QNTAL – Purpurea - The Best Of

 
Label: Drakkar
Release: 31.10.2008
Von: Joking
Punkte: 7.5/10
Time: 144:54
Stil: Electronic Medieval Folkrock
URL: Qntal
 
16 Jahre und sechs Alben später veröffentlichen QNTAL mit Purpurea ihre erste Best Of-Sammlung. Während die erste CD einen durchaus gelungenen Überblick über das Schaffen der Band bietet, setzt sich der zweite Tonträger aus Remixen zusammen. Ergibt rund zweieinhalb Stunden Musik. CD 1 richtet sich vornehmlich an den Neuling in Sachen. Die Zusammenstellung geht in Ordnung, hat einige Höhepunkte aufzuweisen (Sumer, die moderne Bearbeitung von Walter v. der Vogelweides Palästinalied, das wunderbar traurige Departir), leidet aber leicht an der etwas zu gleichförmigen Stimmung. Die Lieder sind von hohem Niveau, aber meist nicht so herausragend, dass sie nicht durch andere Songs hätten ersetzt werden können. QNTAL sind halt alles andere als eine Single Hit-Band. Das zeugt von Kontinuität, verhindert aber den großen A-ha Effekt, der sich einstellt, wenn man besondere Musik für ganz besondere Momente wieder entdecken möchte. Wie homogen die Band zu Werke geht zeigt, dass die Lieder keineswegs chronologisch geordnet sind. Obwohl Musik und Texte liebevoll mit teilweise weit entfernter Vergangenheit flirten, wirkt keines der Stücke überaltert. Die Mischung aus Melancholie, grazilem Minnesang, mittelalterlicher Folk-Attitüde und tanzbaren, elektronischen Beats weiß immer noch zu überzeugen. Denn QNTAL gehen mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu Werke, sind in Vergangenheit und Moderne heimisch und betreiben keinen feuchtfröhlichen Ausverkauf, in dem die alten Rittersleut’ auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten für einen Humpen Met und ein paar Taler feilgeboten werden. Den gleichen Effekt wird man aber auch auf den jeweiligen Originalalben finden. Wovon ich besonders Translucida wärmstens ans Herz lege.
Höhepunkt der jüngsten Veröffentlichung ist die zweite CD, die auch für Besitzer der Originalalben von Interesse sein dürfte. Zwar streben die Remixe Richtung Dancefloor, aber sie verhackstücken die Originale nicht derart, dass nur noch ein kaum zu erkennendes Rudiment übrig bleibt. Bis auf wenige Momente, die dem Techno-Touch ein wenig zu viel Tribut zollen, sind die moderneren Variationen genau solche: sie üben keinen Verrat am Geist des Originals, zerstören nicht die Elegie, die Sentimentalität und das Pathos, sondern fügen neue Nuancen hinzu. Das Universum, das QNTAL bereisen, ist kein unendlich großes. Aber innerhalb dieses abgesteckten Raums haben sie Beachtliches geleistet. Die Band schafft es tatsächlich, sogar Latein zu singen ohne vollends peinlich und antiquiert zu wirken. 145 Minuten Purpurea am Stück braucht man vermutlich selten in seinem Leben. Aber in der entsprechenden Stimmung und in Happen genossen, wirkt es bereichernd. Deshalb dürfen Interessierte und überzeugte Fans bedenkenlos zuschlagen.
Aufteilung nach Punkten:
CD1: 6,5 / CD2: 8 = freundlich aufgerundete 7,5 Punkte.