ORPHEUS OMEGA – ResIllusion

 
Label: Rockstar Records
Release: 04.05.2013
Von: Stormlord
Punkte: 9/10
Time: 46:29
Stil: Melodic Death Metal
URL: Orpheus Omega
 
Frisch, aggressiv und hochmelodisch servieren uns ORPHEUS OMEGA ihre Death-Metal-Interpretation, die viel Tradition sowie ein Häppchen Moderne in sehr ansprechender Art kombiniert und auch so manches Experiment nicht scheut.

Wie ein roter Faden zieht sich eine Unmenge an tollen, oft doppelläufigen Melodien durch ResIllusion, besonders hymnisch gelingt die Eröffnungsweise bei Corridors, wo sie pfeilschneller Griffbrettakrobatik gegenübersteht und einen reizvollen Kontrast bietet. Dezente Keyboardeinsprengsel lassen das Klangbild opulent erscheinen, decken allerdings keinesfalls die Gitarren zu. Beim etwas epischeren The Abhorrent fügen sich rhythmisch abgehackte Elemente perfekt ins Songgerüst ein und lassen eine mitreißende Konzertstimmung entstehen. Der Refrain wird zweistimmig vorgetragen, ein leicht modern anmutender Keyboardteppich wird zwischendurch ausgerollt, sodass ein packender und vielseitiger Gesamteindruck begeistert. Eingestreute Ruhepausen tun der Dynamik gut und so endet etwa Elegant Deceit mit einer bedächtigen Keyboardmelodie, ehe das Titelstück ResIllusion mit jeder Menge Gitarrenhexerei dagegen wieder sehr heftig losstartet.
Etwas aus dem Rahmen fällt das stimmlich extravagante De6enerate, das auch auf die Unterstützung von Streichern zurückgreift. Der Refrain schwindelt sich harmonisch in die Gehörgänge, vermeidet aber allzu offensichtlich eingängige Vibes. Diese Taktik ist für das gesamte Album kennzeichnend, denn einen klebrigen Chorus oder konstruiert wirkende Songs sucht man vergeblich – nur herzerfrischenden, von teils hymnischen, dann blitzschnellen Melodien getragenen Death Metal gibt’s hier zu hören. Das von der ersten MCD bekannte The Hypocrisy brennt sich in aufgepeppter Version effektiv mit explosiv ratternden Drums sowie unterschwellig widerhakendem Refrain schnell ins Gedächtnis ein und fängt die unbändige Energie der Band genial ein. Bei Fragments blitzt ein herrlich singendes Lead durch, Archways offeriert schnelles Riffing, zupackende Stimmgewalt und ein zurückhaltendes Outro. Zum Schluss zeigen die Australier noch einmal ihre aggressive Seite und setzen mit Windfall einen kompromisslosen Schlusspunkt.

ORPHEUS OMEGA machen also ordentlich Druck, ohne auf geschickt platzierte Atempausen zu vergessen; sie unterbrechen dabei den dynamischen Spielfluss zu keiner Sekunde, legen ihr Hauptaugenmerk auf unverfälschten Metal mit Langzeitwirkung und verzichten auf platte Effekthascherei. Das ergibt zwar keine Superhits, doch bringt es der Truppe eine Menge Sympathiepunkte ein.