Uwe
Nolte und Frank Machau, mit ihrem Hauptprojekt ORPLID
einst im deutschsprachigen Neofolk verwurzelt, haben sich mit
ihrem neuen Album Sterbender Satyr
noch weiter als mit dem Vorgängeralbum Nächtliche
Jünger vom engen stilistischen Korsett dieses
Genres entfernt. Geblieben sind natürlich der charakteristisch
tiefe, ruhige Gesang Uwe Noltes und insbesondere das mit großer
Sorgfalt zusammengestellte lyrische Fundament - von Texter Nolte
auch als „Neue Deutsche Dichtung“ bezeichnet.
Auf Sterbender Satyr finden sich wie
schon auf Nächtliche Jünger
ausgefeilte Kompositionen. War die an manchen Stellen eingesetzte,
unterschwellig lärmende E-Gitarre auf dem letzten Album
ORPLIDs schon ein interessantes Stilmittel
im Sound, so bilden auf Sterbender Satyr
nunmehr minimalistische elektronischere Klänge das musikalische
Fundament. Kompositionen in klassischer ORPLID-Manier
stellen am ehesten noch die beiden Lieder Auf Deine Augen
Senk Ich Schlummer und Sang Am Abend dar. Die
Akustikgitarre wird also eher seltener als gewohnt angeschlagen
und stattdessen herrscht musikalische Heterogenität vor.
Häufig werden elektronische sowie akustische Elemente mit
naturbezogenen Texten verknüpft (Amils Abendgebet)
und manche Lieder erreichen von ihrer Struktur her in Verbindung
mit synthetischen Flächensounds fast meditativen Charakter
(Gesang Der Quellnymphe, Sterbender Satyr). Der Höhepunkt
des Albums ist zweifelsohne die Vertonung von Oda Schaefers
Gedicht Die Seherin. Hierbei holten sich ORPLID
Unterstützung bei der Leipziger Stimmkünstlerin Sandra
Fink, die hier eine wahre Meisterleistung erbringt und ihrer
Kehle außergewöhnliche Klangfarben entlockt.
Mit Sterbender Satyr sollten ORPLID
weiterhin auf der Erfolgsspur bleiben, denn Anhängern der
Band wie auch Liebhabern von anspruchsvoll arrangierten akustischen
und elektronischen Klängen in Verbindung mit ausgefeilter
Dichtkunst sollte Sterbender Satyr
nach einer gewissen Anlaufzeit nicht so schnell aus dem Kopf
gehen.