Im Black
Metal-Bereich begegnen dem Rezensenten im Moment eigentlich
nur zwei Arten von Bands: entweder prügelt man sich mit
altbackenem Old School-Kram durch die Gegend, oder man sucht
sein Seelenheil (?) in möglichst opulenten und sinfonischen
Gefilden. Ganz selten hingegen findet man eine Band, die wirklich
abseits dieser Strömungen steht und ernsthaft versucht,
einen eigenen Stil zu kreieren. Und genau mit einem Vertreter
dieser Art haben wir es bei ORKUS zu tun!
Die vier
Musiker kennen auf ihrem neuen Album Worms Of Tomorrow
folglich in der Tat keine Berührungsängste.
Ihr zumeist mittelschneller Black Metal wird somit auch in alle
Richtungen hin ziel- und geschmackssicher kombiniert, sei es
mit Blast- oder eher normalen Metal-Parts, vielen superben Melodien
oder cleanen, teilweise mehrstimmigen Vocals, Akustikpassagen
oder dem Einsatz einer Viola. Keyboards dagegen findet man keine,
ebenso wenig wie zusammengematschte Langweilerriffs im Hasenfick-Tempo
oder uninspiriertes Rumgekreische.
Sehr löblich also, was ich mir hier anhören darf!
Ob nun der Opener Heretic, das eher langsam gehaltene
und mit einem absoluten Ohrwurmrefrain (sic) ausgestattete Titelstück,
die schnellen Knüppler wie Shadowlife oder Pagan
Dust; stets verbinden ORKUS in einer ungemein
geschickten Kombination Härte und Melodie zu tollen Songs,
die auch sehr gut den Spagat zwischen Eingängigkeit und
interessanten Arrangements meistern. Zum Abschluss gibt es dann
mit Phantoms Of Past Days noch was ganz ungewöhnliches
zu hören, nämlich eine rein akustische Ballade, die
aber auch kein schlechtes Bild macht und so wider Erwarten gut
ins Gesamtkonzept passt.
Die Produktion
passt dazu noch wie die Faust aufs Auge: nicht zu modern und
synthetisch, aber immer transparent und schön knallig.
Schade nur, dass ORKUS, bedingt durch den Grundwehrdienst
ihres Sängers, für die nächste Zeit livetechnisch
etwas lahm gelegt sein werden. Obwohl das ja auf der anderen
Seite ein guter Grund mehr ist, sich zumindest mit der Tonkonserve
der Band zu vergnügen...