2007
feierten SAGA 30jähriges Bestehen, hatten ein neues
Album im Gepäck (10 0000 Days) und gingen
ausführlich auf Tournee. Die im Schatten eines kommenden
Ereignisses stand: Sänger und Frontmann Michael Sadler
hatte seinen Ausstieg angekündigt. Kein Ende mit Schrecken,
sondern ein freundlicher Abschied. Die dazu gehörenden
Live-Auftritte überzeugten durch eine gehörige Portion
Power, dauerten weit mehr als 2 Stunden und vermittelten neben
instrumentalem Können eine Menge Spaß. Aushängeschild
Sadler hatte alles im Griff, wechselte die Hemden im Halbstunden-Takt
und hinterließ die bange Frage, wie es wohl ohne in weiter
gehen soll. Diese Frage ist mittlerweile beantwortet. Doch bevor
SAGA mit dem neuen Album The Human Condition
und Sänger Rob Moratti an den Start gehen, erschien als
Abschiedsgeschenk eine Aufzeichnung des deutschen Abschlusskonzerts
in München, vom 05.12.2007 auf DVD und Doppel-CD. Getrennt,
bzw. in der Limited Edition auch komplett erhältlich.
Neben dem München-Konzert enthält das DVD Package
eine Bonus-DVD mit einem Split-Screen Interview/Bericht zur
Veranstaltung, einer Bildergalerie und einer sehr mäßig
klingenden Aufnahme des 2007er Auftritts in Mannheim.
Als reguläre Konzert-DVD geht das in Ordnung; der Sound
ist okay, wenn auch nicht überragend, die Kameraführung,
sagen wir es positiv, gediegen. Musikalisch gibt es wenig zu
meckern, das Repertoire wird sauber herunter gespielt (wenn
mir auch der Auftritt in Hiltrup im November, sowohl von der
Performance wie den Reaktionen des Publikums energischer vorkam.).
Aber genau das ist der Haken: für ein Abschiedsgeschenk
fehlen Überraschungen. Keine fast vergessenen Songperlen
werden ausgegraben, aber auch Klassiker wie Climbing The
Ladder oder Ice Nice sind abgängig. Zumindest
letzteres gibt es glücklicherweise auf der Worlds
Apart – Revisted Veröffentlichung. Diese
zwei Jahre vorher entstandene DVD ist eigentlich das schönere
Vermächtnis. Wenn man denn auf die Songs der seitdem veröffentlichten
Alben (Trust und 10 000 Days) verzichten
kann. Enthält die ältere DVD Ausgabe doch immerhin
eine Konzertaufnahme aus dem Jahr 1981. So etwas wäre auch
der begleitenden Bonus-DVD zu wünschen gewesen. Ein chronologischer
Abriss über die Entwicklung der kanadischen Band, und sei
es nur anhand einzelner Konzertclips aus unterschiedlichen Dekaden.
Stattdessen eine halbstündige Performance, der gleichen
Tournee entnommen wie der Hauptakt, zudem wesentlicher schlechter
klingend, ist ziemlich überflüssig.
Wie auch immer, als hochwertige musikalische Ergänzung
ohne Überraschungseffekt ist Contact sehr
willkommen. Wer auf Surround-Sound und eine abschließende
Blumenorgie verzichten kann (deren Bewertung man zwischen „peinlich“
und „ergreifend“ selbst vornehmen muss) ist mit
der CD-Ausgabe bestens bedient. Wirkliche Wehmut will sich so
allerdings nicht einstellen.
Mittlerweile wissen
wir ja auch, dass es weiter geht. SAGA drehen mit dem
neuen Frontmann Rob Moratti (dessen Stimme mit der Sadlers
nicht vergleichbar ist) weitere Runden. Und Michael Sadler
ist als „Special Guest“ bei den Konzerten Rudi
Buttas aufgeführt. Der ist seines Zeichens hauptamtlicher
Gitarrist der Weichspüler Pur. Stellt sich eine neue
Frage: hat sich dabei irgendwer verbessert?
Wie Jim Gilmour
im Interview verriet, gab es nach dem letzten offiziellen
Konzert in Deutschland noch einen Auftritt in Südamerika.
Ich glaube, davon wäre mir eine bleibende Erinnerung
lieber gewesen.
Rätsel der
DVD-Produktionen: während Worlds Apart –
Revisted ohne Altersfreigabe auskommt, ist Contact
- Live In Munich erst ab 12 Jahren frei gegeben. Vielleicht
wegen des Drum-Solos, bei dem Neutrommler Chris Sutherland
ausgiebig James Browns Sex Machine zitiert.
Spaßig auch,
dass Michael Sadler die meisten seiner Ansagen in recht gutem
Deutsch hält. Sollte Contact - Live In Munich
also hauptsächlich für den deutschen Markt bestimmt
sein? Bleibt die Überlegung, ob das eine Verbeugung vor
den deutschen Fans ist, oder die größte Chance
noch etwas Geld mit alten Hinterlassenschaften zu verdienen.
Honi soit qui mal y pense.
|