Heißa,
so machen Reunions wirklich Sinn! Denn NASYTY SAVAGE
waren schon früher geil, und zum Glück haben sie in
den letzten Jahren nichts an Biss und/oder musikalischem Können
eingebüsst. Nach dem ersten neuen Lebenszeichen im letzten
Jahr mit der Wage Of Mayhem –
EP folgt nun also etwas verspätet der erste komplette Longplayer
seit 15 Jahren. Obwohl: es wäre echt nicht nötig gewesen,
mit der Titelvergabe Psycho Psycho um
eine Review von mir zu bitten...
Aber Spaß
beiseite... Allen, denen bereits die letzte EP gefallen hat
oder die sich noch an die Glanztaten aus den 80ern erinnern,
wird diese CD ebenfalls definitiv gefallen. Bereits der Opener
und Titeltrack fräßt sich absolut gnadenlos in die
Gehirnwindungen: abgefahrenes, zugleich melodisches wie auch
brutales Power-Riffing, eine mörderische Doublebass-Wand
und der geniale, total abgedrehte Gesang von Nasty Ronnie; so
muss das sein! Die Produktion drückt mächtig nach
vorne, die Lead-Arbeit ist wie früher genial und mit hervorragenden
Ideen gespickt, der Refrain allererste Sahne und auch sonst
gibt es absolut nichts auszusetzen.
Die folgenden Stücke halten dann zum Glück diesen
Standard: Hell Unleashed überzeugt mit interessanten
Breaks und einem Wechselspiel zwischen straighten Death/Thrash-Passagen
und komplexen Riffs, Anguish hätte auch auf Abstract
Reality stehen können, das Strophenriff in
Human Factor lässt die manchmal schon früher
vorhandenen Celtic Frost-Anleihen wieder aufleben, während
im Refrain die zum Markenzeichen gewordenen hohen Vocals auftauchen,
und das zunächst schleppend, fast schon im Doom/Death-Manier
beginnende Terminus Maximus entwickelt sich im weiteren
Verlauf zu einem abwechslungsreichen und verschachtelten Power-Banger.
Aber auch
die folgenden Stücke können fast allesamt überzeugen,
z.B. der harte Thrasher Step Up To The Plate oder der
einzige bisher noch unveröffentlichte Demo-Track Savage
Desire, der klar die US-Metal-Wurzeln und die frühen
Mercyful Fate-Einflüsse von NASTY SAVAGE
aufzeigt, jedoch in den letzten 20 Jahren nichts an Power oder
Charme verloren hat. Und um das Album dann perfekt abzurunden,
erwischen die fünf Florida-Boys mit Merciless Truths auch
noch einen optimalen Abgang, der einen den Griff zur Replay-Taste
fast schon automatisiert durchführen lässt.
Trotzdem befürchte ich, dass die Band mit diesem Album
nicht viel mehr Erfolg als früher haben wird, denn bei
aller musikalischen Klasse muss man sich mit dem Material durchaus
ein wenig auseinandersetzen, wozu es ja leider häufig nicht
kommt. Auf jeden Fall beweisen NASTY SAVAGE
mit Psycho Psycho, dass sie innerhalb
der Szene immer noch eine Ausnahmestellung einnehmen, was fast
zwangsweise mit fetten 9 Punkten von mir honoriert werden muss.
Und zumindest mal im Plattenladen reinhören sollte für
jeden Freund harter Gangart mit Qualitätsanspruch Pflicht
sein!