NECROPHOBIC – Hrimthursum

 
Label: Regain Records
Release: 22.05.2006
Von: Seb
Punkte: 9.5/10
Time: 59:14
Stil: Black/Death Metal
URL: Necrophobic
 
Endlich ist es soweit! NECROPHOBIC sind nach etwas über vier Jahren aus den Sträuchern gekommen und präsentieren ihr neues Album Hrimthursum. Für diejenigen, denen der Titel etwas merkwürdig vorkommt: Der Begriff entstammt der nordisch-germanischen Mythologie und Schöpfungsgeschichte, die Hrimthursar sind die Niflheim bewohnenden Frostriesen.

Hrimthursum beginnt für NECROPHOBIC-Verhältnisse erst einmal etwas verstörend, zu einem schluchzenden „Baby Jesus“, das laut Songtitel gleich zu Beginn des Albums abgemurkst wird (lang leben die Klischees *g*) gesellen sich unheilsschwanger klingende Gitarren, Frauengesang, eine Art Chor und am Ende noch Akustikgitarren. Mag man von halten, was man will; beim nahtlosen Übergang in Blinded By Light, Enlightened By Darkness wird dem Hörer jedenfalls unmissverständlich klargemacht, dass die Band seit der Bloodhymns nichts an Druck, Boshaftigkeit oder Aggressivität verloren hat. Dabei wird im gesamten Verlauf des knapp einstündigen Albums aber nicht auf Teufel komm raus auf pure Geschwindigkeit gesetzt, sondern sich im Gegenteil immer wieder Zeit für sorgfältigen Aufbau der Songs genommen. So kommt beispielsweise I Strike With Wrath mit einer ziemlich verhaltenen Grundstruktur ohne den Einsatz von Blastbeats aus, was die schnelleren Parts des Songs noch heftiger wirken lässt. Sithra Ahra, das zusammen mit Death Immaculate den „langsamen Block“ bildet, hingegen bewegt sich komplett in langsameren Gefilden, ohne jedoch gegenüber den anderen Tracks in Punkto Grimmigkeit irgendwie abzufallen, dieser Teil wird durch den stampfenden, eindringlichen Refrain („Chaos! Magic! Fire! Death!“ übernommen. Die übrigen Kompositionen bewegen sich größtenteils im Uptempobereich, werden aber immer wieder, um nicht in stumpfes Geholze abzugleiten, durch wohlplatzierte Breaks, Akustik- oder Piano-Einlagen, gesprochene Passagen , Chöre und Solos aufgelockert, und das in einem Maße, das man von vorangegangenen Werken der Band nicht gewohnt ist. Nichts von alledem wirkt aber gekünstelt oder wie Selbstzweck oder um einfach nur bestimmte Elemente in das Album hineinzuzwingen. Besonders gut gelungen ist dies bei Black Hate und bei dem ebenfalls wie aus einem Guss wirkenden, absolut großartigen Eternal Winter, um das laut Aussage von Sänger Tobias der gesamte Rest von Hrimthursum konzipiert wurde.

Ob NECROPHOBIC es tatsächlich geschafft haben, sich nach der überragen Bloodhymns noch zu steigern, konnte ich anfangs gar nicht genau sagen, denn einerseits sind die Schweden ihrem Konzept größtenteils treu geblieben, andererseits entdeckt man auf der neuen CD auch einiges, was man nicht unbedingt auf Anhieb mit dem gewohnten Sound vereinbaren kann. Nach mittlerweile zigfachem Hören steht für mich jedoch fest, dass Hrimthursum grade dadurch im Vergleich zu früher noch etwas gewonnen hat. Ganz eindeutige Kaufempfehlung für das Teil, eine Stunde Musik gibt’s heute sowieso noch selten auf einem harten Metal-Album, und wenn es derartig hochklassiges Material ist, sollte es keine Zurückhaltung geben :D