Eins bleibt
nach dieser CD gewiss: NILE machen nach wie
vor keine Kompromisse und bleiben folglich für Freunde
straighten Liedgutes komplett unkonsumierbar. Was so ja auch
ganz gut ist...
Trotzdem ist Annihilation Of The Wicked
anders geworden als die drei regulären Longplayer davor.
Zwar gibt es immer noch massig Riffs in rasend schnellen Tempo,
ungezählte Breaks, gekonnte Blastparts im Wechsel mit gewaltigen
Doomattacken, mächtiges Gegrunze von gleich drei Frontgurglern
und reichlich Songstrukturen, die sich, wenn überhaupt,
vielleicht erst nach dem siebten oder achten Durchlauf allmählich
erschließen. Aber das wohl charakteristischste Merkmal
ihre bisherigen Laufbahn haben die drei Amerikaner (fast) weggelassen:
Samples oder eingebettete Melodien, die im Kopf des Hörers
automatisch Assoziationen an Pyramiden unter brennender Sonne,
falkenköpfige Götter und streng bandagierte Mumien
sowie endlose Sandwüsten aufkommen ließen, sind auf
dem aktuellen Werk wirklich rar gesät.
In dieser Hinsicht genügt zunächst nur das Titelstück
mit dem davor gesetzten Intro Spawn Of Uamenti den
Erwartungen der Fanschicht, in allen anderen Tracks finden sich,
wenn überhaupt, nur vereinzelte dieser Motive. Nicht verzichten
muss man hingegen auf beinharten, extrem abwechslungsreichen
und technisch höchst anspruchsvollen Death Metal; hier
ziehen NILE erwartungsgemäß alle
Register. Songs wie Cast Down The Heretic, Sacrifice
Unto Sebek oder Chapter Of Obience Before Giving Breath
To The Inert One In The Presence Of The Crescent Shaped Horns
(hey, werde ich hier nach Buchstaben bezahlt?) sind ihr Geld
mehr als wert und für den anspruchsvollen Freund extremer
Musik ein Pflichtkauf.
Besonders gelungen sind aber, wie auch schon auf In
Their Darkened Shrines, die beiden auffälligsten
Stücke der CD: User-Maat-Re ist eher langsam gehalten,
dürfte aber trotzdem der neue Hit im NILE-Live-Repertoir
werden, und in Von Unaussprechlichen Kulten widmet
man sich wieder einmal dem von H.P. Lovecraft geschaffen Mythos
von längst vergangen Kulten und Göttern, wobei man
sich hier musikalisch mit dem Einsatz von Pauken und Trompeten
sowie einigen Riffs stark an die alten Celtic Frost annähert.
Womit man mich, wenn’s so gekonnt gemacht ist wie hier,
ja immer begeistern kann...
Weiterhin liefert die Band auch mit Annihilation
Of The Wicked ein interessantes Booklet ab, in
dem sich statt unnützer Fotos zu jedem einzelnen Stück
ausführliche Anmerkungen finden, die sich sowohl mit dem
historischen Hintergrund des Textes als auch dem Entstehungsprozess
der Musik beschäftigen. Da sind aus meiner Sicht, trotz
des leichten Kurswechsels, 9,5 Punkte absolut verdient.