OCCULT - Rage To Revenge

Label: Painkiller Records

Release: 12.02.2001

Von: Gorehog

Punkte: 9

Obwohl OCCULT nun bereits geschlagene zwölf Jahre tätig sind und mit Rage To Revenge bereits Longplayer Nummero drei (nebst zahlreichen Promo-Demos) vorweisen können, entdeckte ich die überaus talentierte und hochkarätige Band erst mit Longplayer Nummero zwo (Of Flesh And Blood 1999) - und auch dies nur über Umwege (Rachels Einstieg bei den Death Metal-Größen SINISTER). Dies ist vor allem der mangelnden Promotionarbeit der vorherigen Labels Foundation 2000 Records (u.a. GOREFEST) und Massacre Records (u.a. MASSACRA, GURKKHAS) zuzuschreiben - allerdings sollte sich mit dem Labelwechsel zu dem mir bisher eher unbekannten Label Painkiller Records die Situation für das holländische Quintett deutlich bessern, zumal das belgische Label, zusätzlich zum aktuellen Longplayer, auch das Geld für eine Vorab-Singelauskopplung (Violence And Hatred feat. den Titeltrack und Killing For Recreation) zur Verfügung gestellt hat und außerdem mit den ihm zu Verfügung stehenden Mitteln versucht, die Band auf Tour zu schicken - was die bisherigen Labels ebenfalls versäumt haben.

Allerdings gab es kürzlich auch einen Einschnitt im Aufwind der Bandhistory - Rachel musste aus zeitlichen Gründen OCCULT verlassen, da SINISTER immer mehr Zeit in Anspruch nehmen und sie sich der Doppelbelastung nicht mehr gewachsen fühlte. Momentan plant die verbleibende Band, als Quartett weiter zu machen, was ich allerdings als Kritikpunkt ansehe, da Rachels thrashige Stimme den bisherigen OCCULT-Outputs einen gewissen Charme verliehen hat und sie über die restlichen Thrash/Death-Veröffentlichungen von ähnlichem Karat gestellt hat. Auf Rage To Revenge ist das extrem wandelbare Gesangstalent (von thrashigen Shouts bei OCCULT bis hin zu - möglicherweise manipulierten, ich weiß es nicht - tiefen Grunts bei SINISTER) nach wie vor zu hören, was das Album zu einem ähnlichen Hörgenuß macht, wie bereits den Vorgänger Of Flesh And Blood.

Obwohl OCCULT bei Painkiller Records vermutlich nicht das gleiche Budget wie beim, doch etwas größeren Label, Massacre Records zur Verfügung hatten (allerdings dort auch nicht die Vormachtstellung einnahmen), wirkte sich dies in keiner Weise auf das Endprodukt aus - soundtechnisch ähnlich klar, differenziert und wuchtig (aber dennoch thrash-lastig), layouttechnisch nur geringfügig schlechter als auf Of Flesh And Blood hämmern sich die Mannen um Rachel Heyzer stilistisch nur geringfügig verändert durch neun stark thrashlastige Death Metal Hymnen, die nicht selten an ältere HYPNOSIA (r.i.p. - besonders ob der beinahe identischen Stimmlage Rachels mit HYPNOSIA-Fronter Cab Castervall) oder auch KREATOR zu Extreme Aggression - Zeiten erinnern.

Der Begriff "geringfügig verändert" bezieht sich hierbei auf die starke Reduzierung der melodischen Aspekte, auf die der ehemalige Gitarrist Leon Pennings bisher (und vor allem auf Of Flesh And Blood) extrem viel Wert gesetzt hat. Konnte der Vorgänger teilweise sogar akustische Gitarrenparts aufweisen, ist der aktuelle Longplayer deutlich direkter, mehr "right into the face" und definitiv brutaler. Was aber nicht heißen soll, dass OCCULT verlernt haben, auch gewisse Melodiebögen in ihre Songs einzubauen - nach wie vor kann man die Holländer als eine erstklassige leicht melodische, stark thrashlastige Death Metal Partie bezeichnen, aber von den momentan stark angesagten (und nicht minder genialen) Knüppelpartien a la HOUWITSER, INHUMAN oder SEVERE TORTURE sind sie noch immer, trotz Melodiereduzierung, Lichtjahre entfernt.

Auch das Wechselspiel zwischen Maurices tiefen Death-Shouts (die nun erstmals stellenweise an die göttlichen Schweizer MESSIAH erinnern) und den bereits angesprochen thrashigen Shouts von Rachel wurde auf Rage To Revenge perfektioniert, wodurch sich ein flüssiges, eingängiges und durchwegs äußerst starkes Album ergibt, dass zwar nicht mit absoluten Höhepunkten aufwarten kann (wie der Vorgänger zum Beispiel mit Parasite), allerdings auch keinen einzigen Tief- oder Schwachpunkt in sich birgt.

Untermalt wird das hervorragende Album mit einem grandiosen und stylischen Covermotiv, welches von Kris Verwimp angefertigt wurde, der auch schon für Bands wie ENTHRONED und HYPNOSIA tätig war. Während die Aufmachung an sich äußerst kunstvoll und edel ist (Digipack), hätte man doch etwas mehr Zeit für die Innengestaltung des Booklet's aufwenden können, zumal die - zumindest bisher - äußerst interessanten Texte leider diesmal großteils absolut unlesbar sind.

Abschließend noch meine Bitte an die Band, sich nach einem möglichst gleichwertigen Ersatz für Rachel umzusehen, da meiner Ansicht nach vor allem das Wechselspiel zwischen Death- und Thrash-Vocals OCCULT über die restlichen, stilistisch ähnlichen Partien gehoben hat und ich fürchte, der Verlust dieser Besonderheit würde OCCULT in der nach wie vor andauernden Bandflut untergehen lassen...

Occult