Die
spinnen die Kanadier. Das war mein erster Gedanke, als das aktuelle
Werk von NEURAXIS meine Anlage in Schutt und
Asche legte. Die Nordamerikaner klingen wie ein Bastard aus Cryptopsy,
Gorguts und alten Kataklysm, die ja bekanntlich ebenfalls allesamt
aus Kanada stammen. Wenn ich Schubladenfetischist wäre und
mir unbedingt eine Bezeichnung für das Dargebotene ausdenken
müsste, würde ich die zwölf Songs als „chaotic
progressive grinding death metal“ bezeichnen. Die Jungs
nehmen cleane Passagen, schwedisch klingende Melodien und vollkommen
wirre und dissonante Riffs und werfen sie zusammen mit ungefähr
87,5 Breaks pro Song in den Mixer. Das durchgequirlte Resultat
ist klein, rund, silberfarben und heißt Truth
Beyond.... NEURAXIS’ Musik
ist folglich extrem komplex und technisch. Das ist zwar irgendwie
beeindruckend, geht aber leider zu Lasten von Wiedererkennungswert
und Eingängigkeit. Da die Kanadier praktisch jeden Song bis
zum Eichstrich mit besagten Elementen voll stopfen, fällt
es wirklich schwer, die einzelnen Tracks auseinander zu halten.
Trotzdem hat man nie das Gefühl, dass die kanadischen Holzfäller
die Kontrolle über ihre progressive Axt verlieren könnten.
Technisch haben die Musiker nämlich eine Menge auf dem Kasten.
Insbesondere Drummer Alex „Ich halte keinen Rhythmus länger
als zwei Sekunden“ Erian vollbringt Unglaubliches und auch
die Produktion ist wirklich gelungen, dennoch trifft Truth
Beyond... nicht hundertprozentig meinen Geschmack.
In meinen Augen fehlt es den Songs etwas an Struktur und Nachvollziehbarkeit.
Zunächst mag es zwar beeindruckend sein, was NEURAXIS
aus dem kollektiven Bandärmel schütteln, über die
gesamte Spielzeit der CD wirkt das Ganze aber leider etwas ermüdend.
Wer auf Bands wie Cryptopsy, Gorguts oder auch Cephalic Carnage
(von denen übrigens Gastmusiker auf Truth Beyond
... mitwirken) steht, der könnte mit diesem
Album durchaus glücklich werden. Subjektiv würde ich
der Scheibe wahrscheinlich sechs Punkte geben, rein objektiv halte
ich sieben aber für angemessen.
Neuraxis |