OCEANS OF SADNESS Mirror Palace

 
Label: Scarlet Records
Release: 09.04.2007
Von: Stormlord
Punkte: 9.5/10
Time: 48:13
Stil: Progressive/Death Metal
URL: Oceans Of Sadness
 

Das erste Problem taucht schon nach ein paar Minuten des Hör-Genusses von OCEANS OF SADNESS auf: wie zum Teufel soll ich das vielschichtige und unkategorisierbare Klanguniversum mit einem Begriff umschreiben? Mirror Palace ist demnach schwer zugänglicher Stoff, der den Hörer ordentlich fordert, abr nach einer Eingewöhnungsphase richtiggehend fesseln kann.

Schon zu Beginn geht es bei Mould ordentlich komplex zur Sache: eine angenehme Klaviermelodie in Einklang mit mitreißenden Rhythmen, dazu die warme Stimme von Tijs Vanneste - die ersten 4 Minuten sind mal gelungen! In dieser Tonart geht es weiter, das folgende Titelstück Mirror Palace ist mitreißend gestaltet, wird auf der Bühne sicher einen Höhepunkt des Programms darstellen. Hier sticht der etwas abgehackte Rhythmus und damit einhergehender rhythmisch akzentuierter Gesang hervor, die Keyboardmelodien setzen dem Song das Sahnehäubchen auf. Die Stimme ist überhaupt ein großer Pluspunkt bei OCEANS OF SADNESS, das sonore, warme Timbre verbreitet eine wahre Gänsehautatmosphäre. Das virtuose Keyboardspiel möchte ich zudem hervorheben, nicht das oft gehörte Alibi-Geklimper, sondern stimmungsvolle, oft abgefahrene, fast jazzige Läufe, die dem Rezensenten das eine oder andere Mal mit Leichtigkeit ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Als sehr angenehm empfinde ich auch die Klangfarbe der Hammond-Orgel in Sleeping Dogs, wodurch ein leicht an Deep Purple angelehntes Gefühl aufkommt; gekrönt wird das feine Liedchen wiederum von einer vokalistischen Meisterleistung.  Doch nicht nur Breaks am Fließband und permanente Stimmungswechsel prägen das Bild, OCEANS OF SADNESS grooven des Öfteren relaxt durch die Botanik bzw. Akustik, so zu hören im obercoolen Intoxicate Me mit zwischenzeitlichen Geschwindigkeitsausbrüchen.  

Den seligen Alice In Chains wird mit einer durch den OCEANS OF SADNESS- "Fleischwolf" gedrehten Version von Them Bones zwischendurch als Auflockerung die Ehre erwiesen und stellt mit Abstand das zugänglichste Stück auf dieser CD dar. Gleich anschließend wird es mit Sheep And Sheperds nämlich geradezu stressig. Die Taktwechsel jagen sich im Sekundentakt, Zeit zum Luftholen, um die Fassung wieder zu bekommen, gibt es nicht. Autofahrermusik klingt definitiv anders; ein bisschen Melodic Death hier, Piano-Einsprengsel da, eine Prise Thrash, verträumte Passagen, rhythmische Versiertheit, leichte Black Metal Anleihen - jede Menge Zutaten also, woraus OCEANS OF SADNESS letztendlich doch eine schlüssige Mischung zaubern. Mit dem schmissigen Pride And Shame hat die Band eine eingängigere, hitverdächtige Komposition als Ass im Ärmel und fährt so nach und nach immer mehr akustische Pluspunkte ein. Ein Song nennt sich Silence Is Gold – doch wenn sich die Musik dermaßen brillant und mitreißend gestaltet, dann hoffe ich doch, dass dieser These nicht Rechnung getragen wird!

Mir gefällt die Musik, die die Belgier fabrizieren schon seit dem Debüt For We Are außerordentlich gut, mit dem neuen Album haben die Jungs den progressiven Anspruch ziemlich erhöht. Mirror Palace ist ein ungewöhnliches und auch mutiges Album, das eure Aufmerksamkeit verdient. Wer sich auf das Abenteuer OCEANS OF SADNESS einlässt und einen Blick (oder deren mehrere!) in den Spiegelpalast riskiert, wird mit einem detailreichen Stück Musik belohnt werden - meiner Meinung nach ein absoluter Volltreffer!  Und Achtung: nicht zum Headbangen geeignet wegen Verknotungsgefahr!