Da
sind sie wieder... die ungeschlagenen Götter des... ja,
was denn eigentlich? War es denn nicht schon immer so, das NEUROSIS
die Definition für diese Musikrichtung waren??? Nun ja,
lassen wir die kleine Schublade des Post-Hardcore mal gelten,
denn diese gilt zumindest für die zahllosen Nachfolger,
Epigonen und Klone, die im Moment auf NEUROSIS’
Spuren wandeln. Namen brauch mal wohl keine einzuwerfen, jeder
weiß wer gemeint ist. Und wieder haben sie alle den Kürzeren
gezogen... Doch diese Feststellung hat bei mir überraschend
lange gebraucht zu reifen...
Mit Given To The Rising habe ich mir
es anfangs sehr schwer getan. Wie schon seit der dann doch großartigen
Times Of Grace LP nicht mehr... Alle
Jahre wieder entfalten sich NEUROSIS Platten
erst sehr spät, wirken sperrig, querdenkend und machen
sicherlich nicht das, was man von ihnen erwartet.
Nach der grandiosen The Eye Of Every Storm
LP hätte man mit einer noch ruhigeren Platte rechnen können...
Falsch gedacht: Given To The Rising
schlägt den Bogen zurück, wieder mehr Härte,
mehr Doom, aber immer noch viel 70’s Psychedelic. An einigen
Stellen garstig und sperrig, mit viel Feedback und Störgeräuschen.
Stop, diese Platte ist sicherlich keine Fingerübung in
Sachen "wie hart können wir?" Auch hier werden
in den richtigen Momenten die ruhigen Songs oder Zwischenspiele
ausgepackt... aber genau deshalb wirkt diese Platte nicht sofort
wie aus einem Guss, deshalb wirkt sie zer- und gebrochen und
lässt bei weniger genauem hinhören einen roten Faden
vermissen.
Hört man sie sich jedoch genau das eine Mal mehr an, so
entfaltet sich ein gigantischer Monolith, der auch nach all
diesen Jahren neue Töne und Atmosphären des NEUROSIS
-Universums freilegt.
Nicht nur der mächtige Titelsong und Opener Given To
The Rising lässt an einigen Stellen Erinnerungen an
die Melvins auftauchen... Wer genau hinhört, findet in
diesen Songs auch eine scheinbare Vorliebe der Band für
Hawkwind'sche Psychedelia. Das tonnenschwere To The Wind
wird mittendrin zerbrochen durch eine lange psychedelische Drone-Pause...
At The End Of The Road scheint erst gar nicht anzufangen,
klingt am Anfang wie ein Experiment der Tribes Of Neurot Zwillingsband.
Diese ständigen Brüche ziehen sich durch die komplette
LP, machen allerdings auch das Besondere aus. Und es bleibt
spannend... wie zum Beispiel das kakophonische Distill,
dem heimlichen Finale, oder das mystisch-schwebende Origin,
dem letzten Song dieser Platte.
Wie üblich
wiederholen sich NEUROSIS nicht, machen es
allerdings auch dem absolut hingebungsvollen Fan nicht einfach...
warum auch... zurück bleibt wieder ein spannende Platte,
die sich jedweder Konvention entzieht.
Doch Obacht! Diese Platte braucht mehr Zeit als die letzten
Geniestreiche dieser einzigartigen Band. An Querköpfigkeit
erinnert diese Platte eher an Times Of Grace Zeiten,
in der das Wissen und der Willen der Psychedelia der letzten
Alben eingefügt wurde. Höchstpunktzahl!
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