16
Jahre und sechs Alben später veröffentlichen QNTAL
mit Purpurea ihre erste Best Of-Sammlung. Während
die erste CD einen durchaus gelungenen Überblick über
das Schaffen der Band bietet, setzt sich der zweite Tonträger
aus Remixen zusammen. Ergibt rund zweieinhalb Stunden Musik.
CD 1 richtet sich vornehmlich an den Neuling in Sachen. Die
Zusammenstellung geht in Ordnung, hat einige Höhepunkte
aufzuweisen (Sumer, die moderne Bearbeitung von Walter
v. der Vogelweides Palästinalied, das wunderbar
traurige Departir), leidet aber leicht an der etwas zu
gleichförmigen Stimmung. Die Lieder sind von hohem Niveau,
aber meist nicht so herausragend, dass sie nicht durch andere
Songs hätten ersetzt werden können. QNTAL sind
halt alles andere als eine Single Hit-Band. Das zeugt von Kontinuität,
verhindert aber den großen A-ha Effekt, der sich einstellt,
wenn man besondere Musik für ganz besondere Momente wieder
entdecken möchte. Wie homogen die Band zu Werke geht zeigt,
dass die Lieder keineswegs chronologisch geordnet sind. Obwohl
Musik und Texte liebevoll mit teilweise weit entfernter Vergangenheit
flirten, wirkt keines der Stücke überaltert. Die Mischung
aus Melancholie, grazilem Minnesang, mittelalterlicher Folk-Attitüde
und tanzbaren, elektronischen Beats weiß immer noch zu
überzeugen. Denn QNTAL gehen mit der nötigen
Ernsthaftigkeit zu Werke, sind in Vergangenheit und Moderne
heimisch und betreiben keinen feuchtfröhlichen Ausverkauf,
in dem die alten Rittersleut’ auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten
für einen Humpen Met und ein paar Taler feilgeboten werden.
Den gleichen Effekt wird man aber auch auf den jeweiligen Originalalben
finden. Wovon ich besonders Translucida wärmstens
ans Herz lege.
Höhepunkt der jüngsten Veröffentlichung ist die
zweite CD, die auch für Besitzer der Originalalben von
Interesse sein dürfte. Zwar streben die Remixe Richtung
Dancefloor, aber sie verhackstücken die Originale nicht
derart, dass nur noch ein kaum zu erkennendes Rudiment übrig
bleibt. Bis auf wenige Momente, die dem Techno-Touch ein wenig
zu viel Tribut zollen, sind die moderneren Variationen genau
solche: sie üben keinen Verrat am Geist des Originals,
zerstören nicht die Elegie, die Sentimentalität und
das Pathos, sondern fügen neue Nuancen hinzu. Das Universum,
das QNTAL bereisen, ist kein unendlich großes.
Aber innerhalb dieses abgesteckten Raums haben sie Beachtliches
geleistet. Die Band schafft es tatsächlich, sogar Latein
zu singen ohne vollends peinlich und antiquiert zu wirken. 145
Minuten Purpurea am Stück braucht man vermutlich
selten in seinem Leben. Aber in der entsprechenden Stimmung
und in Happen genossen, wirkt es bereichernd. Deshalb dürfen
Interessierte und überzeugte Fans bedenkenlos zuschlagen.
Aufteilung nach Punkten:
CD1: 6,5 / CD2: 8 = freundlich aufgerundete 7,5 Punkte.