Mit
einer wohl inszenierten Promotion Kampagne hat Trent Reznor
persönlich die Spannung und Erwartungshaltung zum neuen
Album Year Zero hochgeschraubt, welche
sich an einem Freitag den 13. dann endlich entladen durfte.
Da Mr. Reznor bekanntermaßen musikalisch wandelbar wie
ein Chamäleon ist, wie unlängst mit dem Vorgänger
With Teeth einmal mehr bewiesen,
ließ sich schwer abschätzen, was einen erwarten könnte.
Auffällig ist in jeden Fall jedoch der kurze Zeitraum zwischen
den beiden Veröffentlichungen. Die konzeptionelle Story
hinter Year Zero könnte kaum
schräger und abgefahrener sein: wilde Verschwörungstheorien
und düsteren Zukunftsvisionen im Jahre 2022 bestimmen den
lyrischen Kontext und bieten reichlich Freiraum für musikalische
Interpretationen, von denen aber herzlich wenig Gebrauch gemacht
wurde.
Natürlich findet man auf Year Zero
alle bekannten NINE INCH NAILS Trademarks.
Der Sound ist dicht, intensiv, teilweise verstörend und
sperrig. Harte, treibende Beats und verzerrte Gitarren hypnotisieren.
Aber… nichts von dem ist noch innovativ, neu oder anders.
Soundelemente klingen zu sehr platziert und abgewogen, schräge
Industrial-Einbrüche zu gezielt. Für meinen Geschmack
zuviel Kalkül und zuwenig Spontaneität. Es scheint,
Mr. Reznor fällt auch nichts mehr ein. Die Trademarks werden
einfach nur reproduziert, gibt es zu viele Zitate zu alten Hits.
Keiner der Songs steht wirklich deutlich heraus oder bleibt
gar im Ohr hängen, was nicht heißen soll, das die
Tracks schlecht wären. Alle 16 Songs bewegen sich über
gut einer Stunde auf gleich bleibend hohem Niveau, dennoch wirkt
Year Zero auf die Dauer langatmig.
Songs wie der Opener The Beginning Of The End, Capital
G, die krassen Gegensätze von The Good Soldier
und dem folgenden Vessel, ebenso wie The Warning
oder God Given erhaschen zwar Aufmerksamkeit, diese
lässt aber auch schnell wieder nach. Schade, aber insgesamt
bleibt alles im „nett, aber hatten wir schon mal“
Modus.