NEAL MORSE – Testimony

 
Label: InsideOut Music
Release: 23.09.2003
Von: Medion
Punkte: 9/10
Time: 60:00
Stil: Prog Rock
URL: Neal Morse
 
Manchmal denke ich doch, dass es einen Gott geben muss! Denn das verlorengegangene Schaf des Prog Rock, NEAL MORSE, ist zurück, nachdem er eigentlich der Welt und seiner Band Spock's Beard (SB) den Rücken gekehrt hatte um in Zukunft sein Leben - eben - Gott zu widmen. Ein herber Schlag war das damals, hatte uns doch der religiöse Amerikaner mit SB’s Veröffentlichungen The Kindness Of Strangers und V Alben für die Ewigkeit geschenkt, welche wohl nicht nur mich dem Progressive Rock ein weites Stück näher brachten und die Genialität dieses Mannes aufzeigten. Während MORSE mit seiner Band 6 Releases in nicht einmal einem Jahrzehnt heraushämmerte, fand er nebenbei noch Zeit für zwei Solo-Alben sowie sein Projekt Transatlantic, deren CDs in Punkto Qualität seinem Hauptbetätigungsfeld um nichts nachstanden. Umso erstaunlicher, wie es der gute Mann geschafft hat, binnen kurzer Zeit nun ein Doppelalbum aus dem Boden zu stampfen, welches zugleich Autobiographie und seine größte Herausforderung bis dato darstellt. ...Vielleicht mit der Hilfe Gottes, wer weiß?

Nachdem sich die verbleibenden Mitglieder Spock's Beards dazu aufrafften, ohne ihren Frontmann weiterzumachen und mit Feel Euphoria nahezu kläglich scheiterten, knüpft MORSE dort an, wo er mit dem (SB-)Konzept-Album Snow aufgehört hatte - poppiger Rock mit Einflüssen aus diversesten Stilistiken. Ob Gospel, Country, Klassik oder Jazz, nichts wird ausgelassen und nahtlos in den Sound eingebunden. Prägnanterweise klingt Testimony dadurch mehr nach Spock's Beard als dies die Band selbst noch tut, was einmal mehr für die herausragende Rolle, die MORSE gespielt hat, steht. Testimony genauer unter die Lupe zu nehmen scheint schier unmöglich, weil man dieses Album auf sich einwirken lassen und es als 125-minütiges Gesamtwerk betrachten muss, um es wirklich zu verstehen. Und das macht es auch sperriger als alles, was der Mann aus Nashville jemals geschrieben hat. Doch ist man erst einmal gefangen in der Aura, die diese CD umgibt, so heißt es nur mehr "zurücklehnen und träumen", speziell dann, wenn die typischen MORSE-Balladen wie Wasted Life oder Somber Days in eine andere Welt entführen. Deshalb verzeiht man dem Multi-Instrumentalisten auch die teilweise doch etwas kitschigen und "bekehrenden" Texte, wo er seine Berufung als Prediger Gottes nach wie vor auslebt. Aber warum sollten andere Acts mit einem billigen "Hail Satan" und zig umgekehrten Kreuzen auf dem Cover mehr Daseinsberechtigung haben? Ich kann damit leben, wenn ich auch in Zukunft so gnadenlos schöne Musik geboten bekomme.


Fazit: NEAL MORSE ist nicht Gott, aber er schreibt göttliche Songs – und ist (Gott sei dank) auf den „richtigen“ Weg zurückgekehrt – auf den Weg des Prog Rock
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