So beginnt eines
der großartigsten Konzeptalben der Metalwelt: Operation
Mindcrime aus dem Jahre 1988, das bis heute
nichts von seiner Faszination verloren hat.
Als nun QUEENSRŸCHE bekanntgaben, ihr
legendäres Meisterwerk musikalisch fortzusetzen zu wollen,
waren die Bedenken groß und die Diskussionen heftig.
QUEENSRŸCHE haben sich inzwischen meilenweit
von dem wegentwickelt, was sie damals zu einer der außergewöhnlichsten
Bands und Operation Mindcrime zu
einem absoluten Geniestreich machte und sind heute –
um ehrlich zu sein – nahezu in der Versenkung verschwunden.
Mit welcher Intention man nun an dieses Projekt heranging
sei einfach mal dahingestellt. Letztendlich zählt, was
dabei herauskommt...
Und da ist es endlich, das Fortsetzungswerk Operation
Mindcrime II... und wird wohl von jedermann
penibel unter die Lupe genommen werden.
Inhaltlich schließt die Geschichte natürlich an
Operation Mindcrime an: Mit bitteren
Erinnerungen im Knast an Liebe, Reue, Irreführung und
Mißbrauch. 18 Jahre sind vergangen und Nikki wird aus
dem Gefängnis entlassen, mit nichts als Rache und Wut
in Kopf und Bauch, die er auf Doktor X (Gaststimme Ronny James
Dio) und den Mörder von Sister Mary (wieder Pamela Moore)
richtet.
Musikalisch bekommt man gleich mit dem Intro symphonischen
Bombast vorgesetzt, der irgendwie überhaupt nicht zu
dem passen will, was man eigentlich erwartet. Man wird aber
dann umgehend mit den rasant krachigen Nummern I’m
American und One Foot In Hell versöhnt.
Mit der zweiten Single-Auskopplung The Hands lehnt
man sich musikalisch zum ersten Mal an das Erstwerk an, lässt
diesen Eindruck aber mit seltsamen uhhhhh-Refrains wieder
verblassen. Re-Arrange You offenbart noch einmal
die symphonische Note im Background, welche aber auch hier
in keinster Weise Akzente setzt und hätte außen
vor gelassen werden können.
Operation
Mindcrime II ist definitiv ein Werk, in das
man sich erst reinfinden muss, das mehrere Durchläufe
braucht, um sich einem zu erschließen. Danach mag man
es oder nicht. Die symphonischen Parts sind und bleiben mir
persönlich etwas suspekt und hätten auch weggelassen
werden können. Viele Songs bleiben nicht im Ohr hängen,
auch wenn sie handwerklich erster Güte sind. Dafür
sind die Duette ganz groß, besonders die Wortgefechte
mit Dr. X oder die Balladen If I Could Change It All
und All The Promises.
Die Erwartungen waren groß, die Skepsis ebenso und damit
auch der Druck auf QUEENSRŸCHE, es sich
selbst und all den anderen zu beweisen, das sie es immer noch
draufhaben. Operation Mindcrime II
ist ein gutes Album, das inhaltlich und musikalisch viel zu
bieten hat. Aber es ist nicht der (vermutlich erwartete) Überflieger
und reicht auch keineswegs an den ersten Teil heran. Dennoch
denke ich, dass man mit Operation Mindcrime II
die Geschichte zu einem würdigen Abschluß gebracht
hat.