SAGA – Contact - Live In Munich DVD

 
Label: InsideOut
Release: 27.02.2009
Von: Joking
Punkte: 7/10
Time: 136:16 (DVD 1) / 50:20 (DVD 2)
Stil: Melodic Progressive Rock
URL: Saga
 
2007 feierten SAGA 30jähriges Bestehen, hatten ein neues Album im Gepäck (10 0000 Days) und gingen ausführlich auf Tournee. Die im Schatten eines kommenden Ereignisses stand: Sänger und Frontmann Michael Sadler hatte seinen Ausstieg angekündigt. Kein Ende mit Schrecken, sondern ein freundlicher Abschied. Die dazu gehörenden Live-Auftritte überzeugten durch eine gehörige Portion Power, dauerten weit mehr als 2 Stunden und vermittelten neben instrumentalem Können eine Menge Spaß. Aushängeschild Sadler hatte alles im Griff, wechselte die Hemden im Halbstunden-Takt und hinterließ die bange Frage, wie es wohl ohne in weiter gehen soll. Diese Frage ist mittlerweile beantwortet. Doch bevor SAGA mit dem neuen Album The Human Condition und Sänger Rob Moratti an den Start gehen, erschien als Abschiedsgeschenk eine Aufzeichnung des deutschen Abschlusskonzerts in München, vom 05.12.2007 auf DVD und Doppel-CD. Getrennt, bzw. in der Limited Edition auch komplett erhältlich.
Neben dem München-Konzert enthält das DVD Package eine Bonus-DVD mit einem Split-Screen Interview/Bericht zur Veranstaltung, einer Bildergalerie und einer sehr mäßig klingenden Aufnahme des 2007er Auftritts in Mannheim.
Als reguläre Konzert-DVD geht das in Ordnung; der Sound ist okay, wenn auch nicht überragend, die Kameraführung, sagen wir es positiv, gediegen. Musikalisch gibt es wenig zu meckern, das Repertoire wird sauber herunter gespielt (wenn mir auch der Auftritt in Hiltrup im November, sowohl von der Performance wie den Reaktionen des Publikums energischer vorkam.).
Aber genau das ist der Haken: für ein Abschiedsgeschenk fehlen Überraschungen. Keine fast vergessenen Songperlen werden ausgegraben, aber auch Klassiker wie Climbing The Ladder oder Ice Nice sind abgängig. Zumindest letzteres gibt es glücklicherweise auf der Worlds Apart – Revisted Veröffentlichung. Diese zwei Jahre vorher entstandene DVD ist eigentlich das schönere Vermächtnis. Wenn man denn auf die Songs der seitdem veröffentlichten Alben (Trust und 10 000 Days) verzichten kann. Enthält die ältere DVD Ausgabe doch immerhin eine Konzertaufnahme aus dem Jahr 1981. So etwas wäre auch der begleitenden Bonus-DVD zu wünschen gewesen. Ein chronologischer Abriss über die Entwicklung der kanadischen Band, und sei es nur anhand einzelner Konzertclips aus unterschiedlichen Dekaden. Stattdessen eine halbstündige Performance, der gleichen Tournee entnommen wie der Hauptakt, zudem wesentlicher schlechter klingend, ist ziemlich überflüssig.
Wie auch immer, als hochwertige musikalische Ergänzung ohne Überraschungseffekt ist Contact sehr willkommen. Wer auf Surround-Sound und eine abschließende Blumenorgie verzichten kann (deren Bewertung man zwischen „peinlich“ und „ergreifend“ selbst vornehmen muss) ist mit der CD-Ausgabe bestens bedient. Wirkliche Wehmut will sich so allerdings nicht einstellen.

Mittlerweile wissen wir ja auch, dass es weiter geht. SAGA drehen mit dem neuen Frontmann Rob Moratti (dessen Stimme mit der Sadlers nicht vergleichbar ist) weitere Runden. Und Michael Sadler ist als „Special Guest“ bei den Konzerten Rudi Buttas aufgeführt. Der ist seines Zeichens hauptamtlicher Gitarrist der Weichspüler Pur. Stellt sich eine neue Frage: hat sich dabei irgendwer verbessert?

Wie Jim Gilmour im Interview verriet, gab es nach dem letzten offiziellen Konzert in Deutschland noch einen Auftritt in Südamerika. Ich glaube, davon wäre mir eine bleibende Erinnerung lieber gewesen.

Rätsel der DVD-Produktionen: während Worlds Apart – Revisted ohne Altersfreigabe auskommt, ist Contact - Live In Munich erst ab 12 Jahren frei gegeben. Vielleicht wegen des Drum-Solos, bei dem Neutrommler Chris Sutherland ausgiebig James Browns Sex Machine zitiert.

Spaßig auch, dass Michael Sadler die meisten seiner Ansagen in recht gutem Deutsch hält. Sollte Contact - Live In Munich also hauptsächlich für den deutschen Markt bestimmt sein? Bleibt die Überlegung, ob das eine Verbeugung vor den deutschen Fans ist, oder die größte Chance noch etwas Geld mit alten Hinterlassenschaften zu verdienen. Honi soit qui mal y pense.