NILE – Annihilation Of The Wicked

 
Label: Relapse Records
Release: 23.05.2005
Von: Psycho
Punkte: 9.5/10
Time: 52:04
Stil: Death Metal
URL: Nile
 

Eins bleibt nach dieser CD gewiss: NILE machen nach wie vor keine Kompromisse und bleiben folglich für Freunde straighten Liedgutes komplett unkonsumierbar. Was so ja auch ganz gut ist...
Trotzdem ist Annihilation Of The Wicked anders geworden als die drei regulären Longplayer davor. Zwar gibt es immer noch massig Riffs in rasend schnellen Tempo, ungezählte Breaks, gekonnte Blastparts im Wechsel mit gewaltigen Doomattacken, mächtiges Gegrunze von gleich drei Frontgurglern und reichlich Songstrukturen, die sich, wenn überhaupt, vielleicht erst nach dem siebten oder achten Durchlauf allmählich erschließen. Aber das wohl charakteristischste Merkmal ihre bisherigen Laufbahn haben die drei Amerikaner (fast) weggelassen: Samples oder eingebettete Melodien, die im Kopf des Hörers automatisch Assoziationen an Pyramiden unter brennender Sonne, falkenköpfige Götter und streng bandagierte Mumien sowie endlose Sandwüsten aufkommen ließen, sind auf dem aktuellen Werk wirklich rar gesät.
In dieser Hinsicht genügt zunächst nur das Titelstück mit dem davor gesetzten Intro Spawn Of Uamenti den Erwartungen der Fanschicht, in allen anderen Tracks finden sich, wenn überhaupt, nur vereinzelte dieser Motive. Nicht verzichten muss man hingegen auf beinharten, extrem abwechslungsreichen und technisch höchst anspruchsvollen Death Metal; hier ziehen NILE erwartungsgemäß alle Register. Songs wie Cast Down The Heretic, Sacrifice Unto Sebek oder Chapter Of Obience Before Giving Breath To The Inert One In The Presence Of The Crescent Shaped Horns (hey, werde ich hier nach Buchstaben bezahlt?) sind ihr Geld mehr als wert und für den anspruchsvollen Freund extremer Musik ein Pflichtkauf.
Besonders gelungen sind aber, wie auch schon auf In Their Darkened Shrines, die beiden auffälligsten Stücke der CD: User-Maat-Re ist eher langsam gehalten, dürfte aber trotzdem der neue Hit im NILE-Live-Repertoir werden, und in Von Unaussprechlichen Kulten widmet man sich wieder einmal dem von H.P. Lovecraft geschaffen Mythos von längst vergangen Kulten und Göttern, wobei man sich hier musikalisch mit dem Einsatz von Pauken und Trompeten sowie einigen Riffs stark an die alten Celtic Frost annähert. Womit man mich, wenn’s so gekonnt gemacht ist wie hier, ja immer begeistern kann...
Weiterhin liefert die Band auch mit Annihilation Of The Wicked ein interessantes Booklet ab, in dem sich statt unnützer Fotos zu jedem einzelnen Stück ausführliche Anmerkungen finden, die sich sowohl mit dem historischen Hintergrund des Textes als auch dem Entstehungsprozess der Musik beschäftigen. Da sind aus meiner Sicht, trotz des leichten Kurswechsels, 9,5 Punkte absolut verdient.