THE NIGHT PATROL – Lost Voice

 
Label: Eigenproduktion
Release: 01.01.2006
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 52:02
Stil: Instrumental New Art-Rock
URL: The Night Patrol
 
Lost Voice ist ein Instrumentalalbum. Sechs Stücke zwischen 6 und 11 Minuten lang und keine Sekunde langweilig. THE NIGHT PATROL bewegen sich in einem breiten Spektrum, zwischen melancholischen Momenten findet sich auch härteres Riffing, neben Ausflügen in den Jazzrock gibt es orientalisch angehauchte Passagen - natürlich vor allem im längsten Stück, das nicht grundlos The Eye Of Ra heißt -; Funkiges (in A.M. leider mit Bläsersätzen aus der Steckdose), sowie ambientartige Einschübe, die von düsteren Gitarrenwänden abgelöst werden. Wie im vortrefflichen Giant Steps, das von seiner percussiven Untermalung bis zum dramaturgischen Aufbau ein Lehrbeispiel für ausgezeichnete Instrumentalmusik ist, die sich nicht an Genregrenzen hält, sondern den bandeigenen Vorstellungen folgt. Man kann viele Einflüsse heraushören, aber sie stehen nicht sinnlos nebeneinander, sondern finden Aufnahme in einem homogenen Ganzen, dessen Geist geprägt ist von einer freundlichen Psychedelik, tief verwurzelt im musikalischen Geschehen der letzten fünfunddreißig Jahre. Natürlich nicht in dem, das sich auf den Autobahnen der Kommerzialität abspielt, sondern eher in den kleinen, schrulligen Gässchen abseits der Hauptstraße, dort wo der Krautrock wohnt, in der die Rush Hour ein Gemütszustand ist, die Beleuchtung psychedelisch flackert und der Hofstaat des purpurnen Königs in einem Traumtheater residiert. Virtuos umgesetzt im Schlusstitel Return To Zero, der sämtliche Vorzüge des Albums vereint. Hier pluckert es verträumt vor sich hin, aber ebenso heftig wird losgerockt, und als Bonus gibt es eine Pianoeinleitung (und Coda), die auch Keith Emerson gut zu Gesicht stehen würde.
Für eine Eigenproduktion ist der Klang sehr ordentlich, manchmal wünscht man ihn sich etwas voller und griffiger, und gerade in den Sequenzen, die dem Funk huldigen wären echte Bläser das Tüpfelchen gewesen, das aus einem kleinen ein großes I gemacht hätte. Aber auch so kann man sehr gut damit leben. Ein besonderes Lob noch – neben dem rundum gelungenen Drumming – für den expressiven Basseinsatz, der auch bei schlichten Figuren bestechend und druckvoll bleibt. Wie üblich bei gelungenen Eigenproduktionen, lege ich die CD jedem wärmstens ans Herz, liebe Bekannte, Freunde und Verwandte natürlich inbegriffen!

Lost Voice ist ein Instrumentalalbum. Und das aus traurigem Anlass, denn der ehemalige Sänger und Gitarrist Marijan Andrijevic kam bei der Tsunami Katastrophe in Asien 2004 ums Leben. Ihm ist das Album gewidmet.