NEUROSIS – Given To The Rising

 
Label: Neurot Recordings
Release: 18.05.2007
Von: BRT
Punkte: 10/10
Time: 70:41
Stil: Neurosis
URL: Neurosis
 
Da sind sie wieder... die ungeschlagenen Götter des... ja, was denn eigentlich? War es denn nicht schon immer so, das NEUROSIS die Definition für diese Musikrichtung waren??? Nun ja, lassen wir die kleine Schublade des Post-Hardcore mal gelten, denn diese gilt zumindest für die zahllosen Nachfolger, Epigonen und Klone, die im Moment auf NEUROSIS’ Spuren wandeln. Namen brauch mal wohl keine einzuwerfen, jeder weiß wer gemeint ist. Und wieder haben sie alle den Kürzeren gezogen... Doch diese Feststellung hat bei mir überraschend lange gebraucht zu reifen...
Mit Given To The Rising habe ich mir es anfangs sehr schwer getan. Wie schon seit der dann doch großartigen Times Of Grace LP nicht mehr... Alle Jahre wieder entfalten sich NEUROSIS Platten erst sehr spät, wirken sperrig, querdenkend und machen sicherlich nicht das, was man von ihnen erwartet.
Nach der grandiosen The Eye Of Every Storm LP hätte man mit einer noch ruhigeren Platte rechnen können... Falsch gedacht: Given To The Rising schlägt den Bogen zurück, wieder mehr Härte, mehr Doom, aber immer noch viel 70’s Psychedelic. An einigen Stellen garstig und sperrig, mit viel Feedback und Störgeräuschen.
Stop, diese Platte ist sicherlich keine Fingerübung in Sachen "wie hart können wir?" Auch hier werden in den richtigen Momenten die ruhigen Songs oder Zwischenspiele ausgepackt... aber genau deshalb wirkt diese Platte nicht sofort wie aus einem Guss, deshalb wirkt sie zer- und gebrochen und lässt bei weniger genauem hinhören einen roten Faden vermissen.
Hört man sie sich jedoch genau das eine Mal mehr an, so entfaltet sich ein gigantischer Monolith, der auch nach all diesen Jahren neue Töne und Atmosphären des NEUROSIS -Universums freilegt.
Nicht nur der mächtige Titelsong und Opener Given To The Rising lässt an einigen Stellen Erinnerungen an die Melvins auftauchen... Wer genau hinhört, findet in diesen Songs auch eine scheinbare Vorliebe der Band für Hawkwind'sche Psychedelia. Das tonnenschwere To The Wind wird mittendrin zerbrochen durch eine lange psychedelische Drone-Pause... At The End Of The Road scheint erst gar nicht anzufangen, klingt am Anfang wie ein Experiment der Tribes Of Neurot Zwillingsband.
Diese ständigen Brüche ziehen sich durch die komplette LP, machen allerdings auch das Besondere aus. Und es bleibt spannend... wie zum Beispiel das kakophonische Distill, dem heimlichen Finale, oder das mystisch-schwebende Origin, dem letzten Song dieser Platte.

Wie üblich wiederholen sich NEUROSIS nicht, machen es allerdings auch dem absolut hingebungsvollen Fan nicht einfach... warum auch... zurück bleibt wieder ein spannende Platte, die sich jedweder Konvention entzieht.
Doch Obacht! Diese Platte braucht mehr Zeit als die letzten Geniestreiche dieser einzigartigen Band. An Querköpfigkeit erinnert diese Platte eher an Times Of Grace Zeiten, in der das Wissen und der Willen der Psychedelia der letzten Alben eingefügt wurde. Höchstpunktzahl!