Lost
Voice ist ein Instrumentalalbum. Sechs Stücke
zwischen 6 und 11 Minuten lang und keine Sekunde langweilig.
THE NIGHT PATROL bewegen sich in einem breiten
Spektrum, zwischen melancholischen Momenten findet sich auch
härteres Riffing, neben Ausflügen in den Jazzrock
gibt es orientalisch angehauchte Passagen - natürlich vor
allem im längsten Stück, das nicht grundlos The
Eye Of Ra heißt -; Funkiges (in A.M. leider
mit Bläsersätzen aus der Steckdose), sowie ambientartige
Einschübe, die von düsteren Gitarrenwänden abgelöst
werden. Wie im vortrefflichen Giant Steps, das von
seiner percussiven Untermalung bis zum dramaturgischen Aufbau
ein Lehrbeispiel für ausgezeichnete Instrumentalmusik ist,
die sich nicht an Genregrenzen hält, sondern den bandeigenen
Vorstellungen folgt. Man kann viele Einflüsse heraushören,
aber sie stehen nicht sinnlos nebeneinander, sondern finden
Aufnahme in einem homogenen Ganzen, dessen Geist geprägt
ist von einer freundlichen Psychedelik, tief verwurzelt im musikalischen
Geschehen der letzten fünfunddreißig Jahre. Natürlich
nicht in dem, das sich auf den Autobahnen der Kommerzialität
abspielt, sondern eher in den kleinen, schrulligen Gässchen
abseits der Hauptstraße, dort wo der Krautrock wohnt,
in der die Rush Hour ein Gemütszustand ist, die Beleuchtung
psychedelisch flackert und der Hofstaat des purpurnen Königs
in einem Traumtheater residiert. Virtuos umgesetzt im Schlusstitel
Return To Zero, der sämtliche Vorzüge des
Albums vereint. Hier pluckert es verträumt vor sich hin,
aber ebenso heftig wird losgerockt, und als Bonus gibt es eine
Pianoeinleitung (und Coda), die auch Keith Emerson gut zu Gesicht
stehen würde.
Für eine Eigenproduktion ist der Klang sehr ordentlich,
manchmal wünscht man ihn sich etwas voller und griffiger,
und gerade in den Sequenzen, die dem Funk huldigen wären
echte Bläser das Tüpfelchen gewesen, das aus einem
kleinen ein großes I gemacht hätte. Aber auch so
kann man sehr gut damit leben. Ein besonderes Lob noch –
neben dem rundum gelungenen Drumming – für den expressiven
Basseinsatz, der auch bei schlichten Figuren bestechend und
druckvoll bleibt. Wie üblich bei gelungenen Eigenproduktionen,
lege ich die CD jedem wärmstens ans Herz, liebe Bekannte,
Freunde und Verwandte natürlich inbegriffen!
Lost
Voice ist ein Instrumentalalbum. Und das aus
traurigem Anlass, denn der ehemalige Sänger und Gitarrist
Marijan Andrijevic kam bei der Tsunami Katastrophe in Asien
2004 ums Leben. Ihm ist das Album gewidmet.
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