OLD MAN'S CHILD - In Defiance Of Existence
Label: Century Media
Release: 20.01.2003
Von: Psycho
Punkte: 8
 
Diese Platte ist musikalisch definitiv nichts für Old School-BM-Puristen, was allerdings auch kaum jemand erwartet haben dürfte. Dass aber Mainman Galder nun quasi die alten Songs seines anderen Brötchengebers "aufbraucht" wäre auf den ersten Blick nicht unbedingt nötig gewesen. Ok, er wird Shagrath wohl kaum einige alte Demo-Tapes geklaut haben, aber ist unmöglich zu überhören, dass OLD MAN'S CHILD auf ihrer neuen CD fast mehr nach Dimmu Borgir klingen als die es je selber hingekriegt haben. Dabei beschränkt man sich allerdings auf die Mourning Palace-Stilistik; also eine Zeit, in der Galder mit Dimmu schwerlich in Verbindung zu bringen war.

Klingt ja jetzt erst mal negativ, aber die Wahrheit ist eben manchmal nicht so offensichtlich. Was nämlich Galder hier unter freundlicher Hilfe seines alten Schlachtgefährten Jardar sowie von Nicholas Barker auf CD gebrannt hat vermag durchaus zu überzeugen. Ich möchte sogar so weit gehen, dass auf In Defiance Of Existence im Verhältnis betrachtet mehr gelungene Stücke enthalten sind als auf der, im Nachhinein doch überbewerteten, letzten Dimmu Borgir. Denn Tracks wie z.B. Black Seeds On Virgin Soul, welches mit akustischen Gitarren beginnt, sich dann hochschaukelt und schließlich in einen treibenden Midtempo-Banger mit viel Double-Bass mutiert, oder das Titelstück, das nach dem schnellen Anfangsriffing bis zur Strophe hin richtig schön heavy wird, sind einfach absolut gelungen. Da stimmen Abwechslung und Songwriting, Atmosphäre und Härte, Galder kann auch als Grunzomat mit ziemlich böser Stimme überzeugen, während die klasse Produktion dann ihr übriges tut. Die Gitarren- und Keyboardmelodien sind catchy aber unkitschig (sofern letzteres bei dieser Stilrichtung überhaupt möglich ist), und dass hier sehr gute Musiker am Werke sind kann ja nun ebenfalls nicht als Nachteil auslegt werden.

Trotzdem muss noch mal erwähnt werden, dass z.B. der Opener Felonies Of The Christian Art oder das majestätisch beginnende The Soul Receiver extrem stark nach einer anderen Band klingen, deren Namen ich jetzt nicht weiter erwähnen möchte. Aber die Kompositionen als solches sind durch die Bank so gut, dass man geneigt ist, aufgrund des hohen Unterhaltungsfaktor über diesen Umstand hinwegzusehen. Kopisten gibt es ja zu Genüge, aber nur die wenigsten reichen an das Original heran. Bei In Defiance Of Existence kann man aber für meinen Geschmack zumindest von einem Patt sprechen (vielleicht sogar noch von mehr), weswegen ich trotz der nicht vorhandenen Originalität und ohne rot zu werden 8 Punkte für angemessen halte. Wer also auf sinfonischen Bombast-BM mit viel Keyboards und einer Mischung aus Blast- und Heavy Metal beeinflussten Parts steht wird an dieser CD nur schwerlich vorbeikommen...

Old Man's Child