Ein
recht ungewöhnliches Werk blockiert derzeit meinen CD Player.
Bereits angestachelt durch überschwengliche Vorankündigungen
und auch auf Grund der Informationen auf der offiziellen Bandpage,
konnte ich es kaum erwarten, das nunmehr dritte full-length Album
von NEGURA BUNGET in die Finger zu bekommen.
Ich muss schon sagen, code666 hat ein Händchen für ausgefallene
Musik. Die CD wird es übrigens in einer handgefertigten Deluxe
Karton Box geben.
Nun ja, das Infoblatt sprudelt förmlich über mit ausschweifenden
Beschreibungen und Vergleichen, dabei handelt es sich aber nur
um die Wiedergabe der Infos, die die Band auf ihrer Webseite zur
Verfügung stellt. Es ist von einer Reise in die Welt und
Spiritualität transsilvanischer Vorfahren die Rede, von rumänischen
Mythen, von universeller Transzendenz, Blut und Unsterblichkeit,
von Legenden und Ehre und dem Prinzip der 4. Musikalisch hingegen
macht man es sich sehr einfach und nennt es Primitive Transilvanian
Metal. Nur primitiv ist hier gar nix!
’N crugu bradului ist grundsätzlich
gesehen ein pures und raues Black Metal Album. Und es ist ein
Konzept Album, basierend auf der natürlichen Grundlage des
Universums, dem Prinzip der 4. ’N crugu bradului
(leider kenne ich die Bedeutung des Titels nicht) reflektiert
musikalisch dieses Prinzip, dass aus den 4 Jahreszeiten, 4 Himmelsrichtungen,
4 Elementen, 4 Mondphasen, die 4 weiblichen und männlichen
Gegensätze ... etc. besteht. Leider gibt es zu dieser Promo
CD keine Texte und auf der Homepage sind sie ausschließlich
in rumänisch. Deshalb lässt sich das Konzept insgesamt
schwer nachvollziehen, da ich nicht weiß, welche Aspekte
der 4 einfließen und welche nicht und welche Aspekte sich
überlagern, da ich mit dieser Betrachtungsweise, Ideologie
oder auch Religion nicht vertraut bin. Welche Himmelsrichtung
gehört zu welcher Jahreszeit und welchem der 4 Elemente?
Oder existieren sie unabhängig voneinander und haben nur
einen transzendenten Zusammenhang? Leser der Review mögen
mich gern belehren :)
Das Album ist daher konsequenterweise in 4 Phasen, Kapitel oder
Seasons unterteilt (mit jeweils 12 bis 15 Minuten). Jedes Kapitel
ist ein durchgehender Song der verschiedene Elemente enthält.
Kapitel I beginnt düster, mit klingelnden und klirren
Tönen, eisige Kälte verbreitend mit schizophrenen Backroundgesang.
Psychotische Gitarrenklänge setzen ein, um dann in ein raues
Black Metal Gewitter überzugehen. Als Jahreszeit würde
hier der Winter ausgezeichnet passen. Trotz dezent eingesetzter
schneller Parts bleibt die musikalische Grundausrichtung eher
im Midtempo und man legt Wert auf melodische Spannungsbögen.
Themen (Riffs und Songkonstruktionen) wiederholen sich hin und
wieder, um den roten Faden nicht zu verlieren. Mit dem Keyboard
werden gekonnt Kontrapunkte gesetzt. Sie bleiben stets im Hintergrund,
versprühen aber dennoch eine hypnotisch intensive Atmosphäre.
Bei den Gitarren ist man unterschwellig geneigt, diese mit Avantgarde
Bands wie Arcturus zu assoziieren. Der Gesang bleibt ausschließlich
in typischen Black Metal Gefilden und das ganze Kapitel versprüht
so was von Kälte ...
Kapitel II fängt extrem langsam und schleppend an
und versucht sich dann aufzurappeln, fällt aber immer wieder
in diesen ultra schleppenden Rhythmus zurück, bis man es
endlich aus der Lethargie geschafft hat, um dann in zart frühlingshafte
und energiereiche akustische Parts überzugehen. Der Gesang
wechselt nun über zu spoken words und dann zu cleanem Gesang.
Dieser ist aber ziemlich gewöhnungsbedürftig! Er klingt
dramatisch, quälend und schmerzgepeinigt, geht sogar in abgrundtiefe
Schreie über, wie man sie von Elend her kennt, perfekt passend
zum Konzept, nur eben gewöhnungsbedürftig. Der pure
Black Metal Kern ändert sich nicht wesentlich zum ersten
Teil, es fließen nur immer wieder akustische Passagen ein.
Die Kapitel III und IV unterliegen einem ähnlichen
Aufbau, nur fällt es hier wesentlich schwerer, musikalisch
konzeptionelle Feinheiten nachzuvollziehen. Auch gibt es nicht
mehr so deutliche Elemente, wie akustische Parts oder der cleane
Gesang. Die Kapitel sind hauptsächlich Black Metal geprägt.
Kapitel IV bietet allerdings zwischendurch recht spacig
abgefahrene Soundsamples und hat umfangreiche Intro und Outro
Passagen.
NEGURA
BUNGET bieten also mit ’N crugu bradului
Black Metal der besonderen Art. Eisig kalt, mystisch, schizophren,
melancholisch, hypnotisch, ja beinahe besessen. Die Spiritualität
Transsilvaniens ist fast greifbar. Das Konzept ist komplex und
schwer umzusetzen, dennoch machen NEGURA BUNGET
ihre Sache gut. Mit jedem weiteren Run findet man immer wieder
neue Wendungen und Feinheiten in der Musik, auch wenn man sie
auf Grund fehlender (englischer) Lyrics nicht nachvollziehen
kann. Ein ungewöhnliches aber fantastisches Meisterwerk
!!!
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