Würden
OOMPH! den Erfolg des letzten Albums Wahrheit
oder Pflicht mit ihrem neuen Album GlaubeLiebeTod
wiederholen können? Oder sollte sich der Megaerfolg (erfolgreich
war man schließlich auch schon vor dem Medienhype) als
einmalig herausstellen? Und vor allem natürlich: was hat
das neue Album musikalisch zu bieten?
Wahrheit oder Pflicht war mir im Nachhinein
eindeutig zu glatt ausgefallen; im Prinzip ähnelten sich
da zu viele Stücke zu sehr, obwohl sie für sich alleine
genommen gar nicht schlecht waren. Insofern bin ich doch sehr
erfreut darüber, dass GlaubeLiebeTod
insgesamt betrachtet doch wieder abwechslungsreicher ausgefallen
ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass im Lager von Dero,
Flux und Crap eine musikalische Kehrtwendung durchgeführt
hätte und wieder zur Stilistik alter Tage zurückgekehrt
wäre. Das kann man schon daran erkennen, dass praktisch
sämtliche Stücke eine Laufzeit zwischen 3-4 Minuten
aufweisen; ein kompaktes Format also, welches leider an einigen
Stellen für Beschränkungen sorgt, wo doch überraschende
Songstrukturen und ein komplexerer Songaufbau wahre Wunder gewirkt
hätten. Stattdessen legen OOMPH!, wie
auch schon in den letzten Jahren, mehr Wert auf eingängige,
gleichsam einprägsame Melodien (was ja nicht unbedingt
schlecht sein muss), während mein subjektiver Eindruck
ist, dass man auch wieder ein Zacken Härte zugelegt hat.
Höhepunkte sind demnach z.B. das textlich etwas an Rammstein
erinnernde Das letzte Streichholz, der Track Die
Schlinge, bei dem man gekonnt das bekannteste Spaghetti
Western-Motiv der Welt (Ennio Morricone’s „Spiel
mir das Lied vom Tod“) mit eingebaut hat, wenn das Ganze
auch erst im letzten Drittel so richtig zündet, oder der
harte, groovige Kracher Mein Schatz, der sich inhaltlich
(wie nicht anders zu erwarten) um die Verführungskraft
des Einen Ringes dreht. Am besten haben mir aber zwei andere
Stücke gefallen: Eine Frau spricht im Schlaf ist
eine sehr einfühlsame, tief unter die Haut gehende Ballade
der Extraklasse, wozu nicht nur die düstere Musik, sondern
auch der von Erich Kästner entlehnte Text beitragen. Und
der auf der Premium-Edition enthaltene Bonus-Track Menschsein
klingt wie ein lang vermisstes Überbleibsel der Wunschkind-Session:
endlich mal wieder die früher so stilprägende Mischung
aus harten Electro-Patterns und rabiat-barschen Gitarren! Gepaart
mit einem mörderischen Groove und einem Text, den ich viel
anstößiger (und viel wahrer) als die Lyrics von Gott
ist ein Popstar finde, dürfte damit vor allem die
Sehnsucht alter OOMPH!-Fans nach einem solchen
Stück endlich mal wieder in Erfüllung gehen.
Die anderen Tracks sind zumeist auch nicht schlecht, wirken
auf mich aber insgesamt doch zu austauschbar oder zu wenig speziell;
sie könnten genauso gut auf einem anderen OOMPH!-Album
der letzten Jahre stehen. Leider gibt es mit Dreh Dich nicht
um sogar noch einen Totalausfall zu vermelden, ansonsten
bringt man GlaubeLiebeTod aber immer
noch im positiven Sinne routiniert über die Runden. Aufgefallen
ist mir noch, dass es diesmal überhaupt kein Stück
mehr in englischer Sprache gibt. Ob das Zufall oder doch die
Anpassung an die Marktgegebenheiten ist?
Jedenfalls hat mir das Album alles in allem betrachtet durchaus
gut gefallen. Ich würde aber dringend dazu raten, die teurere
Premium-Edition zu kaufen, um so die beiden Bonus-Tracks (Wenn
Du mich lässt ist ebenfalls gelungen) mit abzugreifen.
Die „tollen“ Internet-Spielereien konnten mich hingegen
nicht so beeindrucken, und das Video zur ersten Single läuft
ja momentan wieder ständig in der VIVA-Rotation. Was zeigt:
nicht mal im (unsinnigen) Boykott ist die heutige Journaille
noch konsequent...