ORPLID – Sterbender Satyr

 
Label: Auerbach Tonträger
Release: 24.03.2006
Von: Daniel
Punkte: 9/10
Time: 59:46
Stil: Neofolk
URL: Orplid
 
Uwe Nolte und Frank Machau, mit ihrem Hauptprojekt ORPLID einst im deutschsprachigen Neofolk verwurzelt, haben sich mit ihrem neuen Album Sterbender Satyr noch weiter als mit dem Vorgängeralbum Nächtliche Jünger vom engen stilistischen Korsett dieses Genres entfernt. Geblieben sind natürlich der charakteristisch tiefe, ruhige Gesang Uwe Noltes und insbesondere das mit großer Sorgfalt zusammengestellte lyrische Fundament - von Texter Nolte auch als „Neue Deutsche Dichtung“ bezeichnet.
Auf Sterbender Satyr finden sich wie schon auf Nächtliche Jünger ausgefeilte Kompositionen. War die an manchen Stellen eingesetzte, unterschwellig lärmende E-Gitarre auf dem letzten Album ORPLIDs schon ein interessantes Stilmittel im Sound, so bilden auf Sterbender Satyr nunmehr minimalistische elektronischere Klänge das musikalische Fundament. Kompositionen in klassischer ORPLID-Manier stellen am ehesten noch die beiden Lieder Auf Deine Augen Senk Ich Schlummer und Sang Am Abend dar. Die Akustikgitarre wird also eher seltener als gewohnt angeschlagen und stattdessen herrscht musikalische Heterogenität vor. Häufig werden elektronische sowie akustische Elemente mit naturbezogenen Texten verknüpft (Amils Abendgebet) und manche Lieder erreichen von ihrer Struktur her in Verbindung mit synthetischen Flächensounds fast meditativen Charakter (Gesang Der Quellnymphe, Sterbender Satyr). Der Höhepunkt des Albums ist zweifelsohne die Vertonung von Oda Schaefers Gedicht Die Seherin. Hierbei holten sich ORPLID Unterstützung bei der Leipziger Stimmkünstlerin Sandra Fink, die hier eine wahre Meisterleistung erbringt und ihrer Kehle außergewöhnliche Klangfarben entlockt.
Mit Sterbender Satyr sollten ORPLID weiterhin auf der Erfolgsspur bleiben, denn Anhängern der Band wie auch Liebhabern von anspruchsvoll arrangierten akustischen und elektronischen Klängen in Verbindung mit ausgefeilter Dichtkunst sollte Sterbender Satyr nach einer gewissen Anlaufzeit nicht so schnell aus dem Kopf gehen.