OOMPH! – GlaubeLiebeTod

 
Label: G.U.N. Records
Release: 24.03.2006
Von: Psycho
Punkte: 8/10
Time: 52:10
Stil: Electro Metal
URL: Oomph!
 
Würden OOMPH! den Erfolg des letzten Albums Wahrheit oder Pflicht mit ihrem neuen Album GlaubeLiebeTod wiederholen können? Oder sollte sich der Megaerfolg (erfolgreich war man schließlich auch schon vor dem Medienhype) als einmalig herausstellen? Und vor allem natürlich: was hat das neue Album musikalisch zu bieten?
Wahrheit oder Pflicht war mir im Nachhinein eindeutig zu glatt ausgefallen; im Prinzip ähnelten sich da zu viele Stücke zu sehr, obwohl sie für sich alleine genommen gar nicht schlecht waren. Insofern bin ich doch sehr erfreut darüber, dass GlaubeLiebeTod insgesamt betrachtet doch wieder abwechslungsreicher ausgefallen ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass im Lager von Dero, Flux und Crap eine musikalische Kehrtwendung durchgeführt hätte und wieder zur Stilistik alter Tage zurückgekehrt wäre. Das kann man schon daran erkennen, dass praktisch sämtliche Stücke eine Laufzeit zwischen 3-4 Minuten aufweisen; ein kompaktes Format also, welches leider an einigen Stellen für Beschränkungen sorgt, wo doch überraschende Songstrukturen und ein komplexerer Songaufbau wahre Wunder gewirkt hätten. Stattdessen legen OOMPH!, wie auch schon in den letzten Jahren, mehr Wert auf eingängige, gleichsam einprägsame Melodien (was ja nicht unbedingt schlecht sein muss), während mein subjektiver Eindruck ist, dass man auch wieder ein Zacken Härte zugelegt hat.
Höhepunkte sind demnach z.B. das textlich etwas an Rammstein erinnernde Das letzte Streichholz, der Track Die Schlinge, bei dem man gekonnt das bekannteste Spaghetti Western-Motiv der Welt (Ennio Morricone’s „Spiel mir das Lied vom Tod“) mit eingebaut hat, wenn das Ganze auch erst im letzten Drittel so richtig zündet, oder der harte, groovige Kracher Mein Schatz, der sich inhaltlich (wie nicht anders zu erwarten) um die Verführungskraft des Einen Ringes dreht. Am besten haben mir aber zwei andere Stücke gefallen: Eine Frau spricht im Schlaf ist eine sehr einfühlsame, tief unter die Haut gehende Ballade der Extraklasse, wozu nicht nur die düstere Musik, sondern auch der von Erich Kästner entlehnte Text beitragen. Und der auf der Premium-Edition enthaltene Bonus-Track Menschsein klingt wie ein lang vermisstes Überbleibsel der Wunschkind-Session: endlich mal wieder die früher so stilprägende Mischung aus harten Electro-Patterns und rabiat-barschen Gitarren! Gepaart mit einem mörderischen Groove und einem Text, den ich viel anstößiger (und viel wahrer) als die Lyrics von Gott ist ein Popstar finde, dürfte damit vor allem die Sehnsucht alter OOMPH!-Fans nach einem solchen Stück endlich mal wieder in Erfüllung gehen.
Die anderen Tracks sind zumeist auch nicht schlecht, wirken auf mich aber insgesamt doch zu austauschbar oder zu wenig speziell; sie könnten genauso gut auf einem anderen OOMPH!-Album der letzten Jahre stehen. Leider gibt es mit Dreh Dich nicht um sogar noch einen Totalausfall zu vermelden, ansonsten bringt man GlaubeLiebeTod aber immer noch im positiven Sinne routiniert über die Runden. Aufgefallen ist mir noch, dass es diesmal überhaupt kein Stück mehr in englischer Sprache gibt. Ob das Zufall oder doch die Anpassung an die Marktgegebenheiten ist?
Jedenfalls hat mir das Album alles in allem betrachtet durchaus gut gefallen. Ich würde aber dringend dazu raten, die teurere Premium-Edition zu kaufen, um so die beiden Bonus-Tracks (Wenn Du mich lässt ist ebenfalls gelungen) mit abzugreifen. Die „tollen“ Internet-Spielereien konnten mich hingegen nicht so beeindrucken, und das Video zur ersten Single läuft ja momentan wieder ständig in der VIVA-Rotation. Was zeigt: nicht mal im (unsinnigen) Boykott ist die heutige Journaille noch konsequent...