Das erste
Problem taucht schon nach ein paar Minuten des Hör-Genusses
von OCEANS OF SADNESS auf: wie zum Teufel
soll ich das vielschichtige und unkategorisierbare Klanguniversum
mit einem Begriff umschreiben? Mirror Palace
ist demnach schwer zugänglicher Stoff, der den Hörer
ordentlich fordert, abr nach einer Eingewöhnungsphase
richtiggehend fesseln kann.
Schon
zu Beginn geht es bei Mould ordentlich komplex zur
Sache: eine angenehme Klaviermelodie in Einklang mit mitreißenden
Rhythmen, dazu die warme Stimme von Tijs Vanneste - die ersten
4 Minuten sind mal gelungen! In dieser Tonart geht es weiter,
das folgende Titelstück Mirror Palace ist mitreißend
gestaltet, wird auf der Bühne sicher einen Höhepunkt
des Programms darstellen. Hier sticht der etwas abgehackte
Rhythmus und damit einhergehender rhythmisch akzentuierter
Gesang hervor, die Keyboardmelodien setzen dem Song das Sahnehäubchen
auf. Die Stimme ist überhaupt ein großer Pluspunkt
bei OCEANS OF SADNESS, das sonore,
warme Timbre verbreitet eine wahre Gänsehautatmosphäre.
Das virtuose Keyboardspiel möchte ich zudem hervorheben,
nicht das oft gehörte Alibi-Geklimper, sondern stimmungsvolle,
oft abgefahrene, fast jazzige Läufe, die dem Rezensenten
das eine oder andere Mal mit Leichtigkeit ein Lächeln
ins Gesicht zaubern. Als sehr angenehm empfinde ich auch die
Klangfarbe der Hammond-Orgel in Sleeping Dogs, wodurch
ein leicht an Deep Purple angelehntes Gefühl aufkommt;
gekrönt wird das feine Liedchen wiederum von einer vokalistischen
Meisterleistung. Doch nicht nur Breaks am Fließband
und permanente Stimmungswechsel prägen das Bild, OCEANS
OF SADNESS grooven des Öfteren relaxt durch
die Botanik bzw. Akustik, so zu hören im obercoolen Intoxicate
Me mit zwischenzeitlichen Geschwindigkeitsausbrüchen.
Den seligen
Alice In Chains wird mit einer durch den OCEANS OF
SADNESS- "Fleischwolf" gedrehten Version
von Them Bones zwischendurch als Auflockerung die
Ehre erwiesen und stellt mit Abstand das zugänglichste
Stück auf dieser CD dar. Gleich anschließend wird
es mit Sheep And Sheperds nämlich geradezu stressig.
Die Taktwechsel jagen sich im Sekundentakt, Zeit zum Luftholen,
um die Fassung wieder zu bekommen, gibt es nicht. Autofahrermusik
klingt definitiv anders; ein bisschen Melodic Death hier,
Piano-Einsprengsel da, eine Prise Thrash, verträumte
Passagen, rhythmische Versiertheit, leichte Black Metal Anleihen
- jede Menge Zutaten also, woraus OCEANS OF SADNESS
letztendlich doch eine schlüssige Mischung zaubern. Mit
dem schmissigen Pride And Shame hat die Band eine
eingängigere, hitverdächtige Komposition als Ass
im Ärmel und fährt so nach und nach immer mehr akustische
Pluspunkte ein. Ein Song nennt sich Silence Is Gold
– doch wenn sich die Musik dermaßen brillant und
mitreißend gestaltet, dann hoffe ich doch, dass dieser
These nicht Rechnung getragen wird!
Mir gefällt
die Musik, die die Belgier fabrizieren schon seit dem Debüt
For We Are außerordentlich gut,
mit dem neuen Album haben die Jungs den progressiven Anspruch
ziemlich erhöht. Mirror Palace
ist ein ungewöhnliches und auch mutiges Album, das eure
Aufmerksamkeit verdient. Wer sich auf das Abenteuer OCEANS
OF SADNESS einlässt und einen Blick (oder deren
mehrere!) in den Spiegelpalast riskiert, wird mit einem detailreichen
Stück Musik belohnt werden - meiner Meinung nach ein absoluter
Volltreffer! Und Achtung: nicht zum Headbangen geeignet
wegen Verknotungsgefahr!