OYSTERBAND – The Big Session Vol.1
 
Label: Westpark Music
Release: 27.09.2004
Von: Andi
Punkte: 9
Time: 01:05:06
Stil: English/ Native Folk
URL: Oysterband
 
Im Grunde ist diese CD eine Mischung aus Livealbum und "neuen" Tracks. Die OYSTERBAND, zusammen mit vielen Weggefährten und/oder Freunden, die sie in ihrer über 25-jährigen Karriere kennen gelernt haben, bringt hier den Spirit von kleinen Jamsessions auf die “große” Bühne. Immer wieder anders, immer wieder neu, wurden hier fünfzehn Stücke dargeboten und letzendlich auf CD gebannt, allesamt aus dem Bereich Native Folk.
Das Konzept bei diesen Sessions war bzw. ist so einfach wie genial: Spontan wurden Songs geschrieben, kurz arrangiert, abends dann vor Publikum aufgeführt, zum nächsten Gig wieder umarrangiert, verändert, verbessert, wieder zurückarrangiert – je nachdem wie die allgemeine Stimmung war. Jeder der vierzehn Musiker durfte seine eigene, persönliche und kreative Note mit einbringen, so dass hier alle Lieder von einem unvergleichlichen, spontanen Flair umgeben sind. An drei Abenden wurden die Songs Anfang 2004 live in London aufgenommen, das Ergebnis wird am 27.09. der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Im Gegensatz zu den regulären Veröffentlichungen der OYSTERBAND wurden hier fast alle Songs unplugged eingespielt, das melancholische Lowlands z.B. besteht nur aus Gesang und leisem Dudelsack, während The New Jerusalem ein reiner A Capella- Kanon ist. Herausragend sind die durch die Bank großartigen Sangeskünste der einzelnen Musiker, authentischer kann man Folk nicht darbieten. Naja, okay, das wirklich nervige The House Carpenter mal ausgenommen. Das klingt nämlich eher nach einer amerikanischen Countryversion einer Muppet Show- Persiflage. Ansonsten aber beide Daumen hoch.
Am besten klingt die Musik immer dann, wenn es etwas geradliniger wird, John Barleycorn, We Shall Come Home oder auch das irgendwie an einen Quentin Terrentino- Film erinnernde The Cuckoo's Nest sind die Höhepunkte eines Silberlings, der von ruhigen Folkballaden (Lowlands, Fuse) bis hin zu klassischen Folkrockern (Country Life) einiges zu bieten hat.
Wer allerdings nach Pubatmosphäre für zu Hause sucht, sollte dann vielleicht doch besser auf die Pogues, Coalminer's Beat, Fiddler's Green oder zumindest ältere, “rockigere” Releases der OYSTERBAND (Deep Dark Ocean oder The Shouting End Of Life) zurückgreifen. The Big Session Vol.1 ist eher Musik für ruhige, besinnliche Abende alleine zu Hause, bei einem, zwei, zehn kühlen Bierchen und ein bisschen Fernweh. Soll ja ab und zu vorkommen...
Da ich seit einem Schüleraustausch nach Wales Anfang der Neunziger ein Fan von Newcastle Brown Ale, Manchester United und Fish 'n Chips bin, kann ich ja fast kaum noch anders, als dieser CD eine hohe Punktzahl zu geben. Da aber Inhalt (siehe oben) und Aufmachung der CD (schönes Booklet, zum Poster aufklappbar) stimmen, muss ich deswegen auch überhaupt kein schlechtes Gewissen haben. Sehr persönliche neun Punkte. Cheers.