Eins
vorweg: Dreams Are Distant Memories
in irgendeine Metal-Ecke zu stellen wäre fatal. Okay, es
gibt bei Overcome tiefe und gelungene Growls, aber
sie bleiben die einzige(!) Ausnahme auf diesem ruhigen, besinnlichen
Album. Mag es an der Weihnachtszeit liegen, die empfänglich
macht für solcherart Musik, aber OBLIVIOs
Debüt weiß an einem kalten Winterabend durchaus zu
gefallen. Sanfte Gitarrenläufe, die auch einer melodischen
New Art Rock Band gut zu Gesicht stehen würden, ein perlendes
Piano und Massimos sauberer englischer Gesang – mit Ausflügen
ins Italienische, gelegentlich unterstützt von berufener
weiblicher Seite -, das alles ist Seelenbalsam vorm Kamin, nach
einem guten Essen, den milden Grappa in der Hand. Den Blick
in die Ferne gerichtet, ein Festival mit The Cure und Katatonia
als Headliner im Blick, aber die Bühne gerade verlassen,
nach einem Auftritt als Anheizer für einen Italo-Pop Kontest:
Italien sucht die Super-Alice Ramazotti. Zwischendurch weckt
in Erased eine Violine Erinnerungen an bessere Kansas
Balladen; The Last Illusion könnte der Titeltrack
zu einem gleichnamigen Film sein. Unaufgeregt eingespielt und
recht ordentlich produziert, dabei alles andere als spektakulär,
schmeicheln sich die Songs ins Ohr, betteln geradezu, dass man
ihre Schwächen übersieht und –hört: dass
sie sich vom Aufbau und der Stimmung her ziemlich ähneln,
dass sie gerne wie alte – aber freundliche – Bekannte
daherkommen, dass sie die Kitschgrenze bisweilen munter überschreiten
(da darf ein Lied tatsächlich Sealed With A Kiss
heißen). Aber dafür lieben wir Italien und seine
Bewohner ja: weil es sich dunkel und atavistisch geben kann
und dir im nächsten Moment das ganze Gesicht abknutscht.
Manch einer mag sich an der zurückbleibenden klebrigen
Feuchtigkeit stören, wir freuen uns aber über die
schwärmerische Geste und können beruhigt das Geld
für eine überteuerte Kuschelrock Doppel-CD stecken
lassen.
„You can now believe…
Sealed with a kiss
That you’re living”
Das glauben wir doch gerne!