Ich
weiß wirklich nicht, was ich noch von NEAL MORSE
und seinem massiven Output halten soll, besonders seit er Spock’s
Beard verlassen hat. Seine stark religiös geprägten
lyrischen Konzepte machen mich jedes Mal krank, wenn ich seine
Alben höre, aber andererseits ist er auch ein wirklich
fähiger Musiker, um nicht zu sagen: brillant. Sola
Scriptura bildet da keine Ausnahme, es ist ein
solides 75-Minuten Prog-Epos mit renommierten Gastmusikern und
einem ambitionierten Konzept. Alles in allem ist es wirklich
ein gutes Album, aber eben auch sehr „morsig“. Wenn
ihr ?, Testimony,
One und seine anderen Soloalben mochtet,
werdet ihr es womöglich mögen. Um ehrlich zu sein,
ich bin vielleicht auch nicht wirklich die Sorte Mensch, die
man ernsthaft als NEAL MORSE-Fan bezeichnen
kann, denn ich könnte mir den Kram niemals den ganzen Tag
anhören. Trotzdem muss ich hier eine Lanze brechen für
Neal, denn Sola Scriptura ist um Einiges
erträglicher als z.B. Testimony
oder ?, also würde ich eine vorsichtige
Kaufempfehlung für das Album aussprechen. Falls ihr Euch
also ins Reich der akustischen Exzesse eines religiösen
Sektierers begeben wollt, der in regelmäßigen Abständen
an seiner Hammondorgel durchdreht, zögert bitte nicht.
Ihr werdet es entweder lieben oder hassen, aber macht mich bitte
nicht dafür verantwortlich, falls ihr plötzlich den
Drang verspürt, Messdiener zu werden, und euch verpflichtet
fühlt, dem großen Anführer Morsus Christus zu
folgen. Aber hey, es IST, und das wieder hole ich auch gerne,
es IST ein großartiges Album!