NEGURÃ BUNGET  – ’N crugu bradului
 
Label: code666
Release: 27.01.2003
Von: Dajana
Punkte: 9/10
Time: 53:42
Stil: Black Metal
URL: Negurã Bunget
 
Ein recht ungewöhnliches Werk blockiert derzeit meinen CD Player. Bereits angestachelt durch überschwengliche Vorankündigungen und auch auf Grund der Informationen auf der offiziellen Bandpage, konnte ich es kaum erwarten, das nunmehr dritte full-length Album von NEGURA BUNGET in die Finger zu bekommen. Ich muss schon sagen, code666 hat ein Händchen für ausgefallene Musik. Die CD wird es übrigens in einer handgefertigten Deluxe Karton Box geben.
Nun ja, das Infoblatt sprudelt förmlich über mit ausschweifenden Beschreibungen und Vergleichen, dabei handelt es sich aber nur um die Wiedergabe der Infos, die die Band auf ihrer Webseite zur Verfügung stellt. Es ist von einer Reise in die Welt und Spiritualität transsilvanischer Vorfahren die Rede, von rumänischen Mythen, von universeller Transzendenz, Blut und Unsterblichkeit, von Legenden und Ehre und dem Prinzip der 4. Musikalisch hingegen macht man es sich sehr einfach und nennt es Primitive Transilvanian Metal. Nur primitiv ist hier gar nix!
’N crugu bradului ist grundsätzlich gesehen ein pures und raues Black Metal Album. Und es ist ein Konzept Album, basierend auf der natürlichen Grundlage des Universums, dem Prinzip der 4. ’N crugu bradului (leider kenne ich die Bedeutung des Titels nicht) reflektiert musikalisch dieses Prinzip, dass aus den 4 Jahreszeiten, 4 Himmelsrichtungen, 4 Elementen, 4 Mondphasen, die 4 weiblichen und männlichen Gegensätze ... etc. besteht. Leider gibt es zu dieser Promo CD keine Texte und auf der Homepage sind sie ausschließlich in rumänisch. Deshalb lässt sich das Konzept insgesamt schwer nachvollziehen, da ich nicht weiß, welche Aspekte der 4 einfließen und welche nicht und welche Aspekte sich überlagern, da ich mit dieser Betrachtungsweise, Ideologie oder auch Religion nicht vertraut bin. Welche Himmelsrichtung gehört zu welcher Jahreszeit und welchem der 4 Elemente? Oder existieren sie unabhängig voneinander und haben nur einen transzendenten Zusammenhang? Leser der Review mögen mich gern belehren :)
Das Album ist daher konsequenterweise in 4 Phasen, Kapitel oder Seasons unterteilt (mit jeweils 12 bis 15 Minuten). Jedes Kapitel ist ein durchgehender Song der verschiedene Elemente enthält.
Kapitel I beginnt düster, mit klingelnden und klirren Tönen, eisige Kälte verbreitend mit schizophrenen Backroundgesang. Psychotische Gitarrenklänge setzen ein, um dann in ein raues Black Metal Gewitter überzugehen. Als Jahreszeit würde hier der Winter ausgezeichnet passen. Trotz dezent eingesetzter schneller Parts bleibt die musikalische Grundausrichtung eher im Midtempo und man legt Wert auf melodische Spannungsbögen. Themen (Riffs und Songkonstruktionen) wiederholen sich hin und wieder, um den roten Faden nicht zu verlieren. Mit dem Keyboard werden gekonnt Kontrapunkte gesetzt. Sie bleiben stets im Hintergrund, versprühen aber dennoch eine hypnotisch intensive Atmosphäre. Bei den Gitarren ist man unterschwellig geneigt, diese mit Avantgarde Bands wie Arcturus zu assoziieren. Der Gesang bleibt ausschließlich in typischen Black Metal Gefilden und das ganze Kapitel versprüht so was von Kälte ...
Kapitel II fängt extrem langsam und schleppend an und versucht sich dann aufzurappeln, fällt aber immer wieder in diesen ultra schleppenden Rhythmus zurück, bis man es endlich aus der Lethargie geschafft hat, um dann in zart frühlingshafte und energiereiche akustische Parts überzugehen. Der Gesang wechselt nun über zu spoken words und dann zu cleanem Gesang. Dieser ist aber ziemlich gewöhnungsbedürftig! Er klingt dramatisch, quälend und schmerzgepeinigt, geht sogar in abgrundtiefe Schreie über, wie man sie von Elend her kennt, perfekt passend zum Konzept, nur eben gewöhnungsbedürftig. Der pure Black Metal Kern ändert sich nicht wesentlich zum ersten Teil, es fließen nur immer wieder akustische Passagen ein.
Die Kapitel III und IV unterliegen einem ähnlichen Aufbau, nur fällt es hier wesentlich schwerer, musikalisch konzeptionelle Feinheiten nachzuvollziehen. Auch gibt es nicht mehr so deutliche Elemente, wie akustische Parts oder der cleane Gesang. Die Kapitel sind hauptsächlich Black Metal geprägt. Kapitel IV bietet allerdings zwischendurch recht spacig abgefahrene Soundsamples und hat umfangreiche Intro und Outro Passagen.

NEGURA BUNGET bieten also mit ’N crugu bradului Black Metal der besonderen Art. Eisig kalt, mystisch, schizophren, melancholisch, hypnotisch, ja beinahe besessen. Die Spiritualität Transsilvaniens ist fast greifbar. Das Konzept ist komplex und schwer umzusetzen, dennoch machen NEGURA BUNGET ihre Sache gut. Mit jedem weiteren Run findet man immer wieder neue Wendungen und Feinheiten in der Musik, auch wenn man sie auf Grund fehlender (englischer) Lyrics nicht nachvollziehen kann. Ein ungewöhnliches aber fantastisches Meisterwerk !!!