Im
Grunde ist diese CD eine Mischung aus Livealbum und "neuen"
Tracks. Die OYSTERBAND, zusammen mit vielen Weggefährten
und/oder Freunden, die sie in ihrer über 25-jährigen
Karriere kennen gelernt haben, bringt hier den Spirit von kleinen
Jamsessions auf die “große” Bühne. Immer
wieder anders, immer wieder neu, wurden hier fünfzehn Stücke
dargeboten und letzendlich auf CD gebannt, allesamt aus dem Bereich
Native Folk.
Das Konzept bei diesen Sessions war bzw. ist so einfach wie genial:
Spontan wurden Songs geschrieben, kurz arrangiert, abends dann
vor Publikum aufgeführt, zum nächsten Gig wieder umarrangiert,
verändert, verbessert, wieder zurückarrangiert –
je nachdem wie die allgemeine Stimmung war. Jeder der vierzehn
Musiker durfte seine eigene, persönliche und kreative Note
mit einbringen, so dass hier alle Lieder von einem unvergleichlichen,
spontanen Flair umgeben sind. An drei Abenden wurden die Songs
Anfang 2004 live in London aufgenommen, das Ergebnis wird am 27.09.
der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Im Gegensatz zu den regulären Veröffentlichungen der
OYSTERBAND wurden hier fast alle Songs unplugged
eingespielt, das melancholische Lowlands z.B. besteht
nur aus Gesang und leisem Dudelsack, während The New
Jerusalem ein reiner A Capella- Kanon ist. Herausragend sind
die durch die Bank großartigen Sangeskünste der einzelnen
Musiker, authentischer kann man Folk nicht darbieten. Naja, okay,
das wirklich nervige The House Carpenter mal ausgenommen.
Das klingt nämlich eher nach einer amerikanischen Countryversion
einer Muppet Show- Persiflage. Ansonsten aber beide Daumen hoch.
Am besten klingt die Musik immer dann, wenn es etwas geradliniger
wird, John Barleycorn, We Shall Come Home oder auch das
irgendwie an einen Quentin Terrentino- Film erinnernde The
Cuckoo's Nest sind die Höhepunkte eines Silberlings,
der von ruhigen Folkballaden (Lowlands, Fuse) bis hin
zu klassischen Folkrockern (Country Life) einiges zu
bieten hat.
Wer allerdings nach Pubatmosphäre für zu Hause sucht,
sollte dann vielleicht doch besser auf die Pogues, Coalminer's
Beat, Fiddler's Green oder zumindest ältere, “rockigere”
Releases der OYSTERBAND (Deep Dark
Ocean oder The Shouting End Of Life)
zurückgreifen. The Big Session Vol.1
ist eher Musik für ruhige, besinnliche Abende alleine zu
Hause, bei einem, zwei, zehn kühlen Bierchen und ein bisschen
Fernweh. Soll ja ab und zu vorkommen...
Da ich seit einem Schüleraustausch nach Wales Anfang der
Neunziger ein Fan von Newcastle Brown Ale, Manchester United und
Fish 'n Chips bin, kann ich ja fast kaum noch anders, als dieser
CD eine hohe Punktzahl zu geben. Da aber Inhalt (siehe oben) und
Aufmachung der CD (schönes Booklet, zum Poster aufklappbar)
stimmen, muss ich deswegen auch überhaupt kein schlechtes
Gewissen haben. Sehr persönliche neun Punkte. Cheers. |