Mit Götterlieder
haben ODOERIR schon fast ein kleines Meisterwerk
heidnischer Tonkunst abgeliefert. Die Thüringer (mit Leuten
von XIV Dark Centuries und Menhir) haben sich auf dem Zweitwerk
der Edda und da insbesondere der Snorra Edda verschrieben. Sie
berichten von der leeren grundlosen Gähnung, der Erschaffung
Midgards, Krieg und Völkermord, Aasen, Zwergenkunst und
Ränkeschmieden, Met, Weisen, Hexen und jungfräulichen
Mägden.
Die Lieder sind weitestgehend akustisch gehalten und leben von
der Gitarre, monumentalen Chören und wundervollen Melodien.
Schnell nehmen Texte und Erzählungen gefangen und entführen
ins Reich der Mythen und Sagen. Spätestens mit dem dritten
Durchlauf ist man versucht mitzusingen und schmeckt förmlich
den Met im Rachen ;) In Wanenkrieg, Odroerir
und Zwergenschmiede z.B. verleihen verzerrte Gitarren
– die im Übrigen einen recht eigenwilligen Sound
haben – dem kriegerischen Treiben Kraft und Nachdruck,
um dann wieder vom weiblichen Gesang und lieblichen Melodien
gemildert zu werden. Neben den akustischen Gitarren gibt es
allerlei Schlagwerk und eine Geige. Flöten und Maultrommeln
lassen sich allerdings kaum wahrnehmen, hier hätte ich
mir mehr Dominanz bei diesen Instrumenten gewünscht. Auch
mit den Solos übertreibt man es ein klein wenig. Sie sind
nicht schlecht, aber auch nicht zwingend genug, um sich in diesem
Maße daran zu bedienen. Dies sei nur erwähnt, schmälert
aber keineswegs den Hörgenuss.
Götterlieder wächst und
entwickelt sich mit jedem erneuten Durchlauf, Gesänge und
Harmonien verschmelzen und setzen sich dann unweigerlich im
Ohr fest. Jedes Lied hat seine eigene Faszination. Ein wirklich
schönes Album!