
des dritten Stückes And The Day Turned To Night
ist spannend und steigert sich nach sanftem Beginn (gezupfte
Gitarren) immer mehr. Der Gesang, bei dem sich aggressive und
klare Stimmen bisweilen übereinander legen, kann ebenso
überzeugen. Es gelingt bestens, in die flott vorgetragenen
Kompositionen auch ruhigere Teile einzuflechten. Auch auf headbanger-kompatible
Passagen wurde nicht vergessen und so wird dieser Song live
sicher zu den Höhepunkten gehören. Die Gitarrenarbeit
von Alex gefällt durch ihre Kreativität und Spielfreude.
Am auffälligsten wandelte sich die Stimme von Bernd, der
die klaren Gesangspassagen in den Hintergrund stellt und die
Stimmbänder nahezu durchgehend aggressiv einsetzt. So haben
SCARECROW NWA eines ihrer hervorstechenden
Merkmale entschärft – ob sich das positiv oder negativ
auswirkt liegt im Auge des Betrachters bzw. im Ohr des Hörers.
Hinzugekommen sind auch einige modern anmutende Elemente, die
den Sound aufpeppen, aber nicht überhand nehmen. Ein weiterer
Pluspunkt: die unaufdringliche Keyboarduntermalung von Orestis.
Revolutionär sind SCARECROW NWA auf dem
Gebiet des Death Metal sicher nicht, aber sie haben gute Songs
am Start und machen Spaß. In den gut 20 Minuten macht
die Band vieles richtig, zwei bravouröse Stücke und
viele gute Ideen sind sicher eine weit überdurchschnittliche
Ausbeute für eine EP!