Große
Namen kreisen um das SALINE GRACE Debütalbum.
Textlich werden Fjodor Dostojewski, Franz Kafka und Charles
Bukowski beschworen, musikalisch geben Nick Cave, Sixteen Horsepower,
Woven Hand, And Also The Trees (hatten wir die nicht neulich
schon mal?) und Leonard Cohen die Marschrichtung vor. Na gut,
warum nicht die Ziele hochstecken - vor allem, wenn etwas Schmackhaftes
dabei rauskommt? Ein Grund dagegen wäre Etikettenschwindel;
ein Zweiter, dass die hehren Ziele doch nicht erreicht werden.
Etikettenschwindel schließen wir schon mal aus, Einflüsse
der oben genannten finden sich alleweil. Dass die Intensität
der Vorbilder allerdings knapp verfehlt wird, dürfte keine
große Überraschung sein.
SALINE GRACE geht die Besessenheit eines Nick
Cave oder auch von Sixteen Horsepower weitgehend ab. Dort, wo
bei Cave und Kollegen das Manische die Oberhand gewinnt, herrscht
bei SALINE GRACE gefälliger Wohlklang
vor. Border Town Shades bezirzt das
Ohr, die Instrumentierung ist ausgefeilt, fein ziseliert und
kreiert eine gut abgehangene, verträumt düstere Stimmung.
Semi-akustische Instrumente bestimmen das Klangbild, ein allgegenwärtiges
Piano, Mandoline, Banjo und diverse Gitarren finden ihren wohlüberlegten
Einsatz. Da ertrinkt nichts in knöcheltiefem Pathos, ist
aber auch nichts so spartanisch, dass es zum trockenen Experiment
mutiert. Manchmal schmeicheln sich die Melodien etwas zu beliebig
ins Ohr, aber das sind verzeihliche Ausnahmen. Insgesamt haben
Ricardo Hoffmann und seine musikalischen Mitstreiter um Lebensgefährtin
und Bassistin Ines Pollok ein wehmütiges, stimmiges Album
produziert. Eignet sich hervorragend zum Nebenbeihören,
als akustischer Literaturbegleiter (auch mit anderer Lektüre
als Dostojewski, Kafka und Bukowski), oder zum entspannten Genuss
an einem frostigen Winterabend vorm lauschigen Kamin. Darauf
einen Dujardin. Einen Wodka. Einen Malt.